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Medikamentenmonitoring – vom Kopf auf die Füße!

DOI: 10.3238/zfa.2014.0054-0057

Neue S1-Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

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Was ist bekannt?

Mit einer steigenden Zahl von Medikamentenverordnungen wächst das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW). Die gemeinsam von der Leitliniengruppe Hessen und der DEGAM veröffentlichte Leitlinie „Multimedikation“ weist erneut auf dieses Problem hin [1]. Das Schädigungspotenzial dieser UAW ist beträchtlich. Selbst ohne Berücksichtigung der Dunkelziffer summieren sich die Kosten bereits nach wenigen Jahren auf einen Betrag im Milliarden-Euro-Bereich [2]. Nicht zählbar ist das dadurch verursachte Leid der Betroffenen. Zwar geben die Fachinformationen für jedes Medikament die empfohlenen Kontrolluntersuchungen an, die Koordination der erforderlichen Maßnahmen ist allerdings noch ungenügend. In einem gut organisierten Gesundheitssystem wäre es möglich, die entsprechenden Aufgaben verantwortlich zu regeln [3].

Was ist neu?

Mit der Handlungsempfehlung „Medikamentenmonitoring“ erhält die koordinierende Arztpraxis eine Anleitung für die Überwachung von Laborparametern bei Medikamenten mit einem erhöhten Risikopotenzial. Unter Berücksichtigung externer und interner Evidenz wurden von einem hausärztlichen Qualitätszirkel die Anzahl der Parameter und die Intervalle der Kontrollen – an Behandlungsphasen orientiert – empfohlen. Die patientenbezogene Integration dieser Empfehlungen in die Praxisverwaltungssysteme sowie die Verknüpfung mit einem Recall-Verfahren könnten die Sicherheit in der Patientenversorgung erhöhen.

Was gibt es noch zu tun?

Bereits vor dem Beginn einer (risikoreichen) Verordnung müssten Patientinnen und Patienten über die notwendigen Begleituntersuchungen informiert werden. Beim Entscheidungsprozess vor einer medikamentösen Therapie wären das Risikopotenzial des Medikaments und die erforderliche Therapieüberwachung zu berücksichtigen. Nach Anpassung der Versorgungsstruktur in Deutschland an internationale Standards könnte durch hausärztliche Praxen ein systematisches Medikamentenmonitoring sichergestellt werden.

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Armin Mainz

Gemeinschaftspraxis

Am Berndorfer Tor 5, 34497 Korbach

dialog@praxis-korbach.de

www.praxis-korbach.de

Literatur

Hintergrundliteratur zur S1-Leitlinie „Medikamentenmonitoring“

1. Leitliniengruppe Hessen, DEGAM. Hausärztliche Leitlinie „Multimedikation“, Version 1.06 vom 04. 09. 2013

2. Fuchs S, Neumann J, Klement A. Potenziell lebensrettend. Dtsch Arztebl 2013; 110: A-2070–2074

3. Spence D. Do we need GPs? BMJ 2013; 347: f6589

Edwards R. An agenda for UK clinical pharmacology pharmacovigilance. Br J Clin Pharmacol 2012; 73: 6

Raine JM. Drug safety. Reporting systems for the general public. BMJ 2012; 345: e4916

Pirmohamed M, Atuah KN, O Dodoo AN, Winstanley P. Pharmacovigilance in developing countries. BMJ 2007; 335: 462

Dreischulte T, Grant AM, McCowan C, McAnaw JJ, Guthrie B. Quality and safety of medication use in primary care: consensus validation of a new set of explicit medication assessment criteria and prioritisation of topics for improvement. BMC Clinical Pharmacology 2012; 12: 5

Tomson T, Dahl M, Kimland E. Therapeutic monitoring of antiepileptic drugs for epilepsy. Cochrane Database Syst Rev 2007, Issue 2. Art. No.: CD002216

Williams K. Patients will be able to report drugs’ side effects. BMJ 2004; 328: 1095

Pirmohamed M, Breckenridge AM, Kitteringham NR, Park BK. Adverse drug reactions. BMJ 1998; 316: 1295

Moore N, Bégaud B. Improving pharmacovigilance in Europe. BMJ 2010; 340: c1694

Whiting B, Kelman AW, Bryson SM, et al. Clinical pharmacokinetics: a comprehensive system for therapeutic drug monitoring and prescribing. BMJ 1984; 288, 541–545

Aronson JK, Hardman M. Why monitor drug therapy? BMJ 1992; 305, 947–948

Aronson JK, Hardman M. Measuring plasma drug concentrations. BMJ 1992; 305, 1078–1080

Facharzt für Innere Medizin, Korbach

DOI 10.3238/zfa.2014.0054–0057


(Stand: 08.05.2015)

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