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3. Summerschool Allgemeinmedizin in Greifswald

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Rebekka Deißer, Sandra Lange

Vom 28.08.–01.09.2013 öffnete zum 3. Mal die Summerschool Allgemeinmedizin ihre Pforten. Dieses Jahr lud die Abteilung Allgemeinmedizin des Institutes für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald zu sich ein. Bei traumhaftem Wetter fand am Nachmittag des ersten Tages das Kennenlernen von 30 Studenten aus ganz Deutschland, Dozenten, Ärzten und Weiterbildungsassistentinnen statt. Austragungsort waren die Schulungsräume der Jugendherberge Greifswald. Prof. Chenot (Abteilungsdirektor) und Dr. Dieter Kreye (KVMV und zugleich Vorsitzender des Hausärzteverbandes Mecklenburg-Vorpommern) begrüßten uns. Anschließend ließen alle Teilnehmer den ersten Abend bei einem gemeinsamen Fischbrötchen-Essen im historischen Stadthafen Greifswalds ausklingen.

Ähnlich wie in einer Hausarztpraxis begann der zweite Tag mit einer Sprechstundensimulation. Diese war von Vielseitigkeit, Zeitmangel und raschen Entscheidungen geprägt. Anhand von Patientenbeispielen unterschiedlichsten Alters und mit den verschiedensten Beratungsanlässen führte Prof. Chenot realitätsnah die allgemeinmedizinische Konsultationsvielfalt vor.

Im Anschluss fand der praxisorientierte Kleingruppenunterricht statt. Dr. Gero Kärst, Hausarzt in Wolgast, gewährte uns einen Einblick in die klinische Diagnostik bei verschiedenen Problemen des Bewegungsapparates und übte mit uns chirotherapeutische Behandlungen. Motivierende Gesprächsführung wurde mit Dipl.-Psych. Kristine Jahnke sowohl im gegenseitigen Dialog als auch mit einer Simulationspatientin geübt. Durch die bestehende Multimorbidität (nicht zuletzt dem immer weiter steigenden Alter der Patienten geschuldet) wurden auch die oftmals sehr langen Medikamentenlisten ins Visier der Medizinstudenten gerückt. Wir diskutierten unter der Leitung von Dr. Heinz Hammermayer, Hausarzt in Greifswald, den Umgang mit Polypharmazie an einzelnen Patientenbeispielen; z.B. überlegten wir gemeinsam, was von der langen Medikamentenliste einer Patientin gestrichen werden kann.

Eine Expedition in die Phytotherapie rundete den langen und lehrreichen Tag ab. Prof. Chenot und Dr. Christian Eichkorn führten uns durch den botanischen Garten Greifswalds, zeigten uns die großartige Vielfalt der Natur und lehrten uns, dass Johanniskraut und Ginkgo unter Umständen verschreibungspflichtig sein können und pflanzliche Medikamente in der Hausarztpraxis eine Rolle spielen.

Am nächsten Tag thematisierte Johannes Spanke die Frauengesundheit und teilte seine langjährigen Erfahrungen aus der Praxis mit uns. Er ist nicht nur Facharzt für Allgemeinmedizin, sondern auch Facharzt für Gynäkologie. Besonders hervorgehoben wurde dabei der Beratungsanlass „Kinderwunsch“.

In eine ganz andere Richtung führte uns an diesem Tag Dr. Jens Thonack, Hausarzt in Greifswald. Er machte uns deutlich, dass insbesondere am Ende eines Menschenlebens die Medizin uns zukünftige Ärzte/Ärztinnen an unsere Grenzen führen kann. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung hat sich u.a. zum Ziel gesetzt, dass es Patienten mit einer begrenzten Lebenserwartung ermöglicht wird, die letzte Phase ihres Lebens in häuslicher Umgebung zu verbringen. Dieses Thema wird kontrovers diskutiert, da es auch eine allgemeine ambulante Palliativversorgung gibt.

Prof. Peter Maisel, Dr. Hedda Wollbold und Dr. Ralf Jendyk aus Münster, die nächstes Jahr die 4. Summerschool ausrichten werden, hatten sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Sie konzipierten ein EKG-Gesellschaftsspiel à la „Mensch ärgere dich nicht“, das uns nicht nur mit vielen EKG-Auswertungen, sondern auch mit besonders raffinierten Chefarzt- oder Notarztfragen forderte.

Zur Schärfung unserer Blicke zeigte Prof. Chenot uns im Anschluss typische Blickdiagnosen und klinische Zeichen. Dieser reichte von einer Otitis externa diffusa, über eine ausgeprägte Gürtelrose bis hin zum Hallux valgus.

Da Greifswald einen sehr langen geschichtlichen Hintergrund hat, durfte auch eine Stadtführung nicht fehlen. Begonnen bei der „Dicken Marie“ über den „Fischerbrunnen“ endete diese schließlich vor dem traditionellen Rektorgebäude.

Der letzte Tag der Summerschool begann chirurgisch – mit einem Nahtkurs und der Wundversorgung in der Hausarztpraxis. Die Ärztinnen Annika Matz und Dr. Aniela Angelow erörterten mit uns, ob und unter welchen Bedingungen die kleine Chirurgie in der Hausarztpraxis möglich ist. Nach den theoretischen Grundlagen konnten wir an Schweinefüßen unsere Nähkünste zeigen.

Nach so viel Input und der lehrreichen Zeit sollte auch das innere Gleichgewicht nicht zu kurz kommen. So zeigte uns die erfahrene Hausärztin aus Bergen auf Rügen, Dipl.-Med. Carmina Spreemann, und Kristine Jahnke wie man mit Autogenem Training und Progressiver Muskelrelaxation seinen Körper bewusster wahrnehmen und entspannen kann.

Nach über drei Tagen intensivem Kontakt mit Hausärzten, allgemeinmedizinischen und gesundheitspolitischen Themen konnten die 30 Medizinstudenten alle ihre noch unbeantworteten Fragen ohne Tabus im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Experten und Ärztinnen in Weiterbildung stellen.

Die Verleihung der Teilnahme-Zertifikate fand am Samstagabend in ganz besonderem Ambiente statt. Das Organisationsteam hatte für uns einen Segeltörn auf der „Weißen Düne“, einem 1909 erbauten Segelschiff, organisiert. Von Wolgast aus, dem „Tor zur Insel Usedom“, begannen wir die Abschlussfahrt und feierten die sehr schöne, lehrreiche und unvergessliche 3. Summerschool Allgemeinmedizin auf dem Peenestrom an der Ostsee.

Zum Schluss möchten wir im Namen aller Studenten ein herzliches Dankeschön an alle aussprechen, die uns dies ermöglicht haben. Wir wünschen den Organisationen der 4. Summerschool Allgemeinmedizin 2014 in Münster viel Erfolg und ein gutes Gelingen!

Korrespondenzadresse

Rebekka Deißer

Universitätsmedizin Greifswald

Tel.: 0152 54706683

r.deisser@arcor.de

Abbildungen:

Abbildung 1 Dr. Gero Kärst (links) übt mit uns chirotherapeutische Behandlungen.

Abbildung 2 Unsere Abschlussfahrt auf der „Weißen Düne“

Abbildung 3 Unter den Segeln der „Weißen Düne“ über den Peenestrom

Abbildung 4 Die Kapitänin (rechts) erklärt die Seeroute.

1 Studentin an der Technischen Universität Dresden

2 Studentin an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald


(Stand: 08.05.2015)

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