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Wir trauern um Prof. Dr. med. Hans Hamm

DOI: 10.1055/s-2008-1058097

Wir trauern um Prof. Dr. med. Hans Hamm

92 Nachruf Wir trauern um Prof. Dr. med. Hans Hamm Prof. Hamm Commissioned article Bibliogra?e DOI 10.1055/s-2008-1058097 Online-Publikation: 2008 Z Allg Med 2008; 84: 92 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse D. Niemann email@doktor-niemann.de Am 8.2.2008 starb nach kurzer schwerer Erkrankung Prof. Dr. med. Hans Hamm kurz vor seinem 86. Geburtstag. Seine Entwicklung zu einem der Pioniere des Faches Allgemeinmedizin verlief über prägende Erfahrungen: Geboren 1922 lernte er als Sohn eines Praktischen Arztes in Harburg die Anforderungen des hausärztlichen Berufes bereits im Leben seiner Familie kennen. Nach eigener, breit gefächerter Weiterbildung zum Internisten an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf übernahm er 1955 aufgrund von Niederlassungsbeschränkungen die Praxis seines Vaters als Praktischer Arzt. Bald musste er feststellen, dass er für die konkreten gesundheitlichen Probleme seines Patientenklientels unzureichend ausgebildet war und formulierte als einer der ersten die Notwendigkeit einer spezi?sch hausärztlichen Weiterbildung und eines eigenständigen Faches Allgemeinmedizin. Nachdem 1970/71 der Deutsche Ärztetag die vierjährige Weiterbildungsordnung zum „Arzt für Allgemeinmedizin“ beschlossen hatte, wurde Hans Hamm 1971 zum Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf ernannt. Er betreute allgemeinmedizinische Promotionen und entwickelte eine breite Veröffentlichungstätigkeit. Bereits 1975 erschien in der Taschenbuchreihe des Thieme-Verlags das erste „Lehrbuch für Allgemeinmedizin“, das als der „kleine Hamm“ zum Standardwerk wurde. 1979 folgte „Allgemeinmedizin und Familienmedizin“, in dem er als Herausgeber und Mitautor bereits „Handlungsleitwege“ formulierte, die Vorläufer der heutigen „Leitlinien“. Durch seine Veröffentlichungen über die Bedeutung der Familie für die Entstehung und Behandlung von Erkrankungen gilt er auch als Begründer der Familienmedizin im deutschsprachigen Raum. Als 1978 Allgemeinmedizin Prüfungsfach im schriftlichen Teil des medizinischen Staatsexamens wurde, beteiligte sich Hamm im Rahmen des Institutes für medizinische Prüfungsfragen auf Bundesebene an der Erarbeitung von Prüfungsfragen. 1982 verlieh ihm der Hamburger Senat für seine Verdienste um die Allgemeinmedizin den Titel eines Professors. Als im WS 88/89 die Allgemeinmedizin mündliches Prüfungsfach wurde, bestellte das Landesprüfungsamt Hamburg Prof. Hamm zum Prüfer im 2. Staatsexamen. Im Alter von 69 Jahren gab Prof. Hamm 1991 nach 40 Semestern seinen Lehrauftrag zurück. Neben seinem universitären Engagement war Prof. Hamm in vielfältigen berufspolitischen Gre- mien sowie in der wissenschaftlichen Weiterund Fortbildung aktiv: Von 1979–86 war er Präsident der DEGAM, deren Gründungsmitglied er war und deren Ehrenpräsident er später wurde. Für seine Verdienste erhielt er die HIPPOKRATES-Medaille. Von 1980–90 wurde er mit der wissenschaftlichen Leitung des Internationalen Fortbildungskongresses der Bundesärztekammer in Meran betraut. Er war Mitglied der Sachverständigenkommission des Bundesgesundheits-Ministeriums für die Studienreform und vertrat auch in Hamburg die Allgemeinmedizin in Ärztekammer und KV über Jahrzehnte. All diese beeindruckenden Engagements waren nur möglich durch die Unterstützung seiner lieben Ehefrau Hildegard, die ihn mit Anerkennung und auch Kritik stets loyal begleitete. Sie gestaltete das Familienleben so harmonisch, dass alle drei Söhne ebenfalls den Arztberuf wählten. Auch an seinen Hobbys nahm Frau Hamm regen Anteil. Botanik und Ornithologie gehörten dazu und waren Anlass zu Studienreisen des Paares. An der Seite von Hans und Hildegard Hamm war ein Spaziergang durch die Natur ein lehrreiches Erlebnis. Prof. Hans Hamm verfolgte bis zuletzt, mit klarem Urteil und hanseatischem Humor das aktuelle Geschehen in Wissenschaft, Kultur, Allgemeinund Gesundheitspolitik, und schrieb dazu kleine Aufsätze „nur für den persönlichen Gebrauch“. In einem seiner Letzten setzte er sich „aus gebotenem Anlass“ mit der Frage der Unsterblichkeit auseinander (Zitat): „… Im Übrigen ist es doch wohl so, dass heute jeder nüchtern und sachlich denkende Mensch mit einiger Bildung ein Leben nach dem Tode verneinen muss. Aber gerade die Genwissenschaften weisen uns hier eher einen Weg … So heißt es auch bei Goethe: Kein Wesen kann zu nichts zerfallen, das Ew’ge regt sich fort in allen, am Sein erhalte dich beglückt! Das Sein ist ewig: Denn Gesetze bewahren die lebendigen Schätze, aus welchen sich das All geschmückt … Sonst … bleibt einem nur Shakespeare übrig, der sagt: … den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Wir nehmen Abschied von einem überzeugten und überzeugenden Hausarzt und einem Menschen, der uns in vielen Belangen Vorbild bleiben wird. D. Niemann, W. Ewert Z Allg Med 2008; 84: 92


(Stand: 03.03.2008)

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