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Hausärztliche Fortbildung Hamburg (HFH) - neues interdisziplinäres Fortbildungscurriculum für Hausärzte

DOI: 10.1055/s-2006-933380

Hausärztliche Fortbildung Hamburg (HFH) - neues interdisziplinäres Fortbildungscurriculum für Hausärzte

Hausärztliche Fortbildung Hamburg (HFH) – neues interdisziplinäres Fortbildungscurriculum für Hausärzte1 “Hausärztliche Fortbildung Hamburg (HFH)” – A New Interdisciplinary CME-Curriculum for GPs Der besondere Artikel 182 C. Küver S. Dunkelberg M. Klemperer D. W. Niemann C. Leffmann M. Ippen V. Lambert H. van den Bussche Zusammenfassung Es wird die Hausärztliche Fortbildung Hamburg (HFH) vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation der universitären und wissenschaftlichen Allgemeinmedizin (Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und DEGAM), mit den politischen Berufsverbänden der Hausärzte (Hausärzteverband Hamburg und Verein hausärztlicher Internisten Hamburg) sowie der ärztlichen Standesorganisation (Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg). Ziel ist es, den Hamburger Hausärzten ein unabhängiges und evidenzbasiertes, aufeinander abgestimmtes, für alle erreichbares und bezahlbares Fortbildungsprogramm über 5 Jahre anzubieten. Die Veranstaltungen werden von Hausärzten (mit)organisiert, so dass sichergestellt ist, dass die inhaltlichen Schwerpunkte auf die hausärztliche Arbeitsweise zugeschnitten sind. Des Weiteren kommen verschiedene didaktische Methoden zur Anwendung, die dem hausärztlichen Bedarf nach Interaktivität und Anwendungsorientierung Rechnung tragen. Schlüsselwörter Fortbildung · Allgemeinmedizin · Curriculum Abstract We present “Hausärztliche Fortbildung Hamburg (HFH)”, a CMEprogram for general practitioners in Hamburg. This program is developed by academic general practice (Department of Primary Medical Care, University Medical Center Hamburg-Eppendorf and the German Society for General Practice and Family Medicine (DEGAM)) together with the professional associations of primary care physicians (“Hausärzteverband Hamburg” and “Verein hausärztlicher Internisten Hamburg”) and the training center of the Chart of Physicians of Hamburg (Fortbildungsakademie der Ärztekammer). HFH provides an independent, evidence-based, harmonized, accessible and affordable CME-program for general practitioners. General practitioners participated in the planning and conducting of the CME-sessions to guarantee that the key aspects are custom-tailored. Several didactical methods to meet the needs of GPs like focussing on practical aspects and interactivity are used. Key words Continuing medical education · general practice · curriculum In der Januarausgabe der ZFA beschrieb Stefan Sachtleben seine Vision regionaler, von akademisch motivierten Kollegen organisierter Hausarztakademien, die nach seiner Vorstellung „in einem 3–5-jährigen Turnus möglichst viele wesentliche allgemeinmedizinische Themen anbieten“ sollen. Hier könnte, so der Autor, die DEGAM als unabhängige und kompetente Institution ein neues Tätigkeitsfeld erschließen [1]. Auch der „Fortbildungsexperte“ Norbert Donner-Banzhoff plädiert dafür, diese Idee weiterzuverfolgen [2]. Institutsangaben Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf Anmerkung 1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde jeweils nur die männliche Form gewählt. Selbstverständlich sind auch alle Frauen angesprochen. Korrespondenzadresse Dr. med. Claudia Küver · Institut für Allgemeinmedizin · Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf · Martinistr. 52 · 20246 Hamburg · E-mail: c.kuever@uke.uni-hamburg.de Bibliografie Z Allg Med 2006; 82: 182–184 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York DOI 10.1055/s-2006-933380 ISSN 0014-336251 Was in beiden Beiträgen unerwähnt bleibt, ist dass der Landesverband der wissenschaftlichen Gesellschaft in Sachsen (SGAM) sich schon länger in ähnlicher Weise wie von Sachtleben angedacht, in der Fortbildung engagiert. (Informationen unter: www.sgam.de, unter Arbeitsgebiete: Fortbildung) Wir berichten von einer entsprechenden Hamburger Initiative, der Hausärztlichen Fortbildung Hamburg (HFH), die seit Mitte 2005 regelmäßig Fortbildungen anbietet. Tab. 1 Auszug aus dem Kooperationsvertrag der HFH zum Sponsoring (§ 6) 1. Sponsoring, das zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung zum Wohle der Patienten und/oder der ärztlichen Tätigkeit führt, ist im Rahmen der HFH in Form von Geld- oder Sachzuwendungen ausdrücklich erlaubt. Sachzuwendungen sind mit ihrem Geldwert zu verbuchen. 2. Das Verhältnis der Einnahmen aus Teilnehmerbeiträgen zu den Sponsorengeldern soll stets zugunsten der Teilnehmerbeiträge ausfallen, um nach außen Unabhängigkeit zu signalisieren. Der Höchstbetrag finanzieller Unterstützung pro Jahr und Sponsor wird auf 3 000 e begrenzt. Die Beträge fließen in einen veranstaltungsunabhängigen Fonds und sind getrennt auszuweisen und in den Wirtschaftsplan aufzunehmen. 3. Sponsoren dürfen keinen Einfluss auf Themenwahl oder Lernziele nehmen, Produktwerbung ist nicht erlaubt. 4. Mit Sponsoren werden entsprechende schriftliche Vereinbarungen getroffen. Die Sponsoren werden gemeinsam namentlich an prominenter Stelle genannt. 5. Verstöße gegen diese Kooperationsvereinbarung und/oder schriftliche Vereinbarungen sind dem Kuratorium unverzüglich mitzuteilen. Organisationsstruktur Die HFH ist eine gemeinsame Initiative folgender Kooperationspartner – Hausärzteverband Hamburg (HÄV, BDA), – Verein hausärztlicher Internisten Hamburg (VHIH), – Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, – Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) Sektion Weiter- und Fortbildung und – Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg (FBA) mit dem Ziel, kontinuierlich strukturierte hausärztliche Fortbildung anzubieten und weiter zu entwickeln. Die Partner haben eine formale Kooperationsvereinbarung geschlossen. Dort heißt es unter anderem zu den Zielen: „HFH ist eine curriculäre Fortbildungsreihe, die in Zyklen alle hausärztlich relevanten Aspekte in strukturierter Form aufgreift. Neben Zusammenfassungen entsprechenden Grundlagenwissens sollen vor allem Neuerungen und aktuelle Entwicklungen dargestellt und in sog. „Updates“ vermittelt werden. Die HFH bedient sich dabei moderner didaktischer Verfahren und evaluiert einzelne Veranstaltungen sowie das Gesamtprogramm.“ Zur Gesamtleitung und -aufsicht der HFH wurde ein ehrenamtlich arbeitendes Kuratorium gebildet, das mindestens zweimal jährlich zusammenkommt. Ihm gehören jeweils zwei Vertreter aller Kooperationspartner an. Die inhaltliche und didaktische Gestaltung und Koordinierung obliegt dem Institut für Allgemeinmedizin. Durch die Abstimmung im Kuratorium wird dafür Sorge getragen, dass der Fortbildungsbedarf, den die einzelnen Kooperationspartner sehen, im Programm berücksichtigt wird. Die wirtschaftliche Geschäftsführung stellt derzeit die Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg, wodurch vorhandene Strukturen genutzt werden. Der besondere Artikel litätssicherung der Fortbildung eingesetzt. Bisher hat sich noch keine Pharmafirma für ein Engagement entschieden. Inhalte Die Auswahl der Fortbildungsthemen wird durch das Institut für Allgemeinmedizin vorbereitet, das im ersten Jahr im Rahmen von 5 Fokusgruppendiskussionen eine Erhebung zum Fortbildungsbedarf der Hamburger Hausärzte durchgeführt hat. Dabei wurde das im Institut für hausärztliche Fortbildung (IHF) entwickelte Modell der strukturierten hausärztlichen Fortbildung genutzt [3]. Die Erhebung und Auswertung der Daten sind abgeschlossen und die Publikation der Ergebnisse ist in Vorbereitung. Darüber hinaus werden im Rahmen der kontinuierlichen Evaluation der einzelnen Fortbildungsveranstaltungen Themenwünsche von den teilnehmenden Hausärzten erfragt. Das Institut für Allgemeinmedizin schlägt auf dieser Grundlage sowie unter Berücksichtigung von aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen und Vorschlägen der Kooperationspartner jeweils ein Halbjahresprogramm vor. Dieses wird im Kuratorium diskutiert, abgestimmt und beschlossen. Es wird angestrebt, innerhalb von fünf Jahren ein umfassendes Fortbildungsangebot für die hausärztliche Versorgung ohne vermeidbare Wiederholungen aufzustellen. Tab. 2 gibt einen Überblick über die Themen der ersten beiden Jahre. Angesichts des Fehlens einer verbindlichen Definition hausärztlicher Kernkompentenzen erscheint dieses schrittweise Vorgehen einer kontinuierlichen Bedarfsermittlung mit Reflektionsschleifen angemessener als ein vorab festgelegter inhaltlicher Fünf-Jahresplan. 183 Finanzierung und Sponsoring Die Finanzierung erfolgt primär über die Teilnahmegebühren. Diese betragen für eine Einzelveranstaltung (4 Fortbildungspunkte) derzeit 30 e, im Abonnement und für Mitglieder der beteiligten Verbände gilt eine ermäßigte Gebühr. Sponsoring als zweites Standbein ist grundsätzlich möglich, aber an Bedingungen geknüpft (vgl. Tab. 1). Durch Limitierung der Beträge und Einzahlung in einen Pool wird die Unabhängigkeit von Partikularinteressen gewahrt. Sponsoring-Einnahmen werden für eine Senkung der Teilnahmegebühren und für Maßnahmen zur Qua- Didaktische Umsetzung Es werden in der ersten Phase primär Veranstaltungen mit 80–140 Teilnehmern zentral in Räumen des Ärztehauses Ham- Küver C et al. Hausärztliche Fortbildung Hamburg … Z Allg Med 2006; 82: 182 – 184 Tab. 2 Themen 2005 und 2006 Geriatrie in der Hausarztpraxis Update – COPD in der Hausarztpraxis Schlaganfallpatienten in der Hausarztpraxis Update – KHK in der Hausarztpraxis Update – Rationale Antibiotikatherapie in der Hausarztpraxis EbM im Hausarztbereich – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen Update – Schilddrüsenerkrankungen in der Hausarztpraxis Wundversorgung: Neues und alt bewährtes bei chronischen Wunden Die häufigsten Hautbefunde in der Hausarztpraxis Tab. 3 Didaktische Prinzipien der HFH Großveranstaltung Zuschnitt auf die Zielgruppe (kontinuierliche Bedarfsermittlung, aktive Einbindung in die Vorbereitung der Veranstaltung, Bestimmung der Inhalte aus hausarztpraxisorientierter Sicht) interaktive Elemente (Fallbeispiele, Murmelgruppen, kleine Aufgaben, Umfragen, viele Raum für Fragen und Diskussion) Anwendungsorientierung (Handout für die Praxis, geplant: reflexive Phasen zur konkreten Überlegung: Wie kann ich das neu Gelernte in meine tägliche Arbeit integrieren?) Referenten: fast immer sektorenübergreifend (immer Hausarzt, teilweise niedergelassener Gebietsarzt, fast immer stationär tätiger Gebietsarzt, je nach Themengebiet auch andere Berufsgruppen (Physiotherapie, Pflegekraft, Gesundheitsamt, Ernährungsberater, Psychologe, Physiker), Moderation durch eine Mitarbeiterin oder den Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin gemeinsames Vorbereitungstreffen aller Beteiligten: Festlegung der Lernziele unter Berücksichtigung der hausärztlichen und der gebietsärztlichen Perspektive (auch die Vermeidung häufiger Fehler kann ein Lernziel sein), gemeinsame Festlegung des Ablaufplans und der Inhalte fürs Handout, Einstimmung der Referenten auf ihre Rolle als Impulsgeber und Interaktionspartner in einer gleichberechtigten Lerngruppe) kritische Überprüfung der Vortragsfolien hinsichtlich formaler Kriterien im Vorfeld (Schriftgröße, Lesbarkeit, Anzahl der Folien bei definierter Vortragszeit) 184 Der besondere Artikel Update – Rheumatologie in der Hausarztpraxis ADHS bei Kindern und Erwachsenen Rechtsfragen in der Hausarztpraxis Hausärztliche Versorgung von adipösen Patienten burg durchgeführt. Großveranstaltungen sind in moderner Fortbildung ja eher verpönt. Dass wir uns dennoch dieses Instruments bedienen, hat neben pragmatischen Gründen (Preis, Aufwand und Wirkungsgrad) auch mit der Überzeugung zu tun, dass diese – wenn gut gemacht – besser sein können als ihr Ruf. Das Institut für Allgemeinmedizin hatte im Vorfeld bereits gute Erfahrungen mit interaktiv gestalteten Fortbildungsabenden für ca. 80 Hausärzte gesammelt, so dass dieses Format weiterentwickelt wurde. Die wichtigsten Merkmale dieses Formats werden in Tab. 3 dargestellt. Zukünftig erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, im Vorfeld ihre konkreten Fragen zu dem jeweiligen Themengebiet an die Experten zu richten, so dass diese sich noch besser darauf vorbereiten und die Fragen im Laufe des Fortbildungsabends beantworten können. In der weiteren Entwicklung sind neben diesem didaktischen Format noch die Ergänzung durch Seminare und Workshops mit überschaubarem Teilnehmerkreis, noch mehr Teilnehmereinbezug und dezentrale Angebote vorgesehen. Kollegen besteht durchaus die Bereitschaft, einen Beitrag von bis zu 10 e/Punkt für Fortbildung selbst zu zahlen. Die ersten Ergebnisse der Evaluation hinsichtlich der Akzeptanz sind ermutigend und wir sind gespannt, wie sich dieses Projekt weiterentwickeln wird. Interessierten stellen wir gerne die Kooperationsvereinbarung zur Verfügung und weitere Informationen und Kontaktadressen finden sich auch unter www.hausaerztliche-fortbildung-hamburg.de Interessenkonflikte: keine. Literatur 1 Diskussion Es ist noch zu früh, die HFH umfassend zu bewerten. Als großer Erfolg ist anzusehen, dass es in Hamburg gelungen ist, alle in der hausärztlichen Versorgung relevanten Gruppen sowie die Fortbildungsakademie nicht nur an einen Tisch, sondern auch in ein Boot zu bringen und eine unabhängige, qualitativ hochwertige, speziell für Hausärzte konzipierte Fortbildung aufzubauen. Die Besonderheit von Hamburg als überschaubarem Stadtstaat mit vielen „Doppelfunktionären“ hat diese Entwicklung sicher begünstigt. 2005 nahmen an den fünf Einzelveranstaltungen je 120–150 Hausärzte teil, die Anmeldezahlen für das erste Halbjahr 2006 liegen derzeit bei 80–130 Teilnehmern. Damit zählen wir etwa 10 Prozent der 1160 Hamburger Allgemeinmediziner und hausärztlichen Internisten zu unseren Kunden. Bei diesen Sachtleben S. Hausärztliche Fortbildung – Ein Vorschlag zu Grundzügen der Neuorientierung. Z Allg Med 2006; 821: 8 – 10 2 Donner-Banzhoff N. Kommentar zu Dr. Stefan Sachtleben. Hausärztliche Fortbildung – Ein Vorschlag zu Grundzügen der Neuorientierung. Z Allg Med 2006; 821: 8 – 10 3 Lichte T, John B, Bawidamann G, et al. Kompetenz freiwillig verbessern. Die Strukturierte hausärztliche Fortbildung (ShF). Hausarzt 2004; 16: 20 – 22 Zur Person Dr. med. Claudia Küver, Ärztin für Allgemeinmedizin und Public Health Absolventin Wissenschaftliche Mitarbeiterin seit 2004 im Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Derzeitiger Schwerpunkt: Hausärztliche Fortbildung Küver C et al. Hausärztliche Fortbildung Hamburg … Z Allg Med 2006; 82: 182 – 184


(Stand: 04.04.2006)

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