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Ohne Geld ist alles nichts, aber Geld ist nicht alles ...

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Ich weiß, irgendwie ist dieser Spruch verdreht, aber er passt so besser auf die im Folgenden skizzierte Situation:

Um die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung langfristig zu gewährleisten, haben Kassenärztliche Bundesvereinigung, der Spitzenverband Bund der Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft im Einvernehmen mit dem Verband der Privaten Krankenversicherung e. V. und im Einvernehmen mit der Bundesärztekammer eine „Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin in der ambulanten und stationären Versorgung“ getroffen. Sie soll ab Anfang diesen Jahres gelten und sieht eine deutliche Erhöhung der bisherigen monatlichen Fördersummen im ambulanten Bereich auf 3500 Euro vor. In Gebieten mit drohender Unterversorgung wird dieser Betrag um 250 Euro und bei bereits bestehender Unterversorgung um 500 Euro aufgestockt. Auch im stationären Bereich gibt es pro Stelle in Gebieten der „unmittelbaren Patientenversorgung“ monatlich 1750 Euro, ausgenommen in der Inneren Medizin und ihren Schwerpunkten; hier bleibt es bei 1020 Euro pro Monat.

Diese Vereinbarung ist richtig und sie ist wichtig: ermöglicht sie doch endlich in den Praxen eine dem stationären Bereich vergleichbare Bezahlung der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung. Und sie bietet Anreize im stationären Bereich, Rotationsstellen in den sogenannten „kleinen Fächern“ zu schaffen. Weiterhin werden auf Länderebene Koordinierungsstellen eingerichtet. Diese sollen bis 1. Juli 2010 ihre Arbeit aufnehmen, Weiterbildungsverbünde initiieren, diese organisatorisch unterstützen, Mentoren gewinnen sowie die Evaluation der Weiterbildung sicherstellen. Eine, wie ich meine, ambitionierte Aufgabenzuteilung, die hoffentlich nicht mit der Errichtung Potemkinscher Dörfer „abgearbeitet“ wird.

Mindestens 5000 Stellen in Kliniken und Praxen sollen jährlich gefördert werden. Alles in allem sind das etwa 200 Millionen Euro jährlich, die Kostenträger, Deutsche Krankenhausgesellschaft und KBV in die Hand nehmen. Vermutlich wird mit zunehmendem Honorarvolumen im Rahmen der hausarztzentrierten Versorgung nach §73b des SGB V zukünftig auch die hausärztliche Vertragsgesellschaft – HÄVG in die Pflicht genommen werden.

Doch Geld alleine reicht nicht, um die Hausarztmisere zu beenden. Die Weiterbildung muss strukturell und inhaltlich mit Leben gefüllt werden. Es braucht günstige Rahmenbedingungen für die spätere hausärztliche Tätigkeit, d. h. insbesondere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und nicht zuletzt muss sich unser Fach den Studierenden an den Universitäten selbstbewusst und den anderen Disziplinen gleichwertig präsentieren. Notwendige Voraussetzung hierfür ist die Institutionalisierung an allen medizinischen Fakultäten in Deutschland (siehe hierzu auch die Stellungnahme der „Jungen Allgemeinmedizin Deutschland – JADe).

Was das Dauerthema „Muster-Weiterbildungsordnung“ anbelangt, so werden die Delegierten des 113. Deutschen Ärztetages, der im Mai diesen Jahres in Dresden stattfindet, über einen Vorstandsbeschluss der Bundesärztekammer zu befinden haben, die Allgemeinmedizin wieder als eigenständiges Gebiet in der (Muster-)Weiterbildungsordnung auszuweisen. Auch dies ein weiterer und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, manche meinen auch die „Korrektur eines historischen Irrtums“. Offen ist bisher, ob es eine sechsmonatige Pflichtweiterbildungszeit in Chirurgie geben wird (DEGAM und HÄV hatten sich im Vorfeld dafür ausgesprochen).

Last but not least: Diese ZFA erreicht erstmals alle Kolleginnen und Kollegen, die am AOK-Vertrag nach §73b SGB V (Hausarztzentrierte Versorgung) in Baden-Württemberg teilnehmen. Geplant sind zunächst zwei Ausgaben pro Jahr mit Fortbildungsbeiträgen zu hausärztlich relevanten Themen. Wir wollen Sie damit in Ihrem Bemühen um eine rationale und evidenzbegründete Pharmakotherapie unterstützen. Betrachten Sie es bitte auch als Signal von DEGAM und ZFA gegen die systematische Desinformationspolitik der pharmazeutischen Industrie in vielen Streuzeitschriften, die unaufgefordert auf Ihren Schreibtischen landen.

Mit herzlichen Grüßen

W. Niebling


(Stand: 11.10.2010)

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