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Medizinische Fakultätsausgründungen westlicher Industriestaaten: Menschenrechte mit Füßen getreten

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Michael Kochen

Mit der Etablierung von medizinischen Curricula im Ausland durch medizinische Fakultäten westlicher Industriestaaten wird eine Menge Geld verdient. Solche Einrichtungen gibt es auch hierzulande, z.B. den Asklepios Campus Hamburg als Teil der Medizinischen Fakultät der Semmelweis Universität in Budapest. Dort kostet ein Semester 7800 Euro.

Was geschieht, wenn Fakultätsausgründungen in einem Land stattfinden, das die Menschenrechte mit Füßen tritt? Ein „schönes“ Beispiel ist die Irish Medical School im Golfstaat Bahrain, gegründet 2004 und unterhalten vom Royal College of Surgeons in Ireland.

Geht man auf die Internetseiten der Fakultät in Bahrain, ahnt man nichts Böses und bekommt den Eindruck, dass sich alles nur um gute Lehre und Forschung dreht. Selbst der englische Botschafter im Lande, Simon Martin (Mitglied des Distinguished Order of Saint Michael and Saint George und vormals Privatsekretär der königlichen Hoheiten, des Prince of Wales und der Duchess of Cornwall ...) stattete im April der Schule anlässlich des 200. Jahrestags der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern einen Besuch ab, um, wie es heißt, „die aktuellen Aktivitäten der Universität zu erörtern“.

Verhaftung und Folter von Ärzten, die verletzte Demonstranten medizinisch versorgen, ist nur eines von vielen Beispielen von gravierenden Menschenrechtsverletzungen in Bahrain. Der Salmaniya Medical Complex, ein akademisches Lehrkrankenhaus der Fakultät, wird in Berichten von Human Rights Watch, Ärzte ohne Grenzen und Physicians for Human Rights explizit als einer der Orte bezeichnet, an denen Ärzte und Patienten misshandelt wurden.

Eine irische Nichtregierungsorganisation (Global Legal Action Network) hat nun eine Eingabe an das United Nations Human Rights Council (UNHRC) gemacht, in der sie dem irischen Staat einen Bruch des internationalen, aber auch des nationalen Rechts vorwirft. Letzteres sieht vor, dass irische medizinische Einrichtungen den demokratischen Standards des eigenen Landes entsprechen müssen. Wird dagegen verstoßen, kann der Wissenschaftsminister des Landes der Einrichtung die Lizenz entziehen.

Das Royal College of Surgeons in Ireland gibt sich unschuldig und nichtwissend. Wörtlich heißt es in einer Stellungnahme:

“We support the unequivocal right of doctors to practice as enshrined in the Geneva Convention. Doctors have a responsibility to treat all patients, irrespective of their background … We are entirely satisfied that human rights abuses are not taking place in any of the teaching hospitals in which our students do their clinical training. Anything less would not be tolerated by RCSI. Any reports of human rights abuses would invoke immediate action on our part. At no time has any such report been provided by any of our students.”

Der letzte Satz ist besonders zynisch, da die meisten Studenten der herrschenden Schicht angehören und einen Teufel tun werden, kritische Berichte an die Universitätsleitung zu richten.

Das College hat nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Pfund in seine medizinischen Einrichtungen in Bahrain investiert – das wegen ein bisschen Folter und einiger unvermeidlicher Todesfälle aufs Spiel zu setzen, wäre ja in der Tat ein unverantwortlicher Umgang mit wertvollen Ressourcen ...


(Stand: 14.03.2018)

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