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Nicht-sichtbare Hämaturie – weniger ist mehr!

DOI: 10.3238/zfa.2014.0058-0060

Neue S1-Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

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Was ist bekannt?

Eine nicht-sichtbare Hämaturie kann ein erster Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung sein: Bei unter 40-Jährigen ist vorrangig an Glomerulopathien zu denken, bei über 40-Jährigen stehen Malignome im Harntrakt im Vordergrund. Es ist die Absicht des opportunistischen Screenings, z.B. im Rahmen der „Gesundheitsuntersuchung“, mittels Harnstreifenanalyse diese gefährlichen Verläufe frühzeitig zu erkennen. Mit einem Screening sind jedoch zwangsläufig auch nachteilige Folgen verbunden [1]. So verleiten physiologische, interkurrente oder harmlose nicht-sichtbare Hämaturien zu einer Über- und Fehlversorgung. Damit werden Ressourcen verbraucht, die an anderer Stelle benötigt werden [2].

Was ist neu?

Ein Screening auf eine nicht-sichtbare Hämaturie führt zu einer großen Anzahl von falsch-positiven Befunden, weil bereits die „physiologische Hämaturie“ über der bei den Harnstreifentests festgelegten Nachweisgrenze liegt. Die mikroskopische Urinuntersuchung stellt keine Alternative oder Ergänzung zum Harnstreifentest dar. Daher wird für die Hausarztpraxis ein abgestuftes und am Alter der Untersuchten orientiertes Vorgehen empfohlen. Nach dem Ausschluss von ernsten Erkrankungen erfolgt ein abwartendes Offenhalten, welches um ein kleines, jährliches Untersuchungsprogramm ergänzt wird.

Was gibt es noch zu tun?

Bislang gibt es keine Hinweise auf eine Überlegenheit eines Urinanalyse-Screenings gegenüber einem Verzicht auf ein derartiges Screening. Eine wissenschaftliche Ermittlung der Schaden-Nutzen-Bilanz sollte rasch nachgeholt werden. Bis zuverlässige Ergebnisse vorliegen, sollten Hausarztpraxen einen Algorithmus in die Praxisverwaltungssysteme einpflegen, um Patientinnen und Patienten vor zu viel und vor falscher Medizin zu schützen [3].

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Armin Mainz

Gemeinschaftspraxis

Am Berndorfer Tor 5, 34497 Korbach

dialog@praxis-korbach.de

www.praxis-korbach.de

Literatur

Hintergrundliteratur zur S1-Leitlinie „Nicht-sichtbare Hämaturie“

1. Steckelberg A, Hülfenhaus C, Haastert B, Mühlhauser I. Effect of evidence based risk information on “informed choice” in colorectal cancer screening: randomised controlled trial. BMJ 2011; 342: d3193

2. Spence D. Saying no to chemotherapy. BMJ 2013; 346: f4023

3. Kühlein T, Freund T, Joos S. Patientenorientierte Medizin: Von der Kunst des Weglassens. Dtsch Arztebl 2013; 110: A-2312

Kelly D, Fawcett DP, Goldberg LC. Assessment and management of non-visible haematuria in primary care. BMJ 2009; 338: a3021

Blanker MH. Diagnosis of urothelial carcinoma by the general practitioner – significance of haematuria. Ned Tijdschr Geneeskd 2009; 153: A1198

Rodgers M, Nixon J, Hempel S, et al. Diagnostic test and algorithmus used in the investigation of haematuria. Systematic reviews and economic evaluation. Health Technol Assessm 2006; 10: iii–iv, xi-259

Fatica R, Fowler A. Hematuria. The Cleveland Clinic Foundation, Center for Continuing Education 2011

Rao PK, Jones JS. How to evaluate “dipstick hematuria”: what to do before you refer. CCJM 2008; 75: 227–233

www.clinlabnavigator.com/test-Interpretations/urinanalysis.html

Cohen RA, Brown RS. Microscopic hematuria. NEJM 2003; 348: 2330–2338

Summerton N, Mann S, Rigby AS, et al. Patients with new onset haematuria: assessing the discriminant value of clinical information in relation to urological malignancies. Br J Gen Pract 2002; 52: 284–289

Sugimura K, Ikemoto SI, Kawashima H, Nishisaka N, Kishimoto T. Microscopic hematuria as a screening marker for urinary tract malignancies. Int J Urol 2001; 8: 1–5

Roche Diagnostics GmbH, Mannheim, Germany. Combur 9 Test, Gebrauchsanweisung. Stand: Mai 2010

Facharzt für Innere Medizin, Korbach

DOI 10.3238/zfa.2014.0058–0060


(Stand: 08.05.2015)

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