Loading...

ZFA-Logo

Weiterbildungsermächtigte Allgemeinärzte: Qualifikationen, Motive und Barrieren

DOI: 10.1055/s-2004-816265

Weiterbildungsermächtigte Allgemeinärzte: Qualifikationen, Motive und Barrieren

ZfA 2004 \"049\", 19.3.04/dk köthen GmbH N. Donner-Banzhoff1 M. H. Wahab1 H. Löckermann2 J. Griego1 E. Baum1 Weiterbildungsermächtigte Allgemeinärzte: Qualifikationen, Motive und Barrieren Family Practitioners and Vocational Training ± Qualification, Motivation and Barriers Weiterbildung Zusammenfassung Für den aktuell prognostizierten Ersatzbedarf werden in Deutschland zu wenige ¾rzte zum Allgemeinarzt weitergebildet. Für eine erfolgreiche Nachwuchsförderung ist deshalb die Zahl, Motivation und Qualität von Weiterbildungspraxen von groûer Bedeutung. Wir befragten eine repräsentative Stichprobe hessischer Allgemeinärzte nach ihren Erfahrungen, ihren Planungen, ihrer Motivation und ihrer Qualifikation zur Weiterbildung in ihrer Praxis. 12,5 % der Befragten (n = 346, Antwortquote 59 %) gaben an, derzeit einen Weiterbildungs-Assistenten zu beschäftigen, 53 % haben jemals einen Weiterbildungs-Assistenten beschäftigt. Ganz überwiegend wurde von guten Erfahrungen berichtet. Ein Drittel plante, innerhalb der nächsten sechs Monate einen Assistenten einzustellen, wobei der Zuschuss von KV bzw. Krankenkassen als notwendige Bedingung genannt wurde. Regelmäûige Fallbesprechungen, Rücksprache bei Problemen und Freistellung für auswärtige Fortbildungsveranstaltungen sind in den meisten Weiterbildungspraxen die Regel. Mehr als 80 % waren bereit, den Feedback-Fragebogen der DEGAM in ihrer Praxis einzusetzen. Zwar kann ein ¹Bias der sozialen Erwünschtheitª nicht ganz ausgeschlossen werden; es zeigte sich jedoch eine insgesamt positive Grundeinstellung zur Weiterbildung. Zahlreiche Erfordernisse an eine erfolgreiche Weiterbildung waren in dieser Stichprobe erfüllt. Schlüsselwörter Weiterbildung ´ Weiterbildungsermächtigte ¾rzte ´ Allgemeinmedizin Abstract For vocational training to be effective, a sufficient number of practices are required which can provide high-level teaching. We undertook a survey of a representative sample of general practitioners to explore their motivation to be trainers, their previous experience with vocational training and whether their practices provided relevant learning opportunities. 346 GPs answered the postal questionnaire (response rate = 59 %). While 12.5 % had a registrar in their practice, one third of the remaining GPs planned to employ one within the next six months. Working with previous registrars was described as successful and enjoyable, although external funding is regarded as essential. More than 80 % would be willing to use the feedback-questionnaire for GP teachers that has been developed at the University of Marburg. Some degree of social desirability bias cannot be excluded. However, we feel confident to conclude that respondents are in support of high quality general practice vocational training. Their practices fulfil several requirements of effective teaching practices. Key words Education ´ medical ´ graduans ´ intership and residency ´ faculty medical ´ family practice 119 1 Institutsangaben Abteilung für Allgemeinmedizin, Rehabilitative und Präventive Medizin, Universität Marburg 2 Landesärztekammer Hessen Korrespondenzadresse Prof. Dr. med. Norbert Donner-Banzhoff, MHSc ´ Abteilung für Allgemeinmedizin, Rehabilitative und Präventive Medizin ´ Universität Marburg ´ 35033 Marburg ´ Tel.: 0 64 21-28-6 5119 ´ Fax: 0 64 21-28-6 5121 ´ E-mail: norbert@med.uni-marburg.de Bibliografie Z Allg Med 2004; 80: 119±123  Georg Thieme Verlag Stuttgart ´ New York ´ ISSN 0014-336251 ´ DOI 10.1055/s-2004-816265 ZfA 2004 \"049\", 19.3.04/dk köthen GmbH Einleitung Die Ware ¹ärztliche Arbeitskraftª wird knapp. Während des Studiums ändern ein Viertel der Studenten Ihren Berufswunsch und beenden das Studium vorzeitig ohne Abschluss. Von den Kollegen mit einem abgeschlossenen Medizinstudium nehmen gegenüber 1994 22 % weniger eine Tätigkeit als AiP auf, offenbar finden Sie in nicht-kurativen Arbeitsfeldern attraktive Alternativen [3]. Am stärksten macht sich der ¾rztemangel heute in der hausärztlichen Versorgung ländlicher Regionen bemerkbar, und zwar v. a. in den neuen Bundesländern. Diese Entwicklungen geben der Diskussion um die Qualität und die Attraktivität der Weiterbildung (WB) eine neue Dimension. Während von Seiten der Sektion Weiter- und Fortbildung der DEGAM aus übergeordneten medizinischen, didaktischen und politischen Gesichtspunkten dieses Thema in den letzten Jahren immer wieder diskutiert worden ist, steht inzwischen das Überleben der hausärztlichen Profession auf dem Spiel. Eine aussterbende Fachgruppe kann in der Öffentlichkeit und gegenüber individuellen Patienten nicht mehr glaubhaft den Anspruch vertreten, einen relevanten primärmedizinischen Versorgungsauftrag zu erfüllen. Einen wesentlichen Aspekt wirksamer Weiterbildung stellt die Qualifikation der WB-ermächtigten ¾rzte dar, da diese zur Attraktivität einer Laufbahn beitragen kann. Im internationalen Vergleich sind die entsprechenden Anforderungen in Deutschland ausgesprochen niedrig. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, genügt für die Erteilung einer WB-Ermächtigung eine ¹Stehzeitª von drei bis fünf Jahren allgemeinärztlicher Tätigkeit. In der Landesärztekammer Hessen begann deshalb eine Diskussion darüber, ob durch strengere Kriterien bei der WB-Ermächtigung eine Verbesserung der Qualität der Weiterbildung zu erreichen sei. In diesem Zusammenhang wird oft die Befürchtung geäuûert, dass durch strengere Anforderungen unter niedergelassenen Allgemeinärzten die Motivation zur Einstellung von WB-Assistenten so weit nachlassen könnte, dass nicht mehr genügend Weiterbildungs-Stellen zur Verfügung stehen. Diese Problematik ist eng verknüpft mit der Motivation zur Weiterbildung überhaupt und mit den Barrieren, die ± aus der Sicht niedergelassener Allgemeinärzte ± der Arbeit mit WB-Assistenten entgegenstehen. Die vorliegende Untersuchung versuchte deshalb, die folgenden Fragen in einer repräsentativen Stichprobe hessischer Allgemeinärzte zu beantworten: ± Welche Erfahrungen, welche Planungen und welche Motivation zur Weiterbildung haben niedergelassene Allgemeinärzte? ± Welche Qualifikationen haben Allgemeinärzte? ± Welche Ausstattung und welche Merkmale weisen Allgemeinpraxen auf? ± Welche Barrieren bestehen gegen die Beschäftigung von WBAssistenten? Welche Möglichkeiten sehen niedergelassene Allgemeinärzte, diese zu überwinden? von 300 Allgemeinärzten mit WB-Ermächtigung und 300 Allgemeinärzten ohne WB-Ermächtigung gezogen. Diese erhielten in einem frankierten Umschlag einen Fragebogen zur bisherigen Beschäftigung von WB-Assistenten bzw. Planungen, Assistenten in der Zukunft einzustellen. Letzteres diente, in Analogie zur Motivation bei Lebensstil-Veränderungen, als Indikator konkreter Motivation zur Weiterbildung in der eigenen Praxis [2]. Falls hierzu kein Wunsch bestand, wurde nach den Gründen und möglichen Abhilfen gefragt (Freitext). Auûerdem wurden Strukturmerkmale der Praxis erfasst wie auch Lehr- und ModerationsErfahrungen der ¾rzte in anderen Bereichen. Der ausgefüllte Fragebogen war an einen Treuhänder (Notar) zu senden, der jegliche Hinweise auf die Person des Absenders entfernte. Die anonymisierten Fragebogen wurden in der Abteilung für Allgemeinmedizin der Universität Marburg ausgewertet. Freitext-¾uûerungen wurden in eine elektronische Datenbank (EXCEL) übertragen und nach thematischen Gesichtspunkten in einer Matrix angeordnet [4]. Die einzelnen ¾uûerungen wurden dann konkreten Themen und inhaltlichen Aussagen zugeordnet. In der quantitativen Auswertung sind für wichtige Anteile (%) 95 %-Konfidenzintervalle (KI) angegeben, bei geschichteten Auswertungen auch das Ergebnis des c2-Tests. Der Fragebogen wurde in einer Arbeitsgruppe von Weiterbildern und Assistenten entwickelt. In Rahmen einer Pilotstudie wurde er auf Plausibilität und Verständlichkeit getestet. 120 Weiterbildung Ergebnisse Von den ursprünglich angeschriebenen 600 ¾rzten (jeweils die Hälfte mit/ohne Weiterbildungsermächtigung) waren zwölf nicht mehr erreichbar (Praxisaufgabe, Umzug usw.). Von den Verbleibenden sandten 346 den Fragebogen zurück, so dass sich eine Beantwortungs-Quote von 59 % ergibt. Wichtige Strukturdaten der Befragten gibt Tab. 1 wieder. Tab. 1 Strukturdaten der Praxen Einzelpraxen Landpraxen Jahre in der Praxis 216 (63 %) 188 (54 %) 0±5 J. 6±10 J. 11±20 J. > 20 J. ZFA Allgemeinarzt Arzneitelegramm Arzneimittelbrief tägliche Praxis Mitarbeit (jemals) Moderation EKG Lungenfunktion Wundnaht Notfall-Labor Schwangerschaft Krebsfrüherkennung Frauen Krebsfrüherkennung Männer Gesundheitsuntersuchung (Check ab 35) Impfungen 32 (9 %) 56 (16 %) 166 (48 %) 91 (26 %) 237 (68 %) 188 (54 %) 194 (56 %) 136 (39 %) 178 (51 %) 285 (82 %) 40 (13 %) 29 (9 %) 343 (99 %) 289 (84 %) 305 (88 %) 210 (61 %) 14 (4 %) 59 (17 %) 324 (94 %) 338 (98 %) 339 (98 %) Zeitschriften in der Praxis Qualitätszirkel sonstige Lehre Ausstattung Methoden Aus der Datenbank der hessischen tätigen ¾rzte bei der Landesärztekammer Hessen wurde eine geschichtete Zufallsstichprobe Früherkennungs- und Präventivmedizin Donner-Banzhoff N et al. Weiterbildungsermächtigte Allgemeinärzte: Qualifikationen ¼ Z Allg Med 2004; 80: 119 ± 123 ZfA 2004 \"049\", 19.3.04/dk köthen GmbH Es überwiegen Einzelpraxen und solche, die sich als Landpraxen einstufen. Die apparative Ausstattung der Praxen ist gut, fast alle Teilnehmer führen Krebsfrüherkennungs-Untersuchungen für Männer, Gesundheitsuntersuchungen und Impfungen in ihrer Praxis durch. Tab. 2 Weiterbildungs-Bedingungen Anzahl (%) separater Raum für Assistenten sofortige Rücksprache bei Problemen möglich regelmäûige Fallbesprechung 281 (81 %) 169 (92 %) 182 (99 %) davon 134 (74 %) täglich 98 (46 %) 110 (60 %) Nenner 345 183 183 Bisherige Erfahrungen Von den Befragten geben 43 (12,5 %; KI 9 %, 16 %) an, derzeit einen Weiterbildungs-Assistenten zu beschäftigen. 183 (53 %; KI 48 %, Teilnahme Teambesprechung Freistellung für Fortbildung 183 183 Nenner n = 346 ggf. minus fehlende Werte: gesamte Stichprobe Nenner n = 183 ggf. minus fehlende Werte: ¾rzte, die jemals weitergebildet haben Weiterbildung 58 %) haben jemals einen Weiterbildungs-Assistenten beschäftigt, von diesen wiederum fast ein Fünftel insgesamt schon sechs und mehr Assistenten (Abb. 1 a). Überwiegend wurden damit gute Erfahrungen gemacht (Abb. 1 b). Mehr als ein Drittel der Praxen hat einen Bruttogehalt von mehr als 2 500 im Monat gezahlt (Abb. 1 c). Bei den niedrigeren Kategorien ist hier zu bedenken, dass Teilzeit-Stellen nicht separat aufgeschlüsselt wurden. Lernbedingungen in der Praxis Abb. 1 a Zahl der bereits weitergebildeten Assistenten. Tab. 2 zeigt die Resultate der Fragen nach den konkreten Bedingungen der Weiterbildung in den Praxen der befragten ¾rzte. Bei den meisten Praxen ist offenbar ein Raum vorhanden, der für die regelmäûige Arbeit eines Assistenten reserviert werden kann. Regelmäûige Fallbesprechungen und sofortige Rücksprache bei Problemen sind in den Praxen mit Weiterbildungs-Erfahrungen die Regel; die Teilnahme an Besprechungen des Praxisteams und die Freistellung für zusätzliche Fortbildungs-Aktivitäten werden offenbar zurückhaltender gehandhabt. 284/335 (85 %; KI 81 %, 89 %) sind bereit, den Feedback-Fragebogen der DEGAM in ihrer Praxis einzusetzen. Dieser Anteil ist in der Gruppe mit und ohne eigene Weiterbildungs-Erfahrung gleich hoch. Vier Fünftel der Befragten hat bereits an einem Qualitätszirkel teilgenommen (Tab. 1). Jeweils rund ein Zehntel hat Erfahrungen in der Moderation solcher Gruppen bzw. als Dozent in anderen Bereichen (Kursweiterbildung, Universität usw.). 121 Abb. 1 b Erfahrungen mit den bisherigen Assistenten. Motivation und Barrieren Von den ¾rzten, die derzeit keinen WB-Assistenten beschäftigen, haben 109 (36 % [KI 31; 42]) die Absicht, dies in den nächsten sechs Monaten zu tun, davon gut ein Drittel halbtags. Dieses Absicht ist unter Landärzten etwas stärker ausgeprägt (41 % vs. 31 % [Fg = 1; c2 = 3,1; p = 0,08 ± (Abb. 2 a)]). Sie steigt auch mit der Praxisgröûe an, da erst von einer gewissen Zahl von Fällen pro Quartal die Einstellung eines Assistenten finanziell möglich und vom anfallenden Arbeitsvolumen her sinnvoll ist (Abb. 2 b). Kein Zusammenhang besteht mit der Tatsache, ob die Kollegen in einer Einzel- oder Gruppenpraxis tätig sind. Abb. 1 c Bruttogehalt der Assistenten. Donner-Banzhoff N et al. Weiterbildungsermächtigte Allgemeinärzte: Qualifikationen ¼ Z Allg Med 2004; 80: 119 ± 123 ZfA 2004 \"049\", 19.3.04/dk köthen GmbH Praxen erfüllt, eine finanzielle Förderung wird als essenziell angesehen. Allerdings sind einige methodische Einschränkungen zu machen. Eine Antwort-Quote von fast 60 % ist für Befragungen dieser Art in Deutschland erfreulich hoch, was nicht zuletzt an der Einschaltung eines Treuhänders (Notar) liegen dürfte; es ist aber trotzdem ein Auswahl-Bias zu befürchten. Denn unter den Antwortenden konzentrieren sich vermutlich eher die engagierten und erfahrenen Weiterbilder bzw. überhaupt die Kollegen, die der Weiterbildung in eigener Praxis positiv gegenüber stehen. Eine weitere Verzerrung könnte durch die sog. soziale Erwünschtheit mancher Antworten zu Stande kommen, z. B. bei regelmäûig gelesenen Zeitschriften, Fallbesprechungen in der Praxis oder bisher gezahlten Brutto-Gehalt. Schlieûlich haben wir wegen begrenzter Ressourcen darauf verzichtet, die psychometrischen Eigenschaften des Befragungs-Instruments umfassend zu evaluieren [5]. In Ländern mit einer entwickelten Tradition (allgemeinmedizinischer) Weiterbildung werden z. T. hohe Anforderungen an die Weiterbilder gestellt. Diese beziehen sich auf allgemeine ärztliche Fähigkeiten, Lehrkompetenz und die Organisation bzw. Ausstattung der Lehrpraxen. Neben allgemeinen Praxisdaten und Interviews haben Praxis-Begehungen eine groûe Bedeutung [1, 7]. Einmal erteilte Ermächtigungen werden fortlaufend überprüft und ggf. widerrufen [6]. International spielt die apparative Ausstattung der Praxis ± obwohl leicht überprüfbar ± nur eine ganz untergeordnete Rolle gegenüber der persönlichen und erzieherischen Qualitäten der Weiterbilder. Auch wenn der oben erwähnte Bias für eine Beschönigung des Bildes von der aktuellen Weiterbildungs-Situation führen mag, so demonstriert doch selbst eine Tendenz zur ¹sozialen Erwünschtheitª, was die ¾rzteschaft im Bereich der NachwuchsFörderung für angemessen hält. Dies sollte von Fachgesellschaft, Berufsverband und den ¾rztekammern aufgegriffen werden, um die Bedingungen für die Weiterbildung in der Praxis weiterzuentwickeln und hier besonders engagierte Praxen zu fördern. Damit kann für Universitäts-Absolventen eine attraktive Laufbahn eröffnet werden. Leitfragen der Diskussion sollten sein ± Wie definieren wir eine ¹gute Weiterbildungs-Praxisª? ± Welche Zugangsvoraussetzungen gelten für die Ermächtigung zur Weiterbildung? ± Wie entwickeln und fördern wir die Qualität in etablierten Weiterbildungs-Praxen? Zwar ist unseres Wissens noch nicht systematisch erforscht worden, in welchem Maûe die konkreten Bedingungen in der Weiterbildung dazu beitragen, dass junge ¾rzte eine bestimmte Laufbahn einschlagen. Die Allgemeinärzte in Deutschland und ihre Vertreter in der Selbstverwaltung sollten aber davon ausgehen, dass die unmittelbaren Erfahrungen des Nachwuchses mit Weiterbildern in deren Eigenschaft als Kollege, Mentor, Vorgesetzter, Lehrer, Ratgeber und Supervisor mit darüber entscheiden, ob die Hausärzte als ärztliche Disziplin erhalten bleiben. 122 Weiterbildung Abb. 2 a Weiterbildungs-Motivation nach Stadt/Land. Abb. 2 b Weiterbildungsmotivation nach Praxisgröûe (Scheinzahl). Die überwiegende Mehrzahl (275/336 [82 %; KI 78, 86]) gibt an, dass eine finanzielle Förderung (Zuschuss durch KV bzw. Krankenkassen) conditio sind qua non für die Einstellung eines Assistenten ist, und zwar unabhängig von bisherigen Erfahrungen und Strukturvariablen. Dies wird auch in zahlreichen Freitext-¾uûerungen unterstrichen. Die zahlreichen und oft ausführlichen Freitext-¾uûerungen sind hilfreich, um die Barrieren gegen eine Beschäftigung von WB-Assistenten zu verstehen. Am häufigsten werden finanzielle Hindernisse angegeben; der Praxis-Umsatz würde nicht ausreichen, auch sei eine Fallausweitung nicht möglich. Dazu kämen die Unsicherheiten über die Zukunft des Gesundheitssystems und das wirtschaftliche Umfeld, in dem Praxen heute arbeiten. Eine gewisse Rolle spielten auch negative Erfahrungen mit eingestellten Kollegen; vor allem die Schwierigkeiten bei der Umstellung vom Krankenhaus auf die Gegebenheiten der Praxis wurden erwähnt. Schlieûlich spielt der Mangel an Bewerbern eine Rolle, um überhaupt Stellen in der eigenen Praxis zu besetzen. Diskussion Insgesamt stehen die befragten hessischen Allgemeinärzte der Weiterbildung in ihren Praxen positiv gegenüber; wichtige Bedingungen für eine wirksame Weiterbildung sind in den meisten Donner-Banzhoff N et al. Weiterbildungsermächtigte Allgemeinärzte: Qualifikationen ¼ Z Allg Med 2004; 80: 119 ± 123 ZfA 2004 \"049\", 19.3.04/dk köthen GmbH Danksagungen Wir danken den hessischen Allgemeinärzten für die Beantwortung des Fragebogens. Des Landesärztekammer Hessen sind wir für finanzielle und logistische Unterstützung zum Dank verpflichtet. Interessenkonflikte: keine angegeben. The College of Family Physicians of Canada. Residency Program Accreditation and Certification. The College of Family Physicians of Canada, Mississauga 1997 7 The Joint Committee on Postgraduate Training for General Practice. Recommendations to Deaneries on the Selection and Re-Selection of General Practice Trainers. JCPTGP, London 1998 6 Zur Person Literatur 1 Cassie JM, Armbruster JS, Bowmer MI, Leach DC. Accreditation of postgraduate medical education in the United States and Canada: a comparison of two systems. Med Educ 1999; 33: 493 ± 498 2 Keller S, Velicer WF, Prochaska JO. Das Transtheoretische Modell ± Eine Übersicht. In: Keller S (ed). Motivation zur Verhaltensänderung. Das Transtheoretische Modell in Forschung und Praxis. Lambertus, Freiburg 1999; 17±44 3 Kopetsch T. Dem deutschen Gesundheitswesen gehen die ¾rzte aus! Studie zur Altersstruktur- und Arztzahlenentwicklung. 2. ed. bundesärztekammer und KBV, Köln 2003 4 Miles MB, Huberman AM. Qualitative Data Analysis. 2. ed. Sage, Thousand Oaks 1994 5 Streiner DL, Norman GR. Health Measurement Scales. A Practical Guide to their Development and Use. Oxford University Press, Oxford 1991 Prof. Dr. med. Norbert Donner-Banzhoff Werdegang und aktuelle Tätigkeit: nach Weiterbildung 1991 Arzt für Allgemeinmedizin, 1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Marburg, 1993 Niederlassung in Gemeinschaftspraxis. 1994±1995 Gastdozent und Academic Fellow am Department of Family and Community Medicine, University of Toronto (Kanada), Master-Programm in Community Health. Seit 1997 Leiter des Postgraduierten-Programms ¹Klinische Evaluationª am Fachbereich Medizin der Universität Marburg. 1999 Habilitation im Fach Allgemeinmedizin, 2003 Ernennung zum Professor für Allgemeinmedizin. Arbeitsschwerpunkte: Kardiovaskuläre Erkrankungen und deren Prävention, Klinische Epidemiologie und deren Anwendung in der Versorgung, Arzt-Patient-Beziehung, Weiter- und Fortbildung, allgemeinärztliche Entscheidungsfindung. 123 Weiterbildung Facharztprüfung Allgemeinmedizin D. Jobst, (Hrsg.) Elsevier, Urban & Fischer München 2004. 744 S., 76 Abb., 89,95 e ISBN 3-437-23320-3 In mehrfacher Hinsicht handelt es sich um eine beachtenswerte Neuerscheinung. Die Autoren sind fast ausschlieûlich Allgemeinärzte und stellen den Inhalt des allgemeinärztlichen ¹Gegenstandskatalogsª ± wie ihn etwa das Kursbuch zum 240- bzw. 80-Stunden-Kurs ausweist ± in ¹Fällen, Fragen und Antwortenª dar. Mit diesem Werk haben die Weiterbildungskandidaten erstmals ein Buch zur Hand, in dem sie den Prüfungsstoff kursbegleitend vor- und nachbereiten können. So wird eine Lücke geschlossen, die von Kursteilnehmern immer wieder beklagt wird: der Mangel an Repetitoriumsliteratur. Dieses Buch ist jedoch kein Repetitorium, das die Summe des fachärztlichen Wissens aufs Allgemeinärztliche herunterbricht. Mit der diskursiv in Frage und Antwort aufgebauten Darstellung des Stoffes wird nicht nur Prüfungssituation simuliert. Vielmehr ist damit die kasuistische Einzelfallbetrachtung als zentrales Moment allgemeinärztlicher Arbeit in dieser Form erstmals gewürdigt. Allein aus diesem Grund ist dies Buch ein ¹Mussª für Weiterbildungsteilnehmer und Kursleiter. Allerdings ist die Darstellung nach diesem Prinzip unterschiedlich gut gelungen: Besonders gelungen in Kürze und Prägnanz der Darstellung ist S. Brockmanns Psychiatrie-Kapitel. Hier wird für den Allgemeinarzt aus der Phänomenologie des Beschwerdebildes (Angst, produktive psychotische Symptomatik, Depression, etc.) handhabbare Diagnosestellung und Pharmakotherapie auf kleinstem Raum und entsprechend der aktuellen psychiatrischen Systematik gelehrt. Eher problematisch hingegen das ¹Bauchkapitelª: Die Problematik von Sonographie in der Allgemeinpraxis (Abrechnung, forensische Verantwortlichkeit auch für nur ¹orientierendeª Befundung) wird nicht erläutert, sondern mit unklaren Formulierungen umgangen. Eine heikle Empfehlung zum Abwarten unter Eisbeutelauflage bei Appendizitis darf so nicht stehen bleiben. Dem Buch ist zunächst weite Verbreitung und später Optimierung durch fachliche Diskussion in den nächsten Auflagen zu wünschen. Martin Konitzer, Hannover Donner-Banzhoff N et al. Weiterbildungsermächtigte Allgemeinärzte: Qualifikationen ¼ Z Allg Med 2004; 80: 119 ± 123


(Stand: 03.03.2004)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.