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Einsamkeit korreliert mit Medikamentenkonsum

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Zusammenfassung:

Menschen, die unter Einsamkeit leiden, suchen nach Erleichterung – eine Möglichkeit ist dabei der Griff zu einer Tablette. In der vorliegenden Studie wurde untersucht, ob es eine Korrelation zwischen dem Grad der Einsamkeit und dem Ausmass des Medikamentenkonsums gibt. Die Daten wurden den Forschenden von einer der Universität Chicago angegliederten Organisation zur Verfügung gestellt, die umfangreiche Erhebungen durchführt. So sind im Rahmen des „National Social Life, Health and Aging Project (NSHAP)“ in den Zeitperioden 2005, 2010 und 2015 repräsentative Daten zu den Lebensumständen der über 65-jährigen Menschen in den USA gesammelt worden. Im Zusammenhang mit der Fragestellung der vorliegenden Studie interessierte der Schweregrad der Einsamkeit, aufgefächert in die drei Stufen „keine Einsamkeit“, „leichte Einsamkeit“ und „schwere Einsamkeit“. Dabei kam die „UCLA Loneliness Scale“ mit 30 standardisierten Fragen zur Anwendung. Bei den Medikamenten konzentrierten sich die Forschenden auf fünf Gruppen von Substanzen. Es sind Substanzen, die nur beschränkt helfen können und ein problematisches Nebenwirkungsprofil haben: Nicht-steroidale Entzündungshemmer, Antidepressiva, Anxiolytika, Benzodiazepine und Opioide. Die Einnahme von Blutdruckmitteln, Statinen und Acetylsalicylsäure wurde erfasst, jedoch nicht speziell ausgewertet. Es konnten 6017 Personen eingeschlossen werden. Ihr mittleres Alter betrug 73 Jahre; Frauen waren ganz leicht in der Überzahl. Bei 396 Personen (7 %) erreichte die Einsamkeit die Stufe drei und musste als „schwer“ eingestuft werden. Bei den Anxiolytika zeigte sich folgendes Bild: Keine Einsamkeit: 9 %, leichte Einsamkeit 12 %, schwere Einsamkeit 20 %. Bei den Schmerzmitteln, Antidepressiva und Benzodiazepinen waren die Zahlen ganz ähnlich. Insgesamt war Einsamkeit mit einem höheren Schmerzmittelkonsum verbunden und mit einer mehr als verdoppelten Häufigkeit der Einnahme von Antidepressiva, Schlafmitteln und Benzodiazepinen. Das Phänomen konnte auch für die Polypharmazie, definiert als fünf oder mehr Tabletten pro Tag, nachgewiesen werden. Obwohl es bei dieser Studie um Medikamente ging, weisen die Resultate über die Medizin hinaus; es geht bei dieser Problematik um gesellschaftliche Fragen und um existentielle Fragen des Menschseins.

Kommentar:

Was mich bei dieser Studie irritiert, ist die Verwendung von „unscharfen“ Begriffen: Es ist unklar, wie denn die Begriffe „Anxiolytika“, „Sedativa“ „Schlafmittel“ und „Benzodiazepine“ gegeneinander abgegrenzt sind. Grundsätzlich wäre ja durchaus denkbar, dass es sich in der grossen Mehrzahl der Fälle ganz einfach um Benzodiazepine gehandelt hat. Vielleicht waren die Daten zu wenig genau? Schade – grundsätzlich handelt es sich sicher um eine wichtige Erkenntnis.


(Stand: 08.03.2022)

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