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Umgang mit Entlassmedikation

DOI: 10.3238/zfa.2014.0061-0065

Neue S1-Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

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Ilja Karl

Problem

Die Schnittstelle ambulant/stationär ist u.a. durch Veränderungen in der Arzneimitteltherapie der Patienten gekennzeichnet. Fehlt z.B. bei der stationären Aufnahme eines Patienten ein aktueller Medikationsplan oder ist der Plan unvollständig, ist der Grundstein für Medikationsfehler gelegt. Bei der Entlassung kommen mehrere Faktoren hinzu, die u.U. die ambulante Weiterversorgung komplizieren können. Zu diesen Faktoren gehören:

  • Die in der ambulanten Medizin geltenden Verordnungseinschränkungen laut Arzneimittelrichtlinien gelten nicht für Krankenhäuser, in denen sie auch weitgehend unbekannt sind.
  • Vorhandene Evidenz oder ggf. deren Nicht-Vorhandensein werden bei der Entlassung nicht ausreichend gewürdigt.
  • Wirtschaftlichkeit wird im ambulanten Bereich anders definiert als in der Klinik.
  • Die Perspektive des Patienten und seine Ressourcen finden nicht immer Berücksichtigung.

Entlassungen aus der Klinik erfolgen in der Mehrzahl unangekündigt, zum Wochenende oder zu Feiertagen. Regelmäßig muss dann vom Hausarzt unter Zeitdruck entschieden werden, ob und in welchem Umfang die Entlassmedikation weitergeführt wird.

Es besteht also für Hausärztinnen und Hausärzte das Problem, unvorbereitet und im engen zeitlichen Rahmen einer ungeplanten Konsultation ein komplexes Problem wie die Umsetzung stationärer Medikationsempfehlungen bewältigen zu müssen.

Was wir wissen

Es gibt eine Reihe von Untersuchungen zur Intervention „Medikations-Überprüfung“ (medication reconciliation, medication review). Darunter finden sich keine Studien zu dieser Intervention in hausärztlichem Setting. Ein relevanter Effekt auf Mortalität und auf stationäre Wiederaufnahme konnte nicht gezeigt werden, hingegen fand sich eine Reduktion der Inanspruchnahme von Notfallambulanzen [1].

Im Jahr 2013 veröffentlichte die Leitliniengruppe Hessen die „Hausärztliche Leitlinie Multimedikation“[2]. Gegenstand dieser umfassenden Leitlinie ist die sichere Handhabung der Arzneitherapie bei multimorbiden Patienten vor dem Hintergrund einer leitliniengerechten Therapie. Kernstück ist die umfassende Darstellung des Medikationsprozesses. Im Schritt 2 dieses Prozesses wird die Medikationsbewertung aufgeführt und es werden entsprechende Instrumente erläutert.

Lösungsangebot

Begrenzte Zeit und meist fehlende Vorbereitung (Bereitstellung Diagnosen, Angaben zur Vormedikation, Nierenfunktion, Evidenzrecherche) lassen eine vollständige Medikationsüberprüfung wie in der Leitlinie „Multimedikation“ dargestellt, im Setting einer ungeplanten Konsultation nach Entlassung nicht praktikabel erscheinen.

Aus diesem Grunde wurden für die vorliegende S1-Handlungsempfehlung „Umgang mit Entlassmedikation“ die Kriterien der Medikationsüberprüfung aus der Leitlinie „Multimedikation“ im Sinne einer Priorisierung danach geordnet, welche sofort zu klären sind und welche aufgeschoben, z.B. in einer geplanten Konsultation, abgehandelt werden können. Ziel soll eine umfassende Medikationsüberprüfung sein, an deren Ende ein Medikationsplan wie z.B. derjenige des Aktionsplans Arzneimitteltherapie-Sicherheit, steht [3].

Zusätzlich werden Instrumente dargestellt, mit deren Hilfe Interaktionen, Dosierung bei Niereninsuffizienz, Verordnungsfähigkeit und Evidenzlage beurteilt werden können.

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Ilja Karl

Plather Dorfstraße 12c

39624 Kalbe/M.

Tel.: 039030 95086

ikarl@t-online.de

Literatur

1. Christensen M, Lund A. Medication review in hospitalized patients to reduce morbidity and mortality. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013 Issue 2. Art. No.: CD008986. DOI: 10.1002/14651858.CD008986.pub2

2. www.pmvforschungsgruppe.de/pdf/03_publikationen/multimedikation_ll.pdf (letzter Zugriff am 06.01.2014)

3. www.akdae.de/AMTS/Massnahmen/docs/Medikationsplan.pdf (letzter Zugriff am 06.01.2014)

Niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in Arendsee/Altmark

DOI 10.3238/zfa.2014.0061–0065


(Stand: 08.05.2015)

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