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3 Fragen an ...Prof. Dr. Gernot Lorenz

DEGAM-Präsident 1992–1996

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1. Welche Rolle messen Sie der DEGAM bei der Entwicklung der wissenschaftlichen Allgemeinmedizin in Deutschland bei und was sind aus Ihrer Sicht die Meilensteine der letzten 50 Jahre?

Die DEGAM war in den ersten 20 Jahren mehr die Vertretung der Wissenschaft zur deutschen und internationalen Öffentlichkeit und zur Wissenschaftspolitik, während die Vereinigung der Hochschullehrer und Lehrbeauftragten (heute GHA) mehr die interne und hochschulpolitische corporate identity vertrat. Nun sind die Dinge eigentlich nicht zu trennen. Seit den 90er Jahren und nach dem Tod von Prof. Häussler, seinerzeit 1. Vorsitzender der Hochschullehrervereinigung, ist die DEGAM ihrer Rolle als wissenschaftlicher Gesellschaft deutlicher gerecht geworden: Sie hat in den Kompromissen um die Pflichtweiterbildung vor Niederlassung unter Gesundheitsminister Seehofer den entscheidenden Schritt voran erreicht und damit die verhindernde Politik des Marburger Bundes quer durch die Ärztekammern, AWMF und Fakultätentag scheitern lassen. Die Erstellung des Kursbuches Allgemeinmedizin für die Kursweiterbildung der 240 Stundenkurse zusammen mit Prof. Ollenschläger vom Dezernat für Fort- und Weiterbildung war so ein Meilenstein.

Prof. Kochen gelang es von dem Kongress in Saarbrücken (1993) an, systematisch spezifisch allgemeinmedizinisch-wissenschaftliche Beiträge zur Präsentation zu bringen, sodass heute der jährliche Kongress wirklich ein Schaufenster der wissenschaftlichen Allgemeinmedizin ist und ein Katalysator akademischer Karrieren. Der wissenschaftliche Mittelbau ist das eigentliche Wachstumselement. Die Erneuerung der AO unter Ministerin Schmid 2003 führte zur Realisierung des Blockpraktikums und des PJ. Damit verbunden war die Bindung von Hunderten von Praxen an die Universitätsabteilungen und Lehraufträge. Diese Praxisinhaber wurden dann zunehmend auch Mitglieder unserer Gesellschaft und identifizieren sich häufig mit ihren kritischen Zielen. Endlich haben wir diese breite Basis.

2. Wie schätzen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Allgemeinmedizin ein?

Unser Hauptthema ist eigentlich die Versorgungsrealität in allen Aspekten. Damit verbunden die Qualitätssicherung. Daraus ergeben sich die Themen für Forschung und Lehre. Versorgungsforschung wird schließlich auch drittmittelgefördert. Das Drittmittelkonto der wissenschaftlichen Abteilungen ist der HbA1c der Wissenschaft. Da haben wir eben jetzt auch Chancen.

3. Was wünschen Sie sich für die Zukunft unseres Faches?

Weg vom Be-Jammern der Defizite hin zu offensichtlicher Freude und Befriedigung im Beruf. Alles andere kommt dann von selbst.


(Stand: 10.02.2016)

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