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AkdÄ warnt vor kardialen Risiken von Domperidon

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Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft warnt bei bestimmten Patientengruppen bzw. bei Einnahme von arrhythmielastigen Arzneimitteln vor der Einnahme von Domperidon.

Domperidon ist ein peripherer Dopaminantagonist mit motilitätssteigernden, antiemetischen Eigenschaften. Es ist mit 13,2 Mio. verordneten Tagesdosen nach Metoclopramid (56,6 Mio. DDD) das am zweithäufigsten verordnete Prokinetikum in Deutschland. Zugelassen ist das Medikament zur symptomatischen Behandlung von Übelkeit und Erbrechen, epigastrischem Völlegefühl, Oberbauchbeschwerden und Regurgitation von Mageninhalt. Bereits in den 1980er Jahren wurde über schwerwiegende Herzrhythmusstörungen durch intravenös verabreichtes Domperidon berichtet (heute nicht mehr verfügbar). Das Arzneimittel hat ähnliche elektrophysiologische Effekte am Herzen wie das in vielen Ländern inzwischen verbotene Cisaprid und Klasse-III-Antiarrhythmika wie Amiodaron oder Sotalol.

Um das kardiotoxische Risiko von Domperidon gezielt zu untersuchen, wurden zwei Fallkontrollstudien durchgeführt:

  • In einer kanadischen Untersuchung mit 1608 Fällen (49 mit schwerwiegender ventrikulärer Arrhythmie, 1559 mit plötzlichem Herztod) und 6428 Kontrollen war das Risiko hingegen signifikant erhöht (adjustierte Odds Ratio 1,59 (95-%-KI: 1,28–1,98).

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und die britische Arzneimittelbehörde (MHRA) haben sich mit den kardialen Risiken von Domperidon beschäftigt und Anpassungen der Fach- und Gebrauchsinformation angeordnet. Den neueren Text der MHRA finden Sie unter: www.mhra.gov.uk/Safetyinformation/DrugSafetyUpdate/CON152725&nbsp

Die AkdÄ rät zu folgenden Empfehlungen:

  • Domperidon sollte in der niedrigsten wirksamen Dosis verordnet werden. Laut Fachinformation beträgt die maximale Tagesdosis 80 mg.
  • Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit vorbestehender Verlängerung der QT-Zeit, bei Elektrolytstörungen und bei vorbestehenden Herzerkrankungen oder Einnahme von kardialen Medikamenten, bei Patienten älter als 60 Jahre und bei Einnahme von mehr als 30 mg Domperidon pro Tag.
  • Domperidon sollte nicht gleichzeitig mit Medikamenten verordnet werden, die ebenfalls zu einer QT-Verlängerung führen. Hierzu gehören z.B. Erythromycin, Azithromycin, Moxifloxacin, Haloperidol oder Citalopram. Eine ausführliche Liste ist online unter www.QTdrugs.org verfügbar.
  • Da Domperidon in erster Linie über das Zytochrom P-450 (CYP) 3A4 verstoffwechselt wird, kann die gleichzeitige Gabe von Hemmstoffen dieses Enzyms den Serumspiegel von Domperidon erhöhen. CYP3A4-Hemmstoffe sind z.B. Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Clarithromycin, Itraconazol, Ketoconazol, Erythromycin, Diltiazem, Verapamil und Grapefruitsaft. Ausführliche Informationen zu Interaktionen, die über P-450-Zytochrome vermittelt werden, findet man online unter www.medicine.iupui.edu/clinpharm/ddis/

Das französische drug bulletin Préscrire (eine Schwesterzeitschrift von Arzneitelegramm, Arzneimittelbrief oder Pharmakritik) rät dazu, auf Domperidon ganz zu verzichten.

Foto: wikipedia/Edgar181


(Stand: 15.02.2013)

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