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So schön kann Medizin sein

Hontschik B. Herzenssachen. So schön kann Medizin sein. Weissbooks, 2009. 130 S., geb. ISBN: 978-3-940888-03-7. 14 Euro

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Günther Egidi

Bernd Hontschik ist ein Provokateur. Darum lese ich seine in der Frankfurter Rundschau erscheinenden, jetzt in Buchform zusammengefassten Kolumnen rund um das Gesundheitswesen auch so gerne. Hontschik ist aber nicht nur Provokateur, sondern einer, der von der Vision einer humanen, ergo sozialen und zugleich freiheitlichen Medizin durchdrungen ist.

Im Titel „So schön kann Medizin sein“ klingt die „Brave New World“ von Aldous Huxley an. Hontschik bekämpft mit viel Verve, Witz und durchaus analytischem Scharfsinn den großen Plan einer das Individuum nicht (mehr) berücksichtigenden Gesundheitsindustrie, die die Menschen zu Waren und die im Gesundheitswesen Tätigen zu Dienstleistern reduziert. Darunter leidet die Einzigartigkeit von Arzt und Patient wie auch der individuellen Arzt-Patient-Beziehung – Beziehungsmedizin droht einem potenziell die Menschen terrorisierenden großen Plan geopfert zu werden.

Beim Versuch, den Bogen zwischen der unsozialen Agenda 2010, der elektronischen Gesundheitskarte und der Anwendung von Leitlinien zu spannen, kommen dem Autor gelegentlich Inkonsistenzen unter. Warnt er einerseits vor der die Individualität gefährdenden Leitlinien, kritisiert er sie zugleich immanent (AGREE-Kriterien wurden in etlichen Leitlinien verletzt, was ja eher gegen diese speziellen und nicht gegen Leitlinien generell – oder aber gegen das AGREE-Instrument spräche). Auch die Kritik an Qualitätsmanagement und DMP ignoriert nach meinem persönlichen Dafürhalten die Chancen auf Teambildung und Fehlerkultur beim einen und auf systematische, proaktive Versorgung chronisch Kranker beim anderen Instrument.

Trotz solcher Unvollkommenheiten ist diese Sammlung medizin-kritischer Glossen absolut lesenswert. Viele der kritischen Reflexionen eröffnen dem Leser eine ganz neue Sicht auf Geschehnisse wie das Märchen von der Kostenexplosion im Gesundheitswesen, die Privatisierung von Universitätskliniken oder die elektronische Gesundheitskarte. Das 130 Seiten umfassende, im Verlag Weissbooks erschienene Bändchen ist für 14 Euro im Buchhandel erhältlich.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Günther Egidi

Huchtinger Heerstr. 41

28259 Bremen

Tel.: 04 21 / 5 79 76 75

E-Mail: familie-egidi@nord-com.net


(Stand: 11.10.2010)

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