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Hausärzte mit Forderungen nach wissenschaftlich unbelegten Untersuchungen unter Druck gesetzt

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Hausärzte werden nicht selten mit wissenschaftlich unbelegten Forderungen nach merkwürdigen Untersuchungen bedrängt. Hierzu das folgende Beispiel.

Am 7. August 2012 schrieb Dr. Markus Beck (Mitglied der DEGAM und des Vorstands der Bayer. Landesärztekammer) folgende Nachricht in den Listserver Allgemeinmedizin:

„Von operativ tätigen Chirurgen/Orthopäden werden wir aufgefordert, in der präoperativen Routinediagnostik immer CRP mit zu bestimmen. Wörtlich: ,Der CRP-Wert kann uns wertvolle Hinweise auf das Vorliegen einer akuten Entzündungsreaktion im Körper geben – die BSG und auch die Leukozytenzählung sind hier sehr oft (noch) unauffällig. Im Sinne der Sicherheit für unsere gemeinsamen Patienten, bitten wir im Rahmen der präinterventionellen Routineuntersuchung immer den CRP Wert zu bestimmen’. Wie handhaben Sie es? Eine Empfehlung der chirurg./orthopädischen Fachgesellschaften ist mir nicht bekannt. Evidenz?“

Meine Antwort vom selben Tag: „Lieber Herr Beck, für diesen Unsinn gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege. Die neuesten US-amerikanischen Empfehlungen können Sie unter www.icsi.org/search.aspx herunterladen (61 Seiten! Aber sehr instruktiv).“

Markus Beck wandte sich daraufhin an Dr. Wendeborn von der „Orthopädisch Chirurgischen Gemeinschaft Augsburg“, von der die Empfehlung stammte (http://www.ocg-augsburg.de/) und bat um weitere Erläuterung.

Meine daraufhin unternommene Literaturrecherche ergab folgende Ergebnisse:

Alle bisherigen Studien zum Problem der routinemäßigen, präoperativen Bestimmung von CRP

  • weisen z.T. erhebliche methodische Mängel auf (z.B. fehleranfällige, z.T. retrospektive Beobachtungsstudien, nur ein beteiligtes Zentrum, limitierte chirurgische Gebiete),
  • ergeben keinen oder nur einen marginalen Zusatznutzen im Vergleich zu bekannten Risikostratifizierungen (z.B. Framingham Risk Score),
  • haben keine wissenschaftlich belegten Konsequenzen für die betroffenen Patienten (fehlende Strategien zur Risikoreduktion bzw. Senkung der peri-/postoperativen Morbidität bzw. Letalität).
  • Demzufolge plädiert keine der veröffentlichten Leitlinien oder internationalen Empfehlungen für eine präoperative Testung des CRP.

Quintessenz: Die Evidenz der präoperativ routinemäßigen Bestimmung von Biomarkern wie z.B. CRP ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt (und erhöht unnötigerweise die Kosten der präoperativen Diagnostik).

Foto: fotolia/Klaus Eppele


(Stand: 18.03.2013)

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