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Sönnichsen A. Asymptomatische Hyperurikämie: Gibt es einen Grenzwert, ab dem doch behandelt werden soll? Z Allg Med 2015; 91: 486–488

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Leserbrief von Dr. Martin Werner Schneider

Den Ausführungen von Prof. Sönnichsen bezüglich der Therapie einer rein laborwertorientierten Hyperurikämie ist unter anderem unter Berücksichtigung der genannten, insbesondere fehlenden aktuellen (!), Studienergebnisse zu dieser Thematik und ihrem offensichtlich unklaren Krankheitswert nahezu uneingeschränkt zuzustimmen.

Neben Leitlinien hat insbesondere im Fachgebiet der Allgemeinmedizin auch der „Erfahrungswert“ der behandelnden Hausärzte eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Unter Berücksichtigung dieses Aspektes würde ich nach erfolgter Chemotherapie mit möglichem oder laborchemisch verifizierbarem Zellzerfall (Tumorlysesyndrom) neben einer ausreichenden Bewässerung des Patienten zur Nierendurchspülung und -perfusion zur Abwendung möglicher zusätzlicher Gefährdungen/Schädigungen des Patienten eine medikamentöse Senkung des Harnsäurespiegels mittels des nierenschonenderen Präparates Febuxostat (Handelsname: Adenuric) im Vergleich zur Gabe von Allopurinol durchführen.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Martin Werner Schneider

Facharzt für Innere u. Allgemeinmedizin

Facharzt für Allgemeinmedizin

Akademische Lehrpraxis
Universitätsmedizin Göttingen (UMG)

Fachbereich Allgemeinmedizin

Paderborner Straße 35b

33161 Hövelhof

Tel.: 05257 938000

sennemedizinhoevelhof@gmx.de

Antwort von Prof. Dr. Andreas Sönnichsen

Sehr geehrter Herr Kollege Schneider, wie Sie selbst zum Ausdruck bringen hat „neben Leitlinien insbesondere im Fachgebiet der Allgemeinmedizin auch der ,Erfahrungswert’ der behandelnden Hausärzte eine nicht zu unterschätzende Bedeutung“. Sie sprechen hier ein generelles Problem der Realisierung evidenzbasierter Medizin im hausärztlichen Alltag an. Dort wo es eindeutige Studienevidenz gibt, fällt es schwer, mit dem „Erfahrungswert“ eine nicht evidenzbasierte, eventuell auch für den Patienten schädliche medizinische Maßnahme (sei es Diagnostik, Therapie oder Prävention) zu begründen oder zu unterlassen. Wenn keine Studien vorliegen, ist die Sache schon schwieriger.

Wenn wir in der Hausarztpraxis nur noch das machen dürften, was durch Studien abgesichert ist, könnten wir vielen Patienten nicht mehr gerecht werden. Viele unserer alltäglichen Probleme und Fragestellungen wurden einfach noch nicht hinreichend untersucht. Dann entscheiden wir eben nach unserer „Erfahrung“ – es zählt die eigene „Expertenmeinung“, zwar die niedrigste, aber doch eben auch eine Stufe von Evidenz.

Für die Behandlung der durch Tumorzerfall bedingten Hyperurikämie mit Febuxostat gibt es keine belastbare begründende Studienevidenz. Dafür, dass es besser sein könnte als Allopurinol, gibt es ebenfalls keine belastbare Studienevidenz, sondern nur theoretische Überlegungen. Nachdem es sich nicht um eine Dauertherapie handelt, ist der mögliche Schaden durch diese nicht evidenzbasierte Behandlung wahrscheinlich gering. Wissen tun wir auch das nicht. Wie so oft treffen wir unsere Entscheidung individuell nach bestem Wissen und Gewissen.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Andreas Sönnichsen

Facharzt für Innere Medizin,
Facharzt für Allgemeinmedizin

Institut für Allgemeinmedizin und
Familienmedizin

Universität Witten/Herdecke

Alfred-Herrhausen-Straße 50

58448 Witten

andreas.soennichsen@uni-wh.de


(Stand: 16.03.2016)

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