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Interview mit Prof. Dr. Frank H. Mader zur DEGAM-Festschrift

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Leson: Als Autor der Festschrift zum Jubiläum der DEGAM haben Sie wie kein zweiter einen Überblick über die letzten 50 Jahre der Allgemeinmedizin in Deutschland. Was sind aus Ihrer Perspektive Meilensteine?

Mader: Der eigentliche Meilenstein ist 1966 die Gründung unserer wissenschaftlichen Fachgesellschaft und die hier beginnende Etablierung unseres Gebiets. Die Allgemeinmedizin war damals wie ein Start-up. Die Zunft der Praktiker war anfangs noch etwas hilflos. Ich bin damals als Medizinjournalist aktiv gewesen und als Student wie ein goldenes Ei in der Szene herumgereicht worden: Wir haben 1966/67 ein Konzept für eine allgemeinmedizinische Pflichtfamulatur entworfen und damals in Bonn bei der Politik dafür geworben. Leider sind wir nach nur einem Jahr Umsetzung gescheitert, weil wir langfristig nicht genug Plätze organisieren konnten. Praktiker und Alma Mater waren im Übrigen zu dieser Zeit noch weit voneinander entfernt.

Leson: Sie waren also ein Zeitzeuge der Gründung und Entwicklung der wissenschaftlichen Allgemeinmedizin. Kam daher auch die Idee, eine Festschrift zum Jubiläum der DEGAM zu verfassen?

Mader: Die Idee hatte Prof. Gerlach, er hat mich 2012 auf dem Kongress in Rostock angesprochen. Ich war anfangs unsicher, denn der Umfang eines solchen Projekts war zunächst nicht absehbar. Aber ich habe mich dann bereit erklärt, die Archive zu sichten und die kommenden vier Jahre damit zu verbringen.

Leson: Mit welcher Zielsetzung sind Sie an das Projekt herangegangen?

Mader: Ich möchte ein halbes Jahrhundert adäquat und zu gleichen Teilen abbilden. Im Kern geht es darum, wie sich das Fach von der allgemeinen Medizin zur Allgemeinmedizin weiterentwickelt hat. Vor allem in den ersten Jahrzehnten teilte die Allgemeinmedizin das Schicksal einer schönen Geliebten: Jeder machte ihr einen Antrag, aber keiner wollte sie dann auch heiraten. Außerdem wird die Festschrift zeigen, dass es immer wieder Visionen bedurfte, um die wissenschaftliche Allgemeinmedizin nach vorn zu bringen.

Leson: Hatten Sie Schwierigkeiten beim Erstellen und Planen der Festschrift?

Mader: Nein, die gab es nicht. Ich habe die ganze Zeit über das Vertrauen des DEGAM-Präsidiums gespürt, das hat mir Sicherheit gegeben. Der Vertrauensvorschuss ist für mich eine Auszeichnung, denn mit der Festschrift lege ich auch ein Fundament für die Beschäftigung mit der Historie der Allgemeinmedizin in den kommenden 50 Jahren. Die Herausforderung bestand letztlich auch darin, aus den vielen Fragmenten ein konsistentes Werk zu machen.

Leson: Gab es Überraschungen bei der Recherche?

Mader: Überraschungen gab es keine, ich kannte ja das meiste aus eigenem Erleben. Aber mich hat immer wieder fasziniert, wie hier ein veritables medizinisches Fachgebiet entstanden ist. Die Festschrift ist daher auch sehr ausgewogen geworden und stellt Verknüpfungen zur heutigen Zeit her, zum Beispiel zu den Aktivitäten der Jungärztinnen und Jungärzte oder zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber auch zu den Zukunftspositionen der DEGAM. Insgesamt sind über 100 Abbildungen enthalten.

Leson: Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Mader: Die Arbeit war für mich ein Abenteuer. Ob das Ergebnis gelungen ist, sollen am Ende die Leser entscheiden.

Abbildungen:

Prof. Dr. med. Frank H. Mader

Foto: TU München

Cover der Festschrift


(Stand: 10.02.2016)

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