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Ärztliche Kommunikation

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Kann man Kommunikation über einen Text lernen? Dies frage ich mich immer wieder. Und ich meine herausgefunden zu haben, dass es – vereinfacht gesprochen – zwei Zugänge dazu gibt.

Man kann in einem Text, also auch in einem Buch, auf ein vom Autor gewähltes Kommunikationskonzept fokussieren und hier das Konzept sowie seine Anwendungen mit Beispielen darstellen. Gewährleistet scheint mir dann, dass der Leser das Konzept (wenn er es akzeptiert) in den Grundzügen zu beherrschen gelernt hat. Er muss es dann nur noch in der Praxis üben. Dabei aber, das ist meine Kritik daran, hat man ein „stures Vorgehen“ gelernt. Es kann jedoch ein Anfang sein, von dem man sich in seiner Gesprächsführung weiterentwickelt und das gelernte Konzept als Rezept wird – hoffentlich – in den Hintergrund treten.

Dieser Zugang ist der eines Rezeptbuches – er erscheint besonders zu Beginn der ärztlichen Tätigkeit oder schon in der Ausbildung aufgrund seiner Einfachheit hilfreich. Allerdings birgt es auch Gefahren der Routine, die dann echte Nähe und Empathie behindern können.

Der andere Zugang zur Vermittlung von Kommunikation wird von Pamela Emmerling gewählt. Sie stellt alle wesentlichen Konzepte von Kommunikation generell und von Gesprächsführung im Arzt-Patienten-Kontakt sowie im Versorgungsteam (Praxis oder Klinik) nebeneinander dar. Zudem vermittelt sie noch die Grundzüge von Salutogenese-Konzept, Partizipativer Entscheidungsfindung, von Narrativer Medizin, Teamarbeit sowie von Selbstbeoachtung und Empathie.

Das Buch ist gut geschrieben und die Autorin macht durch sehr treffende Beispiele – viele aus der Praxis – auch komplexere Konzepte gut verständlich. Das Problem ist jedoch, dass man aufgrund der Fülle des Dargestellten kaum etwas für den Alltag Handhabbares lernt. Vielmehr hat man aufgrund der unterschiedlichen Informationen, Konzepte und praktischen Zugänge einen allgemeinen Eindruck von dem bekommen, was bei Kommunikation alles bedeutsam ist.

Aber dies erscheint mir sehr wichtig, weil man damit das ganze Feld von Schwierigkeiten und Chancen zur Gesprächsführung einmal vorgeführt bekommt und nun damit arbeiten kann: Entweder man führt seine Gespräche nun reflektiver und (hoffentlich) längerfristig besser. Oder man sucht sich diesen oder jenen vorgestellten Gesprächsansatz aus und erprobt ihn – wohl wissend, dass es nur einer von vielen möglichen und sicherlich auch individuell unterschiedlich anzuwendenden Zugängen ist.

So könnte man dann – ohne primär einem „Rezeptbuch“ zu folgen – wahrscheinlich (noch) besser im Austausch mit dem Patienten und dem Arbeitsteam werden. Denn – anders als beim Rezeptbuch-Zugang – hat man mit diesem Hintergrund die Vielfältigkeit von Kommunikation im weitesten Sinne vermittelt bekommen und ist vielleicht reifer geworden, die Vielfältigkeit der Menschen wahrzunehmen und mit ihnen zu kommunizieren.

Pamela Emmerling

Ärztliche Kommunikation

Als Erstes heile mit dem Wort …

Schattauer, Stuttgart 2015

263 Seiten, kart.

ISBN 978–3794529742

Preis: 29,99 Euro

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Heinz-Harald Abholz

Inst. für Allgemeinmedizin (Emeritus)

Heinrich-Heine-Universität

Moorenstraße 5

40225 Düsseldorf

abholz@med.uni-duesseldorf.de


(Stand: 18.03.2015)

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