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Kochen M. Diabetiker mit eingeschränkter Nierenfunktion: Keine Angst vor Metformin. Z Allg Med 2016; 92: 6

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Leserbrief von Dr. Joachim Seffrin

Die Überschrift impliziert, dass Metformin möglicherweise doch keine Probleme aufwerfe. Diesem Eindruck möchte ich widersprechen. Die erfolgte Erweiterung der Indikation von Metformin bis herunter zu einer Nierenfunktion von 45 ml/min beinhaltet gleichzeitig die Empfehlung, die Gesamttagesdosis auf maximal 1000 mg/d zu begrenzen und lässt eine Verwendung bei einer schlechteren Nierenfunktion nicht zu. Die Tabelle im vorliegenden Artikel erwähnt, dass bei einer Nierenfunktion von 30–45 ml/min noch 1000 mg zulässig seien. Dies könnte die Leser der ZFA dazu verführen, auch bei einer schlechteren Nierenfunktion als 45 ml/min noch Metformin zu geben. Davor ist wegen der eingeschränkten Zulassung in Deutschland ausdrücklich zu warnen.

Der Arzneimittelbrief [1] berichtete in seiner Septemberausgabe 2015 über eine Studie aus Taiwan, in der gezeigt wurde, dass Menschen unter Behandlung mit Metformin und insbesondere bei verminderter Nierenfunktion ein erhöhtes Sterberisiko haben. Nach meiner Meinung sollten wir diese Hinweise ernst nehmen und die Nierenfunktion der Patienten, die wir mit Metformin behandeln, konsequent überwachen. Insbesondere sollte den Kolleginnen und Kollegen nahegelegt werden, ihre Patienten über die besonderen Gefahren einer Behandlung unter Metformin zu instruieren und aufzuklären, wann eine Behandlungspause mit Metformin ratsam ist: zum Beispiel bei interkurrenten fieberhaften Infekten, Exsikkose (besonders häufig im Rahmen von Diarrhoe, Erbrechen), Kontrastmittelgabe, Operationen, Beginn einer Diuretika-, Antihyperintensiva- oder NSAR-Therapie. Im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit [2] vom Paul-Ehrlich-Institut wurde ausgeführt, dass der große Teil der Laktatazidosen im Zusammenhang mit einer Gastroenteritis und damit einem Flüssigkeitsverlust stand („Bei einer Analyse von 66 Metformin-assoziierten Laktatazidosefällen ging in 77 Prozent der Fälle der Laktatazidose eine Gastroenteritis voraus“). Auch wenn die absoluten Zahlen von Laktatazidose gering sein mögen, kann es kaum schaden, diesen Tatsachen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Letztlich sollten wir immer gewahr sein, dass jede Pharmakotherapie mit mehr oder weniger großen Risiken behaftet ist.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Joachim Seffrin

Facharzt für Allgemeinmedizin

Georgenstraße 13

64331 Weiterstadt

info@dr-seffrin.de

Literatur

1. Der Arzneimittelbrief AMB 2015; 49, 70

2. Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 2/2015. www.pei.de/DE/arzneimittelsicherheit-vigilanz/pharmakovigilanz/bulletin-zur-arzneimittelsicherheit/bulletin-arzneimittelsicherheit-node.html. (letzter Zugriff am 17.02.2016)

Antwort von Prof. Dr. Michael M. Kochen

Vielen Dank für diese Zuschrift, die nochmals auf die bereits im betreffenden DEGAM-Benefit geschilderten Zusammenhänge zwischen Nierenfunktion und Metforminbehandlung eingeht.

Joachim Seffrin schreibt: „Die Überschrift impliziert, dass Metformin möglicherweise doch keine Probleme aufwerfe. Diesem Eindruck möchte ich widersprechen“.

Es handelt sich also um einen (notwendigerweise subjektiven) Eindruck, der sich auf die Überschrift bezieht. Im Text steht allerdings nichts anderes, als das, was die Zuschrift ausführt. Auch die Tabelle, auf die sich der Brief bezieht, warnt vor einem sorglosen Umgang mit dem Medikament bei stark eingeschränkter Nierenfunktion.

Ich vermute, dass die Leser/innen der ZFA Handlungswege für die hausärztliche Praxis nicht nur aus Überschriften herleiten, sondern auch den nachfolgenden Text oder sogar die referierte Originalarbeit lesen, auf die das Benefit Bezug nimmt.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Michael M. Kochen, MPH, FRCGP

Abt. Allgemeinmedizin (Emeritus)

Universitätsmedizin Göttingen

Lehrbereich Allgemeinmedizin

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Ludwigstraße 37

79104 Freiburg

mkochen@gwdg.de


(Stand: 16.03.2016)

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