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Waltraut Kruse zum Geburtstag

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Vor wenigen Tagen konnte Waltraut Kruse in Aachen-Walheim ihren 90. Geburtstag begehen. Sie hat wie nur Wenige Geschichte und Gesicht der akademischen Allgemeinmedizin in Deutschland mitgestaltet und geprägt.

Waltraut Kruses Lebenswerk zeichnet sich durch eine beeindruckende Vielseitigkeit aus – hier die Beschränkung auf das Wichtigste:

  • Sie ist eine bis heute tätige Hausärztin und Psychotherapeutin mit einer anhaltenden Freude am Kontakt zu ihren Patienten.
  • Sie ist eine Wegbereiterin für die Familienmedizin und die Prävention im Kindes- und Jugendalter gewesen.
  • Sie war immer eine sehr authentische Hochschullehrerin, die seit 1976 Generationen von Studierenden die Freude an ihrem künftigen Beruf vermittelt und gelehrt hat.
  • Sie war engagierte Initiatorin und Leiterin zahlloser Kongresse; z.B. des seit 1976 jährlich in Aachen stattfindenden und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten Westdeutschen Psychotherapieseminars.
  • Darüber hinaus war sie eine hoch angesehene Lokalpolitikerin, die 1979 als erste Frau zur beigeordneten Bürgermeisterin der Stadt Aachen gewählt wurde und von 1975 bis 1994 dem Rat der Stadt Aachen angehörte
  • Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie stets ein offenes Ohr für die Anliegen Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat und deren beruflichen Erfolg unterstützt.
  • Sie ist eine hochbegabte Pianistin (mit einer späten Leidenschaft für das Cello).
  • Und eine charmante Gastgeberin und Gesprächspartnerin mit einem spürbar ehrlichen Interesse gegenüber Allen, die ihr begegnen.

Schon Anfang der 1970er Jahre kam Waltraut Kruse über Siegfried Häussler (er hatte 1966 als deutschlandweit Erster einen Lehrauftrag für Allgemeinmedizin in Freiburg erhalten) in Kontakt mit den Protagonisten der 1966 gegründeten DEGAM und konnte sich in diesem „Herrenzirkel“ schnell behaupten. Dies nicht zuletzt durch Ihre Publikationen im Deutschen Ärzteblatt, in dessen wissenschaftlicher Redaktion sie später viele Jahre tätig war. Auch außerhalb der Allgemeinmedizin machte sich Waltraut Kruse schnell einen Namen. Hans Erhard Bock (1903–2004), der Grandseigneur der Inneren Medizin, lud sie nach einem ihrer Vorträge zu den Therapiewochen nach Karlsruhe ein, Gotthard Schettler nach Heidelberg. Und umgekehrt folgten später alle ihren Einladungen zu den Westdeutschen Psychotherapieseminaren, dem Deutschen Kongress für Ärztliche Fortbildung in Berlin oder den „Dekansymposien“ der Vereinigung der Hochschullehrer und Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin (VHLA; jetzt GHA) in Berlin und später in München. Die Medizinische Fakultät der RWTH Aachen betraute Waltraut Kruse von 1976 bis 2006 mit der Leitung des Lehrgebietes Allgemeinmedizin und ernannte sie 1983 zur Honorarprofessorin.

Schon früh setzte sie sich in der DEGAM, deren Präsidiumsmitglied sie viele Jahre war, für die Anerkennung der Allgemeinmedizin an den Universitäten ein. Die Gleichstellung mit den anderen klinischen Fächern in Lehre und Ausbildung war ihr beharrlich geäußertes Credo.

Nach dem Tode Häußlers hat Waltraud Kruse von 1989 bis 2005 die Vereinigung der Hochschullehrer und Lehrbeauftragten für Allgemeinmedizin geleitet – mit einer einzigartigen Kombination aus Charme und Bestimmtheit und stets aufgeschlossen für „neue Gesichter“ und aktuelle Entwicklungen.

Bei all diesen Erfolgen konnten Ämter und Ehren nicht ausbleiben. Waltraut Kruse ist u.a. Mitglied in der Max-Planck-Gesellschaft, Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für ärztliche Hypnose und Autogenes Training, Ehrenpräsidentin der Arbeitsgemeinschaft Frauen in der Euregio und Ehrenvorsitzende der Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin – GHA (vormals VHLA).

Waltraut Kruse wurde 1995 mit dem Goldenen Ehrenring der Stadt Aachen ausgezeichnet und 2002 zur Ehrenbürgerin der RWTH Aachen ernannt. Sie erhielt das Bundesverdienstkreuz, die Ernst-von-Bergmann-Plakette und die Hippokrates-Medaille; auf die Fortsetzung darf man gespannt sein!

Über all diesen Aufgaben und Ämtern hat sie nie die Kontakte zu Freunden und Kollegen vernachlässigt und immer ihre musischen Interessen gepflegt. Sie hat vier beruflich sehr erfolgreiche Söhne und sieben Enkel, von denen einer vor wenigen Tagen zu ihrer Freude als Arzt in Weiterbildung in die hausärztliche Praxis in Aachen-Walheim eingetreten ist.

Obwohl Waltraut Kruse auf fast ein ganzes Jahrhundert zurückblicken kann, nimmt sie in persönlichen Gesprächen, in Telefonaten und Briefen nicht nur am Schicksal von Mitarbeitern und Freunden teil, sondern auch am aktuellen Zeitgeschehen.

Wir danken ihr und wünschen weiterhin viel Glück, Freude und Lebensmut!

Wilhelm Niebling für die ZFA, Ferdinand M. Gerlach für die DEGAM, Andreas Graf von Luckner für die GHA

Abbildungen:

Professor Dr. Waltraut Kruse in ihrem Fiat Topolino im Jahr 1961

Professor Dr. Waltraut Kruse (2. von re.) mit dem Team ihrer Praxis


(Stand: 18.03.2015)

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