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Summerschool Allgemeinmedizin: Allgemeinmedizin intensiv erleben

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Die Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin setzt schwerpunktmäßig auf die Nachwuchsförderung, um mehr Hausärztinnen und Hausärzte für Deutschland zu gewinnen. Mit der Summerschool hat sie ein Format etabliert, das Medizinstudierenden über einige Tage einen tieferen Einblick in die Allgemeinmedizin und insbesondere den Hausarztberuf ermöglicht. Hoch motivierte und erfahrene Hausärzte sowie Wissenschaftler vermitteln den Studierenden eine moderne, attraktive und patientennahe Allgemeinmedizin mit vielen Entfaltungsmöglichkeiten. Praktizierende Allgemeinmediziner geben eigene Erfahrungen aus der Sprechstunde weiter. Ein positives Bild des Hausarztberufes wird gezeichnet.

Das Konzept sieht vor, dass die Summerschool Allgemeinmedizin jedes Jahr an einem anderen Hochschulstandort mit Unterstützung der allgemeinmedizinischen Abteilung vor Ort stattfindet. Die fachliche Expertise der jeweiligen Kooperationspartner sowie die regionalen Schwerpunkte und Spezifika lassen jede Summerschool unter einem anderen thematischen Schwerpunkt stehen. Die Teilnehmerzahl von 25 ermöglicht einen intensiven Austausch und bietet viel Raum für Fragen.

Summerschool 2018

Die Summerschool 2018 fand in Berlin statt. Im Spätsommer kamen in der Berliner Charité 25 Studierende aus verschiedensten Teilen Deutschlands und aus unterschiedlichen Semestern zusammen, um sich eine Woche lang intensiv mit dem Thema „Stadtmedizin” auseinanderzusetzen.

Die Summerschool 2018 aus der Teilnehmerperspektive: Miriam Hesse, Louisa Daunert und Jonas Klemperer schildern ihre Erfahrungen: Wir starteten mit einem Vortrag über Medizin in der Großstadt und einem gemeinsamen Brainstorming. Eine Einführung in die „Kiezmedizin“ (Berlinerisch für community-oriented medicine) von Wolfram Herrmann gab uns einen Vorgeschmack auf den nächsten Vormittag, an dem wir Schwerpunkte im Aufgabenbereich eines in der Stadt praktizierenden Hausarztes herausarbeiten sollten.

Vorbereitet wurden wir darauf außerdem mit einer spannenden Stadtführung durch einen ehemals Wohnungslosen, der uns sowohl „sein“ Berlin nahebrachte als auch viel über das Leben in der Obdachlosigkeit erzählte.

Der nächste Morgen: „Anamnese und Diagnose in Stadtkiezen entlang der U-Bahn Linie 6”. In Gruppen von vier bis fünf Studierenden schwärmten wir aus, um Kieze wie z.B. um den Mehringplatz zu erkunden. Ähnlich wie in einer Anamnese lernten wir den Kiez genauer kennen: Durch genaues Beobachten der Umgebung (Was hört, riecht und sieht man, was für Geschäfte gibt es, sind viele Kinder unterwegs?) und durch gezieltes Erfragen im Gespräch mit den Menschen, denen wir auf der Straße begegneten (wie Kioskbesitzer, Arbeiterinnen, Eltern, Rentnerinnen oder Polizisten). Vorteile und Strukturen, aber auch Probleme und Besonderheiten fielen uns auf, wie z.B. eine Anlaufstelle für Gehörlose, Kiezküchen und Gemeinschaftsprojekte, aber auch Obdachlosigkeit, Suchtprobleme und Armut. Die Ergebnisse unserer Exkursion stellten wir uns gegenseitig anhand von Plakaten vor und beendeten diesen Tag mit einem Besuch in den Prinzessinnengärten, einem Community-Projekt in Kreuzberg.

Am nächsten Morgen wurde in Martin Viehwegers Vortrag zur „Sexuellen Gesundheit und Sprechen über Sexualität im hausärztlichen Kontext” mit Tabus aufgeräumt. Mit klaren Worten und direkter Kommunikation führte er uns durch ein buntes Programm von „Wie spreche ich Sexualität an?” bis zum Umgang mit Suchtverhalten und appellierte dabei immer an unsere Empathie als Grundlage für eine gute Entscheidungsfindung. Danach hatten wir in Kleingruppen die Möglichkeit, eine Anamnese mit Simulationspatient*innen zu üben und Wunden an Puppen mit feinen Nähten zu versorgen. Am Nachmittag führte uns Claudia von Gélieu durch 300 Jahre Charité-Geschichte aus Frauenperspektive.

Es folgte ein Vortrag von Vittoria Braun, der viele von uns, die gerade den familienmedizinischen, psychosomatischen oder palliativen Ansatz der longitudinalen Patientenbegleitung an der Allgemeinmedizin schätzen, inspirierte. Im Anschluss ging es in die nächste Hands-on-Runde: Während sich eine Gruppe mit unvollständigen Impfpässen auseinandersetzte, lernte die andere Gruppe viel über Kinder als Patienten in der Allgemeinarztpraxis.

Ein Bogen zurück zur Kiezmedizin wurde am letzten Tag mit Norbert Lyonn geschlagen. Er brachte uns mit einigen persönlichen Erfahrungsberichten die Arbeit in einer suchtmedizinischen Praxis näher, ein Thema, das uns schon zu Beginn der Woche in den Kiezen begegnet war.

Wir haben in dieser Woche nicht nur viel gelernt, sondern auch Motivation für die Zukunft mitgenommen, enorm vom Austausch mit Gleichgesinnten profitiert, Kontakte geknüpft und Erinnerungen gesammelt, die uns noch eine ganze Weile begleiten werden. Dafür möchten wir uns von ganzem Herzen bei allen Involvierten bedanken.

Auch 2019 wird wieder 25 Medizinstudierenden die Möglichkeit eröffnet, intensiver in die Allgemeinmedizin einzutauchen. Die neunte Summerschool wird in Jena in enger Kooperation mit dem Institut für Allgemeinmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität ausgerichtet werden.

Ausblick Summerschool 2019

Inga Petruschke, Koordinatorin Lehre vor Ort, eröffnet einen Ausblick auf die spannenden Tage: Unter dem Leitthema Von der Wiege bis zur Bahre versuchen wir das Unmögliche: einen Patienten in vier Tagen von der Geburt bis ins Alter zu begleiten. Damit wird ein zentraler Aspekt hausärztlichen Arbeitens aufgegriffen: die Begleitung von Menschen durch verschiedene Lebensabschnitte.

Die Bedeutung des Hausarztes und seiner Handlungsmöglichkeiten wird im Programm der Summerschool am Beispiel eines Patienten, der sich wegen verschiedener Beschwerden im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter vorstellt, konkret. Dabei werden auch Themen beleuchtet, die seltener im Curriculum verankert, aber dennoch relevant für das hausärztliche Arbeiten sind: Umgang mit einem Kind als Patient, nonverbale Kommunikation, klinische Entscheidungsfindung, Sexualmedizin und Veränderungen im Alter. In Zusammenarbeit mit dem Skillslab Jena werden u.a. praktische Kompetenzen wie Ohruntersuchung und Sonographie erlernt oder vertieft. Ein hoch motiviertes Team von erfahrenen Hausärzten und wissenschaftlich tätigen Allgemeinmedizinern wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Seminaren, praktischen Übungen und einer Praxisexkursion die tägliche Vielfalt unseres Berufs aufzeigen.

Eine Unterkunft direkt im sonnigen Park „Jena Paradies“ und ein liebevoll zusammengestelltes Rahmenprogramm runden die Summerschool ab.

Medizinstudierende der klinischen Semester können sich noch bis zum 31. Mai um einen der Summerschool- Plätze bewerben. Weitere Informationen zur Nachwuchsarbeit der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin oder deren Förderprogrammen sowie wie Sie unsere Arbeit unterstützen können, finden Sie auf www.desam.de.

Kontakt

Anke Schmid

Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin

Friedrichstraße 88

10117 Berlin

schmid@desam.de


(Stand: 15.02.2019)

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