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Gendergerechte Sprache

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Hanna Kaduszkiewicz


Manche von Ihnen werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: „Nein, jetzt fängt auch noch die ZFA damit an. Diese Sprache ist doch völlig unleserlich!“

Einige werden sich auf Konventionen berufen und klarstellen, dass bei der Nennung von Ärzten, Lastwagenfahrern und Bademeistern selbstverständlich immer auch die Frauen mitgemeint seien. Andersherum natürlich auch, „Krankenschwestern“ wären selbstverständlich auch Horst und Michael. Andere werden sich vielleicht freuen und anmerken, dass sich Sprache verändert, verändern muss, um die gesellschaftlichen Entwicklungen erfassen zu können. Wer würde denn heute noch „Bundeskanzler Merkel“ sagen? Zu Beginn ihrer Tätigkeit als Bundeskanzlerin war dieses Wort umstritten, 2005 wurde es von der Gesellschaft für deutsche Sprache sogar zum „Wort des Jahres“ gewählt, so ungewöhnlich war es.

Jede Entwicklung stößt bei einem Teil der Menschen auf Widerstand und so runzelte auch ich die Stirn, als mich ein Kommilitone vor gut 25 Jahren auf ein Buch von Luise F. Pusch aufmerksam machte: „Das Deutsche als Männersprache“. Ich fand das Thema nicht besonders wichtig, aber der Kommilitone war beharrlich. Irgendwann kaufte ich mir das Buch und zermarterte mir fortan bei jedem Text, den ich für die Fachschaftszeitschrift schrieb, das Hirn, wie ich gendergerecht schreiben könnte. Inzwischen ist das Berücksichtigen von Männern und Frauen so selbstverständlich geworden, dass ich mich überhaupt nicht mehr angesprochen fühle, wenn jemand von Ärzten, Professoren, Wissenschaftlern oder Kollegen spricht oder schreibt.

Ich glaube, wir müssen Sie nicht weiter überzeugen. Wer Argumente braucht, sei auf einen Aufsatz von Norbert Schmacke verwiesen, der die Hypothese aufstellt, dass das Weglassen der weiblichen Form dem Gesundheitswesen schade, welches mehr denn je auf die Berufstätigkeit von Ärztinnen angewiesen sei [1]. Gerade in der Allgemeinmedizin, in der rund 44 % der an der vertragsärztlichen Versorgung Teilnehmenden Frauen sind [2], sollten wir gleichermaßen von Ärztinnen und Ärzten sprechen.

Es geht also nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“. Die Herausgeberinnen und Herausgeber wollen Sie nicht quälen. Wir möchten Sie dazu motivieren, in den Texten, die Sie einreichen, auf gendersensible Sprache zu achten und sie, soweit möglich, einzusetzen. Keine Bange: Wir werden nicht jedem Patienten eine Patientin zuordnen, und nicht jedem Arzt eine Ärztin. Wie Sie an den Beiträgen in diesem Heft sehen können, haben wir die Texte bisher nicht „durchgegendert“. Wenn Sie in Zukunft in Ihren Texten pragmatisch, vielseitig und unkompliziert beide Geschlechter berücksichtigen, ohne dass es zwanghaft wird, freuen wir uns. Bei den nachfolgenden, konkreten Hinweisen orientieren wir uns an der „Checkliste Gender Mainstreaming“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das – zufällig oder auch nicht – aus dem Jahre 2005 stammt [3].

Bitte vermeiden Sie:

  • Geschlechterstereotypen wie „der Hausarzt und seine Mitarbeiterin“
  • Eingangsbemerkungen wie „Bei männlichen Formulierungen sind Frauen stets mitgedacht.“
  • Grammatikalisch falsche Schreibweisen wie Ärzte/-innen, Ärzte/innen, ÄrztInnen, Ärzt*innen, Ärzt_innen

Bitte verwenden Sie:

  • Querstriche, wenn das zusammengesetzte Wort grammatikalisch richtig ist, z.B. „Patient/in“ oder „Student/in“ ist richtig („Patienten/innen“ hingegen wäre falsch)
  • männliche oder weibliche Endungen, wenn ein Geschlecht nach Datenlage in einer deutlichen Mehrheit ist
  • Paarbegriffe (z.B. Patientinnen und Patienten, Hausärztinnen und Hausärzte)
  • ggf. den Plural, wenn dieser geschlechtsneutral ist (z.B. die Beschäftigten)
  • neutrale Formulierungen (z.B. Hausärzteschaft, Studierende, Projektleitung).

Anschauliche und mit vielen Beispielen hinterlegte Regeln für die geschlechtergerechte Sprache finden Sie bei der Weiterbildungsdatenbank Berlin (WDB Berlin) [4]. Die einzig wahre und korrekte Lösung gibt es nicht, denn wir verändern uns und damit auch die Sprache.

Ihre

Hanna Kaduszkiewicz

für die Herausgeberinnen und Herausgeber der ZFA

Literatur

1. Schmacke N. Klartext für Ärztinnen. Gesundheit und Gesellschaft 2014; 17: 14–15

2. Kassenärztliche Bundesvereinigung. Statistische Informationen aus dem Bundesarztregister. Bundesgebiet insgesamt. Stand: 31.12.2016. www.kbv.de/media/sp/2016_12_31_BAR_Statistik.pdf

3. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Checkliste Gender Mainstreaming bei Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 2005

4. WDB Berlin Weiterbildungsdatenbank. Regeln für die geschlechtergerechte Sprache. Stand: Juli 2012. www.wdb-berlin.de/uploads/Presse/Downloads/WDB_Publikation_Gender.pdf


(Stand: 15.02.2018)

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