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Vereinbarkeit von Forschung und Facharztweiterbildung in der Allgemeinmedizin

DOI: 10.3238/zfa.2012.0122-0126

Probleme und Lösungsansätze

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Wolfram J. Herrmann, Tobias Freund, Thomas Kötter, Solveig Carmienke

Schlüsselwörter: Allgemeinmedizin Facharztweiterbildung Forschung Nachwuchsförderung

Hintergrund: Die zunehmende Akademisierung der Allgemeinmedizin in Deutschland ist ein wichtiger Schritt, um das Fach Allgemeinmedizin langfristig zu stärken. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Eine besondere Schwierigkeit für Nachwuchswissenschaftler ergibt sich jedoch durch die Verbindung von Forschung und Facharztweiterbildung. Ziel dieses Artikels ist es, die Ist-Situation der Vereinbarkeit von Forschung und Facharztweiterbildung in der Allgemeinmedizin in Deutschland zu diskutieren und Anregungen für eine zukünftige Verbesserung der Situation zu geben.

Methoden: In einem Workshop auf dem DEGAM-Kongress führten wir eine moderierte Gruppendiskussion mit Visualisierung anhand von Moderationskarten zu Problemen bei der Verbindung von Forschung und Facharztweiterbildung, vorhandenen Lösungsansätzen und notwendigen Schritten für die Zukunft durch. Für diesen Artikel haben wir die Ergebnisse der Diskussion zusammengefasst.

Ergebnisse: Wichtige Probleme bei der Vereinbarkeit von Forschung und Lehre sind die Anrechenbarkeit von Forschung auf die Weiterbildungszeit, Abstimmung zwischen Krankenversorgung und Forschung, Work-Life-Balance, Bezahlung und Wertschätzung. Vorteile der Kombination von Forschung und Lehre mit klinischer Weiterbildung sind Synergien zwischen beiden Tätigkeiten und eine erhöhte Flexibilität. Es gibt bereits vorhandene Lösungsansätze, insbesondere in universitär verankerten (Verbund-)Weiterbildungsprogrammen. Notwendige Schritte für die Zukunft sind einheitliche Möglichkeiten, Forschungszeit auf die Weiterbildungszeit anzurechnen, eine einheitliche Bezahlung und lokale Vernetzung von universitären Abteilungen und Weiterbildungsbefugten.

Schlussfolgerungen: Die Kombination von Forschung und Weiterbildung kann zu Schwierigkeiten führen, bietet jedoch auch Vorteile. Gezielte Schritte zu einer Verbesserung der Verbindung von Forschung und Facharztweiterbildung sollten unternommen werden.

Hintergrund

Forschung ist ein elementarer Bestandteil von Medizin als Wissenschaft. Die Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs ist wichtig für die Sicherstellung hochwertiger medizinischer Forschung und damit für die Versorgung in der Zukunft [1]. Dabei ist es insbesondere in der klinischen Forschung und in der Versorgungsforschung schwierig, den Nachwuchs parallel zur Facharztweiterbildung auch in der Forschung weiter zu qualifizieren. Weiterbildungs- curricula und die Arbeit in Klinik und Praxis lassen kaum Zeit, qualitativ hochwertige Forschung zu betreiben. Das Stichwort der „Feierabend“-Forschung beschreibt dieses Dilemma [2]. Die vorhandenen Lösungsansätze von DFG [3] und Wissenschaftsrat [1] sind gut und bemerkenswert, greifen jedoch bisher zu kurz, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in klinischer Forschung und Versorgungsforschung sicherzustellen.

In der Allgemeinmedizin ist eine zunehmende Verankerung des Faches an den Universitäten notwendig, um den Beruf des Hausarztes attraktiver für den medizinischen Nachwuchs zu gestalten [4]. Um die Akademisierung des Faches Allgemeinmedizin voranzubringen, ist eine ausreichende Anzahl gut ausgebildeter Nachwuchswissenschaftler notwendig. Für die allgemeinmedizinischen Nachwuchswissenschaftler ergeben sich während der Facharztweiterbildung aufgrund der fragmentierten allgemeinmedizinischen Facharztweiterbildung und der meist fehlenden Patientenversorgung der Lehrstühle für Allgemeinmedizin zahlreiche Schwierigkeiten. Es sind daher neue Lösungen und Ideen nötig, um eine Tätigkeit in Forschung und Lehre parallel zur Facharztweiterbildung zu erleichtern und so den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Allgemeinmedizin sicherzustellen.

Deshalb gründete sich beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) 2011 in Salzburg innerhalb der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADE) die Arbeitsgruppe Forschung und Lehre.

Unser Ziel war es, die Vereinbarkeit von Forschung und Weiterbildung mit betroffenen Ärzten in Weiterbildung, Forschern und Entscheidungsträgern zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungsansätzen für eine bessere Vereinbarkeit von Forschung und Lehre mit praktischer ärztlicher Tätigkeit in der Weiterbildung zu suchen.

Methoden

Im Rahmen des DEGAM-Kongresses 2012 in Rostock führten wir einen 90-minütigen Workshop durch. Der Workshop war offen für alle Besucher des Kongresses und richtete sich explizit an Ärzte in Weiterbildung (ÄiW), Forscher und Entscheidungsträger.

Nach einer Vorstellungsrunde führten wir jeweils drei 20– bis 30-minütige Gruppendiskussionen zu folgenden Themen durch:

  • Probleme bei der Verbindung von Forschung und Facharztweiterbildung,
  • vorhandene Lösungsansätze zur Verbindung von Forschung und Facharztweiterbildung,
  • notwendige Schritte für die Zukunft.

Jeder dieser Blöcke wurden von einem Mitglied der Arbeitsgruppe Forschung und Lehre moderiert, die einzelnen Punkte wurden auf Moderationskarten festgehalten und an Pinnwänden gruppiert. Die Ergebnisse des Workshops wurden allen Teilnehmern im Anschluss per E-Mail zugänglich gemacht.

Für diesen Artikel haben wir die Ergebnisse der Gruppendiskussion anhand der dokumentierten Moderationswände und unserer schriftlichen Aufzeichnungen zusammengefasst.

Ergebnisse

Diskussionsteilnehmer

An dem Workshop nahmen insgesamt 10 Personen teil. Zu Ihnen gehörten Vertreter der DEGAM und der JADE, ein allgemeinmedizinischer Lehrstuhlinhaber, mehrere wissenschaftliche Mitarbeiter, ÄiW und Studierende mit Interesse an der Allgemeinmedizin.

Probleme in der Vereinbarkeit von Forschung und Weiterbildung

Die von den Teilnehmern benannten Problemfelder zur Vereinbarkeit von wissenschaftlicher und klinischer Tätigkeit in der Facharztweiterbildung lassen sich thematisch in mehrere Bereiche untergliedern: Anrechenbarkeit von Forschung auf die Weiterbildungszeit, Abstimmung zwischen Krankenversorgung und Forschung, Work-Life-Balance, Bezahlung und Wertschätzung. Neben Problemen wurden in der Diskussion auch Vorteile der Kombination von Forschung und klinischer Tätigkeit während der Weiterbildung genannt.

Anrechenbarkeit für Weiterbildungszeit: Die Teilnehmer berichteten unterschiedliche – jedoch überwiegend mangelnde – Anrechenbarkeit der Forschungszeiten auf die Facharztweiterbildung. Durch die mangelnde Anrechenbarkeit verlängere sich für junge allgemeinmedizinische Nachwuchswissenschaftler die Facharztweiterbildung bis auf die doppelte Weiterbildungszeit.

Die Diskussionsteilnehmer berichteten, dass in anderen Fachgebieten die Weiterbildungszeit an Universitätskliniken häufig auch nicht gesondert ausgewiesene Zeiten für Forschung beinhalte, welche auf die Facharztweiterbildung angerechnet würden. Dies führe zu einer Ungleichbehandlung von Forschungszeiten zwischen den verschiedenen Fachrichtungen zum Nachteil der Allgemeinmedizin.

Abstimmung zwischen Krankenversorgung und Forschung: Mehrere Teilnehmer berichteten über Schwierigkeiten bei der Freistellung von der klinischen Tätigkeit für die für eine Forschungstätigkeit notwendige Seminar- und Kongressteilnahme. Insbesondere in der stationären Phase der Weiterbildung seien flexible Arbeitsmodelle wie Teilzeittätigkeit häufig nicht möglich.

Häufig würden zwei getrennte Arbeitsverträge bei zwei unterschiedlichen Arbeitgebern bestehen, woraus sich zahlreiche Probleme ergeben könnten.

Work-Life-Balance: Als weiteres Problemfeld wurde von Teilnehmern die zusätzliche Arbeitsbelastung in der Kombination von wissenschaftlicher und klinischer Tätigkeit benannt. Beide Tätigkeitsfelder seien arbeitsintensiv und würden inhaltlich und zeitlich getrennte Arbeitsaufgaben außerhalb der regulären Arbeitszeiten bedingen. Zusätzlich zu den Routinetätigkeiten in der Klinik oder Praxis sowie der Forschungs- und Lehrtätigkeit würde das Ableisten von Nacht- und Wochenenddiensten, das Schreiben von Forschungsanträgen und die Publikation von Forschungsergebnissen von den wissenschaftlich tätigen Allgemeinmedizinern in Weiterbildung verlangt.

Ein Workshopteilnehmer warf die Frage auf, ob bei einer Teilzeittätigkeit in Forschung und Lehre der Forschungsoutput ausreichend sei, um Karriereziele wie Habilitation als Qualifikation zur Übernahme leitender Positionen zu erreichen.

Fehlende Wertschätzung durch Kollegen: Die Diskussionsteilnehmer berichteten über Konflikte mit Kollegen aus der Praxis. Eine Tätigkeit in der allgemeinmedizinischen Forschung würde von vielen klinischen Weiterbildern und Kollegen nicht als anspruchsvoll oder gewinnbringend eingeschätzt. Durch die Doppelbelastung erschwere sich nach Meinung einiger Workshopteilnehmer der kollegiale Austausch sowohl zu wissenschaftlichen Kollegen als auch zu klinisch tätigen Kollegen aus Klinik und Niederlassung. Die verbreitete Skepsis praktisch tätiger Allgemeinmediziner gegenüber Wissenschaftlern und umgekehrt bringe diejenigen, die beide Tätigkeitsfelder vereinen, in eine Situation „zwischen den Stühlen“, was von den Workshopteilnehmern als problematisch angesehen wurde.

Vorteile: Von den Teilnehmern wird Forschung und Lehre in der Allgemeinmedizin als hilfreich in der Praxis der Krankenversorgung erlebt. Und auch die Versorgungspraxis unterstützt die Forschung mit aus der Praxis entstehenden Forschungsfragen und einer stärkeren Beachtung von Praxisimplikationen bei Forschungsergebnissen.

Des Weiteren nannten Teilnehmer die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der allgemeinmedizinischen Weiterbildung insbesondere auch durch die Integration von Abschnitten in allgemeinmedizinischen Instituten und flexiblere Arbeitszeiten.

Vorhandene Lösungsansätze zur Vereinbarkeit von Forschung und Weiterbildung

Im zweiten thematischen Diskussionsabschnitt trugen die Workshopteilnehmer bereits vorhandene Lösungsansätze für die vorher identifizierten Probleme zusammen.

Anrechenbarkeit von akademischer Tätigkeit und vorhandene Modelle zur Vereinbarkeit von Forschung und klinischer Weiterbildung: Die Diskussionsteilnehmer benannten ihnen bekannte Modelle der Kombination akademischer und klinischer Weiterbildungsabschnitte innerhalb der Facharztweiterbildung. Eine Teilung in akademische bzw. klinische Abschnitte (Klinik – Forschung – Klinik oder Forschung – Klinik – Forschung) in Vollzeittätigkeit sei häufig. Einige Kollegen würden parallel wissenschaftlich und klinisch mit jeweils Teilzeitstellen bei zwei getrennten Arbeitgebern arbeiten. Die Facharztweiterbildung verlängere sich in beiden Modellen deutlich.

Die Workshopteilnehmer trugen die Standorte zusammen, an denen eine allgemeinmedizinische akademische Tätigkeit auf die Facharztweiterbildung anrechenbar ist (z.B. in Frankfurt, Heidelberg, Jena). Sie berichteten über bereits bestehende Programme, die mittels Rotationen in verschiedene klinische und einen einmaligen 6-monatigen Abschnitt im kooperierenden Institut für Allgemeinmedizin akademische und klinische Tätigkeit unter einem Rahmenarbeitsvertrag ermöglichen. Als Beispiele wurde die „Verbundweiterbildung Plus“ in Baden-Württemberg (Standort Heidelberg) [5] und die „Strukturierte Weiterbildung Allgemeinmedizin“ des Universitätsklinikums Jena [6] genannt.

Neben den nationalen Lösungsansätzen trugen die Diskussionsteilnehmer auch internationale Lösungsansätze zur Integration wissenschaftlicher und klinischer Tätigkeit in der Facharztweiterbildung als mögliche Vorbilder zusammen: So kann in Schweden eine Forschungstätigkeit innerhalb der Zeit zur Anfertigung einer Forschungsdissertation („PhD-Zeit“) auf die Facharztweiterbildung angerechnet werden. In Norwegen sind während der Weiterbildungszeit in Allgemeinmedizin bis zu 50 % der Wochenarbeitszeit in allgemeinmedizinischer Forschung und Lehre bei voller Anrechenbarkeit auf die Facharztweiterbildung möglich.

Bezahlung: Die Teilnehmer berichteten, dass eine wissenschaftliche Tätigkeit für ÄiW meist nach Tarifvertrag der Länder (TV-L) und damit schlechter bezahlt wird als eine Tätigkeit im Krankenhaus nach Tarifvertrag für Ärzte (TV-Ä). Die Tätigkeit als ÄiW in der Praxis sei sehr unterschiedlich, mal besser, mal schlechter vergütet als eine wissenschaftliche Tätigkeit.

Es wurde weiterhin berichtet, dass in einigen allgemeinmedizinischen Abteilungen in Forschung und Lehre tätige Ärzte nach dem Tarifvertrag des Marburger Bundes (TV-Ä) vergütet würden. Ob die Vergütung nach TV-Ä schlechter bezahlte Wissenschaftler aus anderen Disziplinen innerhalb der Abteilung diskriminiert oder ob dies ein notwendiger Ansatz zur Förderung des akademischen allgemeinmedizinischen Nachwuchses sei, wurde kontrovers diskutiert.

Vernetzung Krankenversorgung und Forschung: Gemeinsam trugen die Teilnehmer verschiedene bereits existierende Möglichkeiten zusammen, die es nach ihrer Meinung erleichtern, mit beiden Arbeitsgebieten „Kontakt zu halten“. In der ambulanten Phase der Weiterbildung würde eine flexible Teilzeittätigkeit beispielsweise tageweise oder auch halbtags die Verknüpfung beider Aufgabengebiete ermöglichen. Dafür seien jedoch auf beiden Aufgabengebieten kooperative und offene Arbeitgeber notwendig. Die Freistellung zur Teilnahme an Seminaren, Kursen, Kongressen und wissenschaftlichem Methodentraining durch wissenschaftliche und klinische Arbeitgeber erleichterten es, in beiden Gebieten „Schritt zu halten“. Einladung und Freistellung zu wissenschaftlichen Arbeitsgruppensitzungen („Lab-Meetings“) würden die Vernetzung zwischen ÄiW und forschenden Kollegen vereinfachen.

Notwendige Schritte für die Zukunft

Anrechenbarkeit von Forschungsabschnitten auf die Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin: Unter den Teilnehmern des Workshops bestand Einigkeit darüber, dass Forschungsabschnitte in der Allgemeinmedizin in allen Abteilungen für Allgemeinmedizin auf die Weiterbildung Allgemeinmedizin anrechenbar sein sollten, da die Tätigkeit in Wissenschaft und Forschung in direktem Zusammenhang mit der ärztlich-praktischen Tätigkeit steht, z.B. durch Kenntnisse in EBM und Patientenkontakt im Rahmen von Lehre und Forschung. Grundlage hierfür sollte eine Änderung der (Muster-)Weiterbildungsordnung oder eine flexiblere Vergabe von Weiterbildungsbefugnissen an Leiter allgemeinmedizinischer Abteilungen durch die Landesärztekammern sein. Grundsätzlich bestehe das Problem der fehlenden Anrechenbarkeit von Forschungszeiten auf die Facharztweiterbildung auch in anderen klinischen Fächern wie etwa der Inneren Medizin, der Chirurgie oder der Pädiatrie. Aus diesem Grund sollte ein breiterer Diskurs angestrebt werden, welcher auch andere Fachdisziplinen einschließt.

Arbeitsverträge: Übergeordnete Verträge zwischen mehreren Arbeitgebern und den ÄiW (z.B. in Verbundweiterbildungen) könnten nach Meinung der Workshopteilnehmer beide Seiten entlasten und die Vereinbarkeit von Weiterbildung und wissenschaftlicher Tätigkeit erleichtern.

Unterstützende Rahmenbedingungen: Als Zukunftsperspektive wurden spezielle Rahmenprogramme für wissenschaftlich arbeitende ÄiW in der Allgemeinmedizin diskutiert. So könnten etwa flächendeckend im Rahmen von gezielt konzipierten Weiterbildungsprogrammen mit Verankerungen an Universitätsabteilungen für Allgemeinmedizin klinische Weiterbildung und Forschung und Lehre individualisiert an den Bedürfnissen und Interessen der ÄiW ausgerichtet verbunden werden.

Die Beachtung von Forschung und Lehre in der Facharztweiterbildung in einem DEGAM-Rahmenkonzept für Weiterbildungsprogramme wurde begrüßt. Als weitere Option zur besseren Vereinbarkeit von Forschung und klinischer Weiterbildung in der Allgemeinmedizin wurde die Einrichtung von Institutsambulanzen bzw. Institutspraxen diskutiert, in denen regelmäßiger klinischer Patientenkontakt möglich sei. Hierbei zeigten sich – bei grundsätzlich großem Interesse der Teilnehmer an diesem Konzept – zwei Schwierigkeiten in der Diskussion: Erstens könnte das Patientenspektrum einer universitären Institutsambulanz möglicherweise speziell sein, zweitens sei die Einrichtung einer solchen Institution an vielen Standorten allgemeinmedizinischer Abteilungen eine organisatorische und rechtliche Herausforderung.

Schlussfolgerungen

Die Verbindung von Forschung und Facharztweiterbildung in der Allgemeinmedizin ist nicht einfach und führt zu zahlreichen praktischen Problemen im Alltag. Sie wurde jedoch von den beteiligten ÄiW gleichzeitig als Bereicherung, sowohl für die Versorgungspraxis als auch für die Forschung erlebt. In den letzten Jahren haben sich bereits einige Lösungsansätze zur besseren Integration von Weiterbildung und akademischer Tätigkeit entwickelt, u.a. die Integration von Forschung in strukturierte Weiterbildungsprogramme.

Als besonders relevante Punkte für die Zukunft erachten wir eine übergreifende Regelung für die Anrechenbarkeit von Forschung auf die Facharztweiterbildung. Eine solche Regelung sollte unseres Erachtens am besten in der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer verankert sein. Darüber hinaus sollte die Zusammenarbeit von Universitätsabteilungen mit Krankenhäusern und Praxen lokal ausgebaut und auf eine vertragliche Basis gesetzt werden. Des Weiteren ist eine stärkere Vernetzung der forschenden ÄiW untereinander notwendig, welche wir innerhalb der JADE vorantreiben wollen.

Danksagung: Wir danken allen Workshopteilnehmern für die intensive Diskussion und insbesondere Prof. Dr. Ferdinand M. Gerlach für seine engagierte Beteiligung an der Diskussion und seinen Einsatz für die allgemeinmedizinische Nachwuchsförderung.

Interessenkonflikte: Alle vier Autoren sind sowohl Ärzte in Weiterbildung als auch an einer universitären Abteilung akademisch tätig.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Wolfram J. Herrmann

Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Institut für Allgemeinmedizin

Leipziger Straße 44, 39120 Magdeburg

Tel.: 0391 6721009, Fax: 0391 672010

wolfram.herrmann@med.ovgu.de

Literatur

1. Beisiegel U. Motivation des Nachwuchses für die medizinische Forschung. Positionen des Wissenschaftsrates. Bundesgesundheitsbl 2009; 52: 850–855

2. Haruna H. Forschen nach Feierabend. DIE ZEIT, 24.05.2012, Nr.22

3. Deutsche Forschungsgemeinschaft. Empfehlungen der Senatskommission für Klinische Forschung. Strukturierung der wissenschaftlichen Ausbildung für Medizinerinnen und Mediziner. April 2010

4. Wissenschaftsrat. Stellungnahme zu den Perspektiven des Faches Allgemeinmedizin an den Hochschulen. Januar 1999; Drs. 3848/98

5. www.kompetenzzentrum-

allgemeinmedizin.de/,

letzter Zugriff am 17.10.2012

6. www.allgemeinmedizin.uni-

jena.de, letzter Zugriff am 17.10.2012

1 Junge Allgemeinmedizin Deutschland (JADE) – Arbeitsgruppe Forschung und Lehre

2 Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Institut für Allgemeinmedizin

3 Universitätsklinikum Schleswig Holstein, Campus Lübeck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie

4 Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung

5 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin

Peer reviewed article eingereicht: 28.11.2012, akzeptiert: 18.01.2013

DOI 10.3238/zfa.2012.0122–0126


(Stand: 18.03.2013)

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