Loading...

ZFA-Logo

Akuter Durchfall – Epidemiologie, diagnostische und therapeutische Empfehlungen

DOI: 10.3238/zfa.2014.0108-0112

Neue S1-Handlungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

PDF

Katharina Gerlach, Martin Sander

Hintergrund

Akuter Durchfall ist ein häufiger Beratungsanlass in der hausärztlichen Sprechstunde [1, 2]. Durchfall ist ein Symptom, welches eine Dysbalance des gastrointestinalen Systems kennzeichnet. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Primär unterscheidet man infektiöse von nicht-infektiösen Ursachen. Infektiöse Erreger können Bakterien, Viren oder Parasiten sein. In der allgemeinmedizinischen Sprechstunde wird beim Erstkontakt eines Patienten mit dem Symptom Durchfall nicht in jedem Fall sofort ein mikrobiologischer Stuhlabstrich veranlasst. Therapieziel ist primär die Symptomkontrolle mittels symptomatischer, kalkulierter Therapiemethoden. Erst bei unzureichendem Therapieerfolg oder bei Hinweisen für einen schweren Krankheitsverlauf bzw. weiteren behandlungsrelevanten anamnestischen oder klinischen Befunden wird ein mikrobiologischer Stuhlabstrich notwendig. Hierbei sollte die Meldepflicht nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz beachtet werden.

Aus der Jahresstatistik der meldepflichtigen Erkrankungen des Robert Koch-Institutes ist ersichtlich, dass in Deutschland am häufigsten virale Keime nachgewiesen werden. Am häufigsten treten Norovirus-Infektionen auf [3, 4].

Die Gruppe der nicht-infektiösen Ursachen gliedert sich in weitere Untergruppen auf, wobei hier die anamnestischen Angaben des Patienten von äußerster Wichtigkeit sind – unter anderem unerwünschte Arzneimittelwirkungen oder akute/chronische Erkrankungen wie z.B. chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Malignome, Sprue, Immunsuppression.

Beispielhaft soll an dieser Stelle der endemische EHEC-Ausbruch (Enterohämorrhagische Escherichia coli) von 2011 in Deutschland genannt werden [5]. Dem Hausarzt kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Seine Aufgabe ist es, die blanden Verläufe von den schweren zu selektieren und diesen Patienten weitere nicht-invasive oder invasive Diagnostikverfahren und nach Diagnosestellung die entsprechende Therapie zukommen zu lassen.

Fazit

Für einige häufige Beratungsanlässe sind 2013 S1-Handlungsempfehlungen von der DEGAM initiiert worden. Diese hier vorliegende S1-Handlungsempfehlung soll dem behandelnden Arzt ein unterstützendes Element während seiner praktischen Tätigkeit in der allgemeinmedizinischen Sprechstunde sein. Der Flow-Chart ist aus einem Konsensus-Prozess zwischen Autoren und Paten entstanden. Diese Handlungsempfehlung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern fokussiert auf eine grundlegende Vorgehensweise im Umgang mit Patienten mit Durchfall.

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Martin Sander

Marienstraße 2–4

18439 Stralsund

Literatur

1. General practice activity in Australia 2008–09 [database on the Internet]. University of Sydney and the Australian Institute of Health and Welfare. 2009. www.fmrc.org.au/publications/Books3.htm (letzter Zugriff am 15.02.2014)

2. Laux G, Kühlein T, Gutscher A, Szecesenyi J. Versorgungsforschung in der Hausarztpraxis – Ergebnisse aus dem CONTENT-Projekt 2006–2009. München: Springer Medizin, Urban und Vogel GmbH, 2010

3. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Erkrankungen 2012. Berlin: Robert Koch-Institut; 2013. www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahrbuch_2012.pdf =publicationFile

(letzter Zugriff am 15.02.2014)

4. Eiffert H, Nau R. Noroviren – häufigste Ursache der akuten Gastroenteritis. Z Allg Med. 2010; 86: 254–8

5. Beutin L, Martin A. Outbreak of shiga toxin-producing escherichia coli (STEC) O104:H4 infection in Germany causes a paradigm shift with regard to human pathogenicity of STEC strains. J Food Prot. 2012; 75: 408–18

1 Facharzt für Innere Medizin im hausärztlichen Versorgungsbereich, „Ärztegemeinschaft am Strelasund“, Niederlassung, Stralsund

2 Ärztin in Weiterbildung Medizinische Klinik I, Krankenhaus Bautzen, Oberlausitz Kliniken gGmbH

DOI 10.3238/zfa.2014.0108–0112


(Stand: 11.05.2015)

Als Abonnent können Sie die vollständigen Artikel gezielt über das Inhaltsverzeichnis der jeweiligen Ausgabe aufrufen. Jeder Artikel lässt sich dann komplett auf der Webseite anzeigen oder als PDF herunterladen.