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Nikotinstopp - was hilft dabei?

DOI: 10.1055/s-2004-816222

Nikotinstopp - was hilft dabei?

ZfA 2004 \"039\", 19.3.04/dk köthen GmbH J.-F. Chenot1 S. Keller2 Nikotinstopp ± was hilft dabei? Smoking Cessation ± What can Help? Kardiovaskuläre Prävention Zusammenfassung Rauchen ist der wichtigste vermeidbare gesundheitliche Risikofaktor. Eine systematische Erfassung des Raucherstatus und klare Empfehlung mit dem Rauchen aufzuhören gehören zur allgemeinärztlichen Basisprävention. Zentral sind eine Abschätzung der ¾nderungsbereitschaft und ein darauf abgestimmtes Angebot. Bei veränderungsbereiten Personen kann eine Nikotinersatztherapie die Abstinenzrate verdoppeln. Zur Dosisfindung kann der Fagerström-Fragebogen eingesetzt werden. Kognitivverhaltenstherapeutische Strategien sind effektiv zur Unterstützung der Raucherentwöhnung. Bupropion kann aufgrund seines Nebenwirkungsprofils nur eingeschränkt empfohlen werden. Schlüsselwörter Nikotinstopp ´ ¾nderungsbereitschaft ´ Kardiovaskuläre Risikoverminderung Abstract Smoking is the most important preventable health risk factor. Systematic assessment and counselling for smoking cessation is an essential part of preventive medicine in a primary care setting. Core element is the assessment of stage of change and a corresponding tailored advice. For patients who are motivated to stop smoking, nicotine replacement therapy can double the cessation rate. The Fagerström questionnaire is useful for determining the appropriate dose. Cognitive-behavioural strategies are effective in supporting smoking cessation. Bupropion is effective for smoking cessation, but due to side effects cannot be generally recommended. Key words Smoking cessation ´ stage of change ´ cardiovascular risk reduction 113 Einleitung In Deutschland rauchen 28 % aller Personen im Alter über 15 Jahre (35 % Männer, 22 % Frauen). Den höchsten Raucheranteil hat die Gruppe der 35±40-Jährigen (46 % Männer, 35 % Frauen). Besonders Besorgnis erregend sind die vergleichsweise hohen Raucherraten bei Jugendlichen. Die negativen Folgen des Rauchens schlagen sich mit 117 000 tabakbedingten Todesfällen jährlich nieder [31]. Rauchen stellt den wichtigsten vermeidbaren kardiovaskulären Risikofaktor dar. Etwa 20±40 % der Raucher in Deutschland würden gerne aufhören und ca. ein Drittel unternimmt einen Abstinenzversuch [3]. Während das Nikotin maûgeblich für die Abhängigkeitsentwicklung mitverantwortlich ist, geht das hohe Gesundheitsrisiko v. a. von einer Vielzahl von kardiovaskulär wirksamen und karzinogenen Substanzen im Zigarettenrauch aus. Grundsätzlich ist daher jede Raucherentwöhnung sinnvoll in Anbetracht der zahlreichen bekannten Gesundheitsschäden. In der ärztlichen Versorgung gibt es vier wichtige Gründe den Raucherstatus systematisch zu erfassen: ± Prävention von Erkrankung ± Behandlung von mit den Rauchen assoziierten Erkrankungen ± Rehabilitation, z. B. nach Myokardinfarkt, Amputation ± Schutz von Nichtrauchern Institutsangaben Abteilung Allgemeinmedizin Universität Göttingen 2 Institut für Medizinische Psychologie, Philipps-Universität Marburg 1 Korrespondenzadresse Dr. med. Jean-Francois Chenot, MPH ´ Abteilung Allgemeinmedizin ´ Universität Göttingen ´ Humboldtallee 38 ´ Ë 37073 Göttingen ´ jchenot@gwdg.de Bibliografie Z Allg Med 2004; 80: 113±118  Georg Thieme Verlag Stuttgart ´ New York ´ ISSN 0014-336251 ´ DOI 10.1055/s-2004-816222 ZfA 2004 \"039\", 19.3.04/dk köthen GmbH Primäres Behandlungsziel ist die vollständige Abstinenz (Entwöhnung). Ist dieses Ziel nicht zu erreichen, wird bei Rauchern mit starker Abhängigkeit eine Reduktion auf < 10 Zigaretten/Tag angestrebt. Ob ein ärztlicher Ratschlag zu reduziertem Rauchen gegeben werden soll, ist umstritten; eine Verringerung der Anzahl gerauchter Zigaretten ist jedoch in jedem Falle positiv zu bewerten. In mehreren Studien wurde gezeigt, dass Nikotinabstinenz sowohl die Gesamtmortalität unabhängig von Alter und Geschlecht als auch das relative kardiovaskuläre Risiko um ca. 20±30 % senkt [5, 22, 32]. Gesichtspunkt für die Praxis: Die Aufgabe des Rauchens senkt das kardiovaskuläre Risiko um 20±30 %. Evidenzstufe II b Neben der Verminderung des persönlichen Risikos profitiert auch die Allgemeinheit durch verringerte passive Tabakrauchexposition. Zu den unerwünschten Nebenwirkungen der Abstinenz gehören eine vorrübergehende Entzugsymptomatik und Gewichtzunahme. Die Gewichtzunahme ist im Regelfall gering und nur vorrübergehend [10]. Die Vorteile der Nikotinabstinenz überwiegen klar. Methodik: Die vorliegende Arbeit basiert auf einer Zusammenfassung von Cochrane Reviews, internationalen Leitlinien und den Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen ¾rzteschaft [2]. Zu einzelnen Unterpunkten wurde zusätzlich noch eine Literatursuche in Pubmed durchgeführt. die Häufigkeit der Beratung, hat aber keinen Auswirkungen auf die Abstinenzraten [17]. Eine einfache und praktikable Grundstruktur für die Beratung zur Raucherentwöhnung stellt das 5A-Konzept dar [6]. Demnach stellen das Erfassen des Raucherstatus (¹Askª), der Rat zum Aufgeben des Rauchens (¹Adviceª) und das Erfassen der Aufhörbereitschaft (¹Assessª) Basisstrategien dar. Unternimmt der Patient Aufhörversuche, gehört die gezielte Unterstützung (¹Assistª) und langfristige Begleitung durch Folgekontakte (¹Arrangeª) zu den Kernstrategien. Erfahrungsgemäû ist ein groûer Teil der Raucher jedoch nicht zu einer unmittelbaren Aufgabe des Rauchens bereit. Strategien zur Förderung der ¾nderungsbereitschaft liefern Interventionsbausteine, die sich z. B. an dem ¹Transtheoretischen Modellª der Verhaltensänderung orientieren [16]. Demnach durchlaufen Personen im Prozess der Verhaltensänderung unterschiedliche Stufen, von der Absichtslosigkeit (keine Intention zur Veränderung) über Absichtsbildung (Erwägen einer Veränderung ohne konkrete Schritte) und Handlungsvorbereitung (Planen einer Veränderung) hin zur Handlung und langfristig zur Aufrechterhaltung des Zielverhaltens. Eine motivations- bzw. stufenorientierte Beratung führt demnach zur Förderung der Veränderungsmotivation. Bezogen auf den Kontext des Rauchens regen in den USA entwickelte evidenzbasierte Leitlinien für die Kurz-Beratung von noch nicht veränderungsbereiten Rauchern die Verwendung der ¹5R\'sª-Strategie an, um Patienten durch den Prozess der Verhaltensänderung zu begleiten [8]: Patienten sollen demnach auf die Relevanz und Risiken (¹Relevanceª & ¹Risksª) des Rauchens für die eigene Gesundheit angesprochen werden, um einen persönlichen Bezug zur eigenen Risikosituation zu ermöglichen. Die kurz- und langfristigen Vorzüge (¹Rewardsª) des Aufhörens sollen mit dem Patienten ebenso erarbeitet werden wie mögliche Lösungen für (antizipierte) ¹Roadblocksª (z. B. Gewichtszunahme). Schlieûlich soll diese Strategie bei jedem Kontakt wiederholt werden (¹Repetitionª). Eine hilfreiche Anleitung für die praktische Umsetzung findet sich auch in den Materialien der B¾K zur Raucherberatung [4]. Gesichtspunkt für die Praxis: Selbsthilfebroschüren und/oder ein kurzer Ratschlag, mit dem Rauchen aufzuhören erhöhen die Abstinenzraten geringfügig (Tab. 1). Evidenzstufe I b Beratung unter Einbeziehung verhaltenstherapeutischer Techniken Verhaltenstherapeutische Techniken können im Rahmen von Einzelberatungen oder Gruppenberatungen von nichtärztlichen und ärztlichen Therapeuten eingesetzt werden. Solche Interventionen schlieûen eine systematische Analyse der Bedingungen des Rauchverhaltens, eine Zielplanung für die Raucherentwöhnungsphase sowie das Erarbeiten von Strategien zur Unterstützung der Abstinenz (z. B. Gegenkonditionierungs- oder Stimuluskontrolltechniken) ein. Die intensive Beratung wird oft kombiniert mit anderen therapeutischen Elementen, z. B. dem Vermitteln von Stressbewältigungsstrategien oder Nikotinersatztherapie. Individuelle Einzelberatung ist effektiver als minimale Interventionen [18]. Gruppenberatung ist effektiver als Selbsthilfematerialien, aber nicht besser als individuelle Einzelberatung [27]. Programme mit kognitiven und verhaltensorientierten Strategien haben insgesamt etwas bessere Erfolge. 114 Kardiovaskuläre Prävention Nicht-medikamentöse Therapie Selbsthilfe-Materialien Die Erfolgsquote ohne Unterstützung liegt bei ca. 2±5 %. Selbsthilfematerialien, wie sie z. B. von den Krankenkassen oder der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zu Verfügung gestellt werden, können zur Unterstützung eingesetzt werden. Sie haben jedoch offenbar nur eine geringe Effektivität [19]. Ob die Kombination von Selbsthilfematerialien mit einer kurzen Beratung die Effektivität steigert, ist nicht bekannt. Individuelle, auf die Situation des Rauchers angepasste Broschüren sind geringfügig effektiver als Standardbroschüren oder keine Broschüren [19]. Beratung Eine kurze einfache Beratung (ärztlicher Ratschlag < 5 Minuten) hat zwar nur eine mäûige Effektivität, aber immerhin etwa 2,5 % der Raucher ± über die spontane Abstinenzrate hinaus ± stellen den Tabakkonsum ein. Vor allem, wenn der Arzt selbst Nichtraucher ist. Eine längere und intensivere Beratung ist offenbar nur geringfügig effektiver als eine Kurzberatung [26]. Die Einbindung des Lebenspartners führt nicht zu höheren Abstinenzraten; ein (weiter-) rauchender Lebenspartner stellt jedoch ein erhebliches Rückfallrisiko dar [21]. Beratung durch nichtärztliches Personal (z. B. Sprechstundenhilfen) ist ebenfalls mäûig effektiv [23]. Training von ¾rzten und nicht-ärztlichem Personal zur Beratung von Rauchern erhöht Chenot J-F, Keller S. Nikotinstopp ± was hilft ¼ Z Allg Med 2004; 80: 113 ± 118 ZfA 2004 \"039\", 19.3.04/dk köthen GmbH Tab. 1 Zusammenfassung nicht medikamentöser Therapie der Nikotinabhängigkeit, (Konfidenzintervalle in Klammern) nach [2, 12] * Im Vergleich zu Plazebo, bzw. keiner Behandlung Intervention Selbsthilfe-Intervention Selbsthilfe-Intervention mit Telefonberatung Beratung durch: Funktionsschwester Arzt Individuelle Beratung Gruppentherapie Hypnotherapie Aversionsbehandlung (Exzessives Rauchen) Aversionsbehandlung (allgemein) Akupunktur Odds Ratio* 1,24 (1,07±1,45) 1,62 (1,33±1,97) Bewertung Û Ý mit mangelhaft validierten Endpunkten [1]. Es gibt keine Evidenz, dass Hypnosetherapie zur Raucherentwöhnung wirksam ist. Die Aversionsbehandlung koppelt das ¹angenehme Erlebnisª Rauchen mit unangenehmen Reizen um den Drang zum Rauchen zu löschen. Hierzu zählt z. B. das ¹exzessiveª Rauchen (rapid puffing) bis zum Auftreten von Symptomen der Nikotinvergiftung. Hiervon ist trotz geringer akuter Gefahr insbesondere bei Risikopatienten abzuraten. Andere Verfahren koppeln Rauchen z. B. mit elektrischen Stromschlägen. Exzessives Rauchen ist mäûig effektiv als Methode der Entwöhnung [11]. Andere Formen der Aversionstherapie sind nicht effektiv. 1,43 (1,24±1,66) 1,69 (1,45±1,98) 1,55 (1,27±1,9) 2,1 (1,39±3,12) Æ 2,08 (1,39±3,12) 1,19 (0,77±1,83) 1,22 (0,99±1,49) Ý Ý Ý ÝÝ Û Ý Û ßß Kardiovaskuläre Prävention Medikamentöse Therapie Nikotinersatztherapie Alle Formen der Nikotinersatztherapie (NET) sind effektiv zur Unterstützung der Rauchentwöhnung bei motivierten Patienten und erhöhen die Abstinenzrate 1,5±2,3fach [9, 20, 25] (Tab. 2). Sie reduzieren das Verlangen zu rauchen und die Entzugssymptome. Endpunkt für die meisten Studien ist die Abstinenz nach 6 oder 12 Monaten. Über Langzeiterfolge gibt es bisher nur wenige Daten [33]. Für alle Nikotinersatzprodukte besteht in Deutschland Apothekenpflicht (Tab. 3). Mit Ausnahme des Nasalsprays ist die Verschreibungspflicht für alle Produkte aufgehoben worden. Inhalatoren sind Deutschland noch nicht auf dem Markt. Die NET ist Die Kombination von Raucherentwöhnungsprogrammen mit Trainingsprogrammen zur Steigerung der körperlichen Fitness hatte keinen zusätzlichen Effekt auf die Abstinenz [29]. Motivation zur körperlichen Bewegung sollte dennoch wegen seiner positiven Wirkung auf das kardiovaskuläre Risikoprofil empfohlen werden [28]. Gesichtspunkt für die Praxis: Einzel- und Gruppenberatungen unter Einbezug kognitiv-verhaltenstherapeutischer Techniken können zur Raucherentwöhnung empfohlen werden (Tab. 1). Evidenzstufe I b Therapien ohne Wirksamkeitsnachweis Es gibt keine Evidenz, dass Akupunktur, Akupressur, Lasertherapie oder Elektrostimulation in der Raucherentwöhnung effektiv sind [30]. Im Vergleich mit Pseudoakupunktur oder anderen Entwöhnungsinterventionen zeigen sich keine Unterschiede in den Abstinenzraten, aber eine geringe Effektivität im Vergleich zu keiner Intervention. Akupunktur kann als alleinige Maûnahme zur Raucherentwöhnung nicht empfohlen werden. Hypnose ist ein suggestives Verfahren, mit dem der Drang zum Rauchen überwunden werden soll. Die Erfolgsberichte stammen von nicht kontrollierten oder methodisch schwachen Studien 115 Tab. 2 Zusammenfassung medikamentöser Therapie der Nikotinabhängigkeit (Konfidenzintervalle in Klammern) nach [12] * Die Bewertung ist Aufgrund des Nebenwirkungsprofil zurückhaltender Intervention Nikotin gesamt Kaugummi 2 g versus 4 g Pflaster Nasalspray Inhalator Sublingualtabletten Bupropion & NET Odds Ratio 1,73 (1,6±1,82) 1,63 (1,49±1,79) 2,67 (1,69±4,22) 1,73 (1,56±1,93) 2,27 (1,61±3,2) 2,08 (1,43±3,04) 1,73 (1,07±2,8) 2,73 (1,58±3,94) Bewertung ÝÝ ÝÝ ÝÝ ÝÝ ÝÝ ÝÝ ÝÝ Ý* Tab. 3 Zusammenstellung der in Deutschland erhältlicher Nikotinersatzpräparate [12] modifiziert Applikationsform Membranpflaster Packungsgröûen Nicorette Pflaster Nikofrenon NiQuittin Nicotinell 24-Stunden-Pflaster Kaugummi Nicotinell Fruit/Mint Nicorette Nicotin Kaugummi Classic-Original/OrangeCitrus/Mint NicoretteNasal Spray erhältliche Dosierungen Nikotin [mg] 8,3; 16,6; 24,9 10; 20; 30; 7; 14; 21 17,5; 24; 52,5 2, 4 2; 4 10 mg/ml Packungsgröûen 7, 14, 21 7; 14; 28 7, 14 7, 14, 21 12, 36, 48, 96 30; 105 Sprühflasche Nasenspray Chenot J-F, Keller S. Nikotinstopp ± was hilft ¼ Z Allg Med 2004; 80: 113 ± 118 ZfA 2004 \"039\", 19.3.04/dk köthen GmbH Tab. 4 Fagerström-Test [2] Fragen Wie schnell nach dem Aufstehen rauchen Sie Ihre erste Zigarette? Antworten innerhalb von 5 Minuten 6±30 Minuten 31±60 Minuten nach 60 Minuten ja nein die 1. Zigarette morgens jede andere 0±10 11±20 21±30 31 und mehr Ja nein ja nein Punkte 3 2 1 0 1 0 1 0 0 1 2 3 1 0 1 0 Gesamtpunktzahl Stufe der Abhängigkeit 1 2 3 4 gering mäûig stark sehr stark Fagerström-Score/ Zigaretten/Tag 1±2 3±4 5±6 5±10 Zigaretten/d < 15 Zigaretten/d 15±25 Zigaretten/d Tagesdosen Kaugummi bei starkem Rauchwunsch Zu Beginn 12 Nikotinkaugummis oder ein Nikotinpflaster über 2±3 Wochen, dann Dosisreduktion Nikotinpflaster plus 6±12 Nikotinkaugummis je nach Rauchverlangen oder Nasenspray (ein Hub je Nasenloch, max. 2/h) Behandlung über 3±6 Wochen, dann Dosisreduktion. Nikotinpflaster plus 12 Nikotinkaugummis 4 mg/Sublingualtabletten plus Nikotinspray l Finden Sie es schwierig auf Rauchen zu verzichten, wenn es verboten ist? (z. B. im Kino, Versammlung usw.) Auf welche Zigarette fällt es Ihnen besonders schwer zu verzichten? Wie viele Zigaretten rauchen Sie am Tag? 116 Kardiovaskuläre Prävention Rauchen Sie stärker in den ersten Stunden nach dem Aufstehen als während des übrigen Tages? Rauchen Sie auch, wenn Sie so krank sind, dass Sie im Bett liegen müssen? ³ 7 > 25 Zigaretten/d keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kosten sind denen für Zigaretten vergleichbar. Dosierung von Nikotinersatzpräparaten Die Dosierung richtet sich v. a. nach der Menge des Nikotinkonsums. Als Hilfsmittel zur Abschätzung der Schwere der Abhängigkeit kann der Fagerström-Test eingesetzt werden (Tab. 4) [7]. Je nach Stärke der Abhängigkeit wird die Substitution über 2±3 Wochen durchgeführt und dann je nach Entzugssymptomatik über mehrere Wochen reduziert. Für spätere ¹Attackenª (craving), können noch vereinzelt Nikotinkaugummis verwendet werden. Für stärker Abhängige ist eine Kombinationstherapie mit Pflastern und Kaugummis bzw. Nasalsprays zu erwägen. Allerdings birgt eine solche Kombination von unterschiedlichen Formen der NET ein erhebliches Risiko der Überdosierung. Eine Überlegenheit in der Wirksamkeit der Kombination mehrerer NET Produkte ist zudem noch nicht nachgewiesen. Die Nikotinpflaster geben über 16±24 h eine konstante Menge an Nikotin ab; sie sind in unterschiedlicher Dosierung erhältlich und können so dem Ausmaû der Abhängigkeit gut angepasst werden. Bei starkem Rauchverlangen sind Kaugummi und Nasalspray evt. wirksamer, da sie pharmakokinetisch mit dem raschen Anfluten einer höheren Dosis Nikotin dem Raucherlebnis näher kommen. Zu fragen bleibt dabei aber, ob dies gerade bei einer Entzugesbehandlung gewünscht wird, oder ob es auch ein Problem in Bezug auf den Entzug darstellen kann. Zwischen den verschiedenen Darreichungsformen besteht kein bedeutender Unterschied bezüglich der Effektivität, sodass die Präferenz des Patienten hier ausschlaggebend sein sollte. Die Bestimmung von Kohlenmonoxid (CO) in der Atemluft oder andere aufwendige Laboruntersuchungen, als Surrogatparameter für den Grad der Abhängigkeit oder zur Kontrolle, sind im Regelfall in der hausärztlichen Praxis nicht notwendig und durchführbar. Zu den unerwünschten Wirkungen gehören Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit. Bei höheren Dosen und entsprechender Disposition kann Vorhofflimmern auftreten. Bei Pflastern, Kaugummis und Nasalsprays kann es zusätzlich zu leichten lokalen Irritationen der Haut bzw. Schleimhaut kommen. Es besteht ein geringes Abhängigkeitspotenzial [13]. In den Fachinformationen werden frischer Myokardinfarkt, instabile Angina und kürzlich erfolgter apoplektischer Insult als Kontraindikationen aufgeführt. Als relative Kontraindikationen werden unter anderen stabile Angina pectoris und zerebrovaskuläre Erkrankungen aufgeführt. Es handelt sich hier um die Hochrisikozielgruppe, die am meisten von einer Nikotinabstinenz profitieren könnte. Hintergrund ist ein vermeintlich vasokonstriktiver Effekt des Nikotins, der eher dem Kohlenmonoxid beim Rauchen anzulasten ist. Im Einzelfall dürften die Vorteile der NET klar überwiegen [2]. Für die Nikotinpflaster kommen noch chronisch generalisierte Hautkrankheiten, für Nikotinkaugummis entzündliche Erkrankungen im Mundbereich und für Nasalsprays chronische Nasenerkrankungen als Kontraindikationen hinzu. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit sind NET vorerst nicht zugelassen. Chenot J-F, Keller S. Nikotinstopp ± was hilft ¼ Z Allg Med 2004; 80: 113 ± 118 ZfA 2004 \"039\", 19.3.04/dk köthen GmbH Da bei der Applikation von NET die gesundheitsschädigenden Substanzen des Zigarettenrauches nicht aufgenommen werden, überwiegen i. d. R. die positiven Aspekte deutlich gegenüber dem (Weiter-) Rauchen. Gesichtspunkt für die Praxis: Alle Formen der NET können zur Raucherentwöhnung bei motivierten Patienten empfohlen werden. Es gibt keinen Hinweis, dass eine bestimmte Form der NET den anderen überlegen ist. Sie sollte immer mit einem kurzen ärztlichen Ratschlag verbunden werden (Tab. 2). Evidenzstufe I b Bupropion Bupropion (Zyban) ist ein atypisches Antidepressivum. Es ist in Dosierungen von 150 mg und 300 mg im Handel und zur Entwöhnungstherapie zugelassen [24]. Mehrere randomisierte kontrollierte Studien haben eine Effektivität im Vergleich zu Placebo (OR1 2,73) und NET (OR 2,03) [15] gezeigt. Die Kombination von Bupropion plus NET war NET alleine überlegen (OR 2,73) [14]. Die Behandlung wird über 7±9 Wochen durchgeführt. Zu den wichtigen unerwünschten Wirkungen gehören zerebrale Krampfanfälle, die in einer Häufigkeit von etwa 1 : 1000 auftreten. Es sind einige Todesfälle unter der Einnahme von Bupropion bekannt geworden. Zu den weniger gravierenden Nebenwirkungen zählen Mundtrockenheit, Schlaflosigkeit und allergische Reaktionen. Bupropion ist kontraindiziert bei Krampfleiden, in der Schwangerschaft und in der Stillzeit. Es darf nicht zusammen mit MAO-Hemmern eingenommen werden. Es gibt keine Daten für den Einsatz bei unter 18-Jährigen. Gesichtspunkt für die Praxis: Bupropion ist effektiv in der Raucherentwöhnung, in Abwägung mit der bisher im Vergleich zur Nikotinersatztherapie noch geringen Erfahrung und dem Nebenwirkungsprofil kann Bupropion noch nicht allgemein zur Raucherentwöhnung empfohlen werden. Eine Verordnung bei Versagen einer NET ist möglicherweise gerechtfertigt (Tab. 2). Evidenzstufe I b Nützliche Hinweise ± www.akdae.de/35/10Hefte/90_Tabakabhaengigkeit_2001_ 1Auflage.pdf Therapieempfehlung der Arzneimittelkommission der Deutschen ¾rzteschaft: Tabakabhängigkeit. 1. Auflage 2001 ± Haustein KO. Tabakabhängigkeit. Deutscher ¾rzte Verlag, Köln 2001. Eine gelungene Gesamtdarstellung zum Thema Tabakabhängigkeit. ± www.inr.de Homepage des Institut für Nikotinforschung und Raucherentwöhnung, bietet Kurse für ¾rzte zur Nikotinentwöhnung an. Interessenkonflikte: keine angegeben. Literatur Abbot NC, Stead LF, White AR, Barnes J. Hypnotherapy for smoking cessation (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2003. Oxford: Update Software 2 Arzneimittelkommission der Deutschen ¾rzteschaft. Tabakabhängigkeit. 1. Aufl. Köln 2001 3 Batra A. Tobacco dependence ± evidence-based treatment strategies. Z Arztl Fortbild Qualitatssich 2002; 96: 281 ± 286 4 Bundesärztekammer (Hrsg). Frei von Tabak: Raucherberatung und Rauchertherapie in der Arztpraxis. Texte und Materialien der Bundesärztekammer zur Fortbildung und Weiterbildung, Band 7, 2. überarb. Aufl. Bundesärztekammer, Köln 1997 5 Critchley JA, Capewell S. Mortality risk reduction associated with smoking cessation in patients with coronary heart disease: a systematic review. JAMA 2003; 290: 86 ± 97 6 Elford RW, MacMillan HL, Wathen CN with the Canadian Task Force on Preventive Health Care. Counseling For Risky Health Habits: A Conceptual Framework for Primary Care Practitioners. London, Canadian Task Force 2001 7 Fagerström KO, Kunze M, Schoberberger R et al. Nicotine dependence versus smoking prevalence among countries and categories of smokers. Tobacco Control 1996; 5: 52 ± 56 8 Fiore M, Bailey W, Cohen S et al. Treating tobacco use and dependence. Clinical Practice Guideline. Rockville, MD: U.S. Department of Health and Human Services. Public Health Service 2000 9 Fiore MC, Smith SS, Jorenby DE, Baker TB. The effectiveness of the nicotine patch for smoking cessation: a meta-analysis. JAMA 1994; 271: 1940 ± 1947 10 Froom P, Kristal-Bohen E, Melamed S, Gofer D, Benbassat J, Ribak J. Smoking cessation and body mass index of occupationally active men: the israeli CORDIS Study. Am J Pub Health 1999; 89: 718 ± 722 11 Hajek P, Stead LF. Aversive smoking for smoking cessation (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2003. Oxford: Update Software 12 Haustein KO. Tabakabhängigkeit. Deutscher ¾rzte Verlag, Köln 2001 13 Hughes JR. Dependence potential and abuse liability of nicotine replacement therapies. Biomed Pharmacother 1989; 43: 11 ± 17 14 Hughes JR, Stead LF, Lancaster T. Antidepressants for smoking cessation (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2003. Oxford: Update Software 15 Jorenby DE, Leishow SJ, Nides MA et al. A controlled trial of sustainedrelease bupropion, a nicotine patch or both for smoking cessation. N Engl J Med 1997; 337: 1195 ± 1202 16 Keller S, Kaluza G, Basler HD. Motivierung zur Verhaltensänderung ± Prozessorientierte Patientenedukation nach dem Transtheoretischen Modell der Verhaltensänderung. 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B. an, dass diese Chance um das 2,73fache höher liegt als bei der Anwendung der Vergleichsmethode oder des Plazebos. Chenot J-F, Keller S. Nikotinstopp ± was hilft ¼ Z Allg Med 2004; 80: 113 ± 118 ZfA 2004 \"039\", 19.3.04/dk köthen GmbH 26 Silagy C, Stead LF. Physician advice for smoking cessation (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2003. Oxford: Update Software 27 Stead LF, Lancaster T. Group behaviour therapy programmes for smoking cessation (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2003. Oxford: Update Software 28 Ussher M, West R, McEwen A, Taylor A, Steptoe A. Efficacy of exercise counselling as an aid for smoking cessation: a randomized controlled trial. Addiction 2003; 98: 523 ± 532 29 Ussher MH, West R, Taylor AH, McEwen A. Exercise interventions for smoking cessation (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2, 2003. Oxford: Update Software 30 White AR, Rampes H, Ernst E. Acupuncture for smoking cessation (Cochrane Review). 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Während der Weiterbildungszeit in Boston/Carney Hospital, Tufts University 1998±2001 Vertreter der Weiterbildungsassistenten im Weiterbildungskomitee und Teilnahme an einer Inspektion durch das ACGME. Auszeichnung mit mehreren Preisen als Teaching Resident und für Forschungsprojekte. Berufsbegleitende Absolvierung eines Public Health Studiums an der Boston University. Seit 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Allgemeinmedizin der Universität Göttingen; ab 2004 Jobsharing Partner in einer Landarztpraxis. Derzeitiger Arbeitsschwerpunkt ist die praktische Umsetzung der neuen Approbationsordnung. DEGAM-Mitglieder (und solche die es werden wollen): Im Rahmen des neuen Benefit-Paketes können Sie die Achtung: Cochrane Library (Volltext-Version) kostenlos nutzen! Die Cochrane-Library zählt zu den renommiertesten Institutionen zur Analyse und Bewertung wissenschaftlicher Literatur. Der Zugang ist nur über das Internet möglich. Wir bitten alle interessierten Kolleginnen und Kollegen, ihren Zugangscode beim Schatzmeister der DEGAM per e-mail zu erfragen: Dr.med.P.A.Kluge@t-online.de


(Stand: 03.03.2004)

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