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Leserbrief zu 1) Ludt S, Campbell SM, Wensing M, vanLieshout J, Boffin N, Grol R, Szecsenyi J. „Prävention und Risikomanagement kardiovaskulärer Erkrankungen ...“Z Allg Med 2008; 84: 477–488 und 2) Strametz R, Weberschock T, Erler A, Beyer M, Otte

Zu 1)

Da zurzeit ja auch Deutschland der Entwicklung von Qualitätsindikatoren hinterherhinkt, ist Sabine Ludt für diesen kritischen Artikel sehr zu danken. Mich würde interessieren, warum kein Indikator aus der Domäne „Patientenperspektive“ bei dem Panel-Verfahren ausgewählt wurde. Das erscheint mir nicht zeitgemäß. Welche Gründe gab es für dieses Vorgehen?

Zu 2)

Reinhard Strametz schreibt in seinem fundierten Artikel, dass die orale Vitamin B12-Therapie der parenteralen Gabe vorzuziehen sei. Dem ist zuzustimmen. Für unser Gesundheitssystem trifft allerdings das Argument, die orale Therapie sei „kostengünstiger“ nur bedingt zu. Denn wie aus dem angegebenen Artikel von van Walraven et al. (Kanada) hervorgeht, wurden bei den Berechnungen u. a. auch Arztkontakte miteinbezogen. Im direkten Medikamentenkostenvergleich schneidet die parenterale Therapie dagegen besser ab. Ich befürchte, dass vor dem Hintergrund einer diffusen „Regress-Angst“ dieser Sachverhalt kontraproduktiv ist und der löblichen Absicht im Wege stehen wird.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Armin Mainz

Hausarzt

Am Berndorfer Tor 5, 34497 Korbach

Antwort von S. Ludt:

Über die angebotenen evidenzbasierten Indikatoren haben 10–14 Panel-Teilnehmer, Hausärzte mit besonderem Interesse für kardiovaskuläre Prävention, aus 10 Ländern abgestimmt. Um einen Indikator in einen gesamteuropäischen Kernindikatorensatz einzuschließen, galten strenge Auswahlkriterien: In allen Länderpanels musste der Indikator – bei einer Bewertungsskala zwischen 1 und 9 für die Validität – einstimmig mit einem Median 7 ausgewählt werden. 10 Indikatoren aus dem Bereich Patientenperspektive wurden angeboten. In fast allen Ländern wurden in dieser Domäne keine Indikatoren nach den zuvor definierten Einschlusskriterien ausgewählt.

Die befragten Hausärzte konnten sich offensichtlich europaweit mit Ausnahme von Frankreich, Finnland und Slowenien nicht über den Einschluss von Qualitätsindikatoren aus dem Bereich Patientenperspektive einigen. Da die Studienleitung Qualitätsbeurteilung aus Patientensicht als sehr wichtig erachtet, wurden in der Pilotstudie, die zur Zeit in den teilnehmenden Ländern läuft und in der die Indikatoren angewendet werden, auch evidenzbasierte Patientenfragebögen wie EUROPEP1 und PACIC2,3 angewendet.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Sabine Ludt

Fachärztin für Allgemeinmedizin

Universitätsklinikum Heidelberg

Abt. Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung

Voßstr. 2, 69120 Heidelberg

Tel.: 06221 – 56 48 25

Antwort von R. Strametz:

Sehr geehrter Herr Mainz,

vielen Dank für Ihre ergänzenden Anregungen. Ziel unserer Übersichtsarbeit war die Darstellung der jeweiligen Evidenzlage und nicht eine gesundheitsökonomische Analyse im Sinne eines Vergleichs der Alternativkosten ausgehend von verschiedenen Berechnungsansätzen. Im Vordergrund steht für uns die Feststellung, dass nach gegenwärtigem Stand der Forschung, für die Substitution mit Vitamin B12 bei asymptomatischen Patienten ohne Zeichen eines Vitaminmangels, gleich ob enteral oder parenteral, kein Nutzen, sehr wohl aber Nebenwirkungen und Risiken nachweisbar sind. Darüber hinaus zeigt sich anhand der Studienlage, dass in den Fällen, in denen eine Vitamin B12-Substitution indiziert ist, die (wie wir annehmen patientenfreundlichere) orale Gabe der parenteralen Gabe nicht unterlegen scheint.

In der Tat ist die Kostenbetrachtung abhängig von der jeweiligen Perspektive und muss im Kontext des jeweiligen Gesundheitssystems gesehen werden. Inwieweit der reine Medikamentenkostenvergleich als Bezugsgrundlage Verwendung finden sollte, ist an anderer Stelle unter Einbeziehung aller übrigen relevanten Variablen zu diskutieren.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Reinhard Strametz

Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

Johann Wolfgang Goethe-Universität

Theodor-Stern-Kai 7

60590 Frankfurt a. M.

Tel.: 069 / 6301–5998

1 Grol R, Wensing M, Mainz J, Ferreira P, Hearnshaw H, Hjortdahl P et al. Patients’ priorities with respect to general practice care: an international comparison. Family Practice 1999; 16(1): 4–11

2 Glasgow RE, Wagner EH, Schaefer J, Mahoney LD, Reid RJ, Greene SM. Development and validation of the Patient Assessment of Chronic Illness Care (PACIC). Med Care 2005; 43(5): 436–444

3 Rosemann T, Laux G, Droesemeyer S, Gensichen J, Szecsenyi J. Evaluation of a culturally adapted German version of the Patient Assessement of Chronic Illness Care (PACIC 5A) questionnaire in a sample of osteoarthritis patients. Journal of Evaluation in Clinical Practice 2007

Table 1 Indicators rated valid by each panel/country


(Stand: 08.06.2011)

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