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Stärkung hausärztlicher Kompetenzen statt Fragmentierung der Medizin

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Hausärzte sind Generalisten! Bereits in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin liegt der Schwerpunkt darauf, das gesamte Spektrum der Erkrankungen zu kennen und damit umzugehen. Die Patienten müssen dabei stets in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels und einer zunehmenden Zahl von Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen gewinnt der umfassende Behandlungsansatz von Hausärztinnen und Hausärzten immer weiter an Bedeutung.

Zahlreiche Studien und verschiedene Beispiele aus dem europäischen Ausland zeigen, dass ein Gesundheitswesen, in welchem Hausärzte als Koordinatoren im Zentrum der Versorgung stehen, eine bessere und strukturiertere Versorgung der Patienten bedeutet. So können überflüssige Mehrfachuntersuchungen sowie Facharztbesuche vermieden und Krankenhauseinweisungen reduziert werden. Dieses Versorgungssystem entspricht daher dem Wirtschaftlichkeitsgebot bei gleichzeitig sehr hoher Behandlungsqualität. Nur so kann es gelingen, die begrenzten Ressourcen im Gesundheitswesen zielgerichtet, zum Wohle der Patientinnen und Patienten, einzusetzen.

Dennoch ist schon seit langem zu beobachten, dass die Fragmentierung der Medizin immer weiter vorangeschritten ist. Die Tatsache, dass es inzwischen mehr als 80 unterschiedliche Fachgebiete gibt, zeigt deutlich, dass immer noch nicht alle Beteiligten den Mehrwert und die Notwendigkeit einer Bündelung von Kompetenzen in der Hausarztpraxis erkannt haben. Anstatt immer neue medizinische Fachrichtungen zu erfinden, ist es für die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems, insbesondere aber für die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten, der vernünftigere Weg, Hausärztinnen und Hausärzten in ihren Kompetenzen zu vertrauen.

Dass dieses Vertrauen nicht bei allen Funktionsträgern vorhanden ist, zeigt sich beispielsweise in immer neuen Plänen, nach denen Hausärztinnen und Hausärzte verpflichtet werden sollen, ihre in der Weiterbildung erworbenen Kompetenzen im Rahmen neuer Curricula zusätzlich nachzuweisen.

Hausärztinnen und Hausärzte besuchen zahlreiche Fortbildungen. Wie alle anderen Ärzte auch müssen sie innerhalb von fünf Jahren insgesamt 250 Fortbildungspunkte sammeln. Gerade im Rahmen der Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung wird ein besonderer Schwerpunkt auf kontinuierliche und hausarztspezifische Fortbildungen gelegt. Sie bilden den Grundstein dafür, dass Hausärztinnen und Hausärzte immer auf dem aktuellen Stand des medizinischen Fortschritts sind.

Geriatrie in der Weiterbildung

Unverständlich sind hingegen aktuelle Pläne der Kammern und der Selbstverwaltung, nach denen Hausärztinnen und Hausärzte zu einer 60-stündigen Fortbildung „Geriatrische Grundversorgung“ verpflichtet werden sollen – sonst sollen sie zukünftig bestimmte Leistungen nicht mehr abrechnen dürfen. Die Versorgung hochbetagter Patientinnen und Patienten ist seit jeher eine der Kernkompetenzen von Hausärztinnen und Hausärzten! Es erscheint daher unverständlich, warum nunmehr eine zusätzliche Fortbildung von Nöten sein soll. Dieser Fall ist insofern besonders paradox, als dass in der Weiterbildungsordnung zum Facharzt für Allgemeinmedizin die geriatrische Grundversorgung bereits großen Raum einnimmt. Im Rahmen der Weiterbildung beziehen sich viele Schwerpunkte explizit auf die Versorgung hochbetagter Patientinnen und Patienten.

Spezialist für den ganzen Menschen

Wer den Praxisalltag von Tausenden Hausärztinnen und Hausärzten kennt, weiß, dass die Patienten auf die Kompetenzen ihres Hausarztes vertrauen, gerade im Bereich der geriatrischen Grundversorgung. Hausärztinnen und Hausärzte können erwarten, dass auch Ärztekammern und Selbstverwaltung wieder dieses Vertrauen in hausärztliche Kompetenzen haben, anstatt die medizinische Versorgung immer weiter zu zerstückeln. Aus medizinischer Sicht ist es schlichtweg Unsinn, wenn sich immer mehr Spezialisten mit jeder einzelnen Erkrankung gesondert auseinandersetzen. Vielmehr sind die Kompetenzen der Hausärzte als Spezialisten für den ganzen Menschen gefragt.

Pläne, wie die nach einer verpflichtenden Fortbildung zur Geriatrischen Grundversorgung zeigen, dass große Teile der Funktionsträger die Realitäten in den Hausarztpraxen nicht kennen. Dies ist zweifelsohne auch eine Konsequenz aus der Tatsache, dass die Gremien der Selbstverwaltung immer noch fachärztlich dominiert sind. Mehr hausärztliche Kompetenz würde hier vielleicht dazu führen, dass die Realitäten in der täglichen Arbeit von Hausärztinnen und Hausärzten besser bekannt sind.


(Stand: 18.03.2015)

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