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Evaluation eines Screeninginstruments für alkoholbezogene Störungen in der hausärztlichen Praxis

DOI: 10.1055/s-2007-972585

Evaluation eines Screeninginstruments für alkoholbezogene Störungen in der hausärztlichen Praxis

Originalarbeit Evaluation eines Screeninginstruments für alkoholbezogene Störungen in der hausärztlichen Praxis Evaluation of a Screening Instrument for Alcohol-Related Disorders in General Practice Autoren Institute C. Mänz1, M. Berner2, M. Härter2, G. Lorenz4, G. Buchkremer1, G. Mundle1, 3 1 2 Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik Freiburg im Breisgau 3 Oberbergklinik, Hornberg im Schwarzwald 4 Lehrbereich Allgemeinmedizin der Universität Tübingen Schlüsselwörter alkoholbezogene Störungen Alkohol – Screening Alkoholismus und hausärztliche Praxis AUDIT Key words alcohol related disorders screening for alcoholism alcoholism and primary care AUDIT Zusammenfassung & Ziel: Ziel dieser Untersuchung war, die Akzeptanz von Screening-Fragebögen für alkoholbezogene Störungen in einer unselektierten Patientenpopulation in der hausärztlichen Praxis zu erfassen. Methoden: Im Rahmen eines Projektes des Suchtforschungsverbundes Baden-Württemberg füllten 156 Patienten in drei Allgemeinarztpraxen einen vierseitigen Screening-Fragebogen mit Fragen zu allgemeinenmedizinischen Themen, Suchterkrankungen und psychischen Störungen aus. Zur Fragebogenevaluierung beantworteten die Patienten anschließend vier weitere Fragen zum Fragebogen: 1. Länge, 2. eigenes Interesse, 3. Erkenntnisgewinn für den Arzt und 4. Einsatzhäu?gkeit (3 bzw. 5-stu?ge Likert-Skala). Durch das Personal der Arztpraxis wurde zusätzlich die Ablehnungsquote geschätzt. Ergebnisse: 93,5 % der Patienten empfanden die Länge des Fragebogens als „gerade richtig“. 49,5 % stimmten zu, dass der Arzt durch den Einsatz des Fragebogens ein besseres Verständnis der Krankheit erhält und 87,7 % waren der Meinung, der Fragebogen solle einmal im Jahr eingesetzt werden. Patienten mit einer alkoholbezogenen Störung urteilten ähnlich: 76 % beurteilten die Fragebogenlänge als gerade richtig; einen Erkenntnisgewinn für den Hausarzt vermuteten 60 %; 80 % hielten es für angemessen, den Fragebogen einmal pro Jahr einzusetzen. Schlussfolgerungen: Die vorliegende Untersuchung kann das gängige Vorurteil nicht stützen, dass Patienten auf Fragebögen zu alkoholbezogenen Störungen mit Widerstand reagieren. Im Gegenteil zeigte sich eine hohe Akzeptanz sowohl in der Gesamtpopulation als auch bei bereits betroffenen Patienten. Abstract & Aim: The aim of this study was to examine the acceptability of a screening questionnaire for alcohol-related disorders in general practices. Methods: This study was carried out in the scope of the BMBF-supported project AQAH (comprehensive quality management in outpatient care). Patients (N = 156) visiting their general practitioners received a screening questionnaire that included questions related to primary-care issues, substance dependence and other psychiatric disorders. Next, patients provided feedback about the screening questionnaire regarding its length and potential usefulness to the physician as well as their own level of interest and their opinions about the appropriate frequency of use. The refusal quota was assessed by practice staff. Results: Most patients (93.5 %) considered the questionnaire length “just right,” and 49.5 % indicated that the physician would obtain a better understanding of patients’ illnesses by using the questionnaire. Patients with an alcohol-related disorders evaluated the questionnaire similarly to patients without an alcohol-related disorder: 76 % considered the length to be “just right”, 60 % thought that the physician would obtain a better understanding of patients’ illnesses, and 80 % thought that using it once per year was appropriate. Discussion: Contrary to popular belief, this study did not provide evidence of patient resistance to an alcohol screening questionnaire in a primary-care setting. A majority of patients with and without alcohol-related disorders reported high acceptance of the screening questionnaire. Bibliogra?e DOI 10.1055/s-2007-972585 Online Publikation: 2007 Z Allg Med © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York · ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse Dr. med. C. Mänz Universitätsklinik Tübingen Abteilung für Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie Osianderstraße 24 72076 Tübingen constantin.maenz@med.unituebingen.de Mänz C et al. Evaluation eines Screeninginstruments für alkoholbezogene … Z Allg Med Originalarbeit Einleitung & Abhängig von Population und verwendeten diagnostischen Kriterien variiert die Prävalenz alkoholbezogener Störungen im ambulanten hausärztlichen Bereich zwischen 10 und 20%. Damit gehört diese Störungsgruppe zu den häu?gsten Diagnosen in der hausärztlichen Praxis [1–9]. Das Spektrum der alkoholbezogenen Störungen umfasst dabei den abhängigen, schädlichen und riskanten Alkoholkonsum und ersetzt das bisherige dichotome Modell Abhängigkeit versus „normaler“ Konsum [10]. Trotz der Häu?gkeit und zum Teil auch Schwere der Erkrankung werden Patienten mit alkoholbezogenen Störungen in der hausärztlichen Praxis häu?g nicht rechtzeitig erkannt und entsprechend zu spät behandelt [11–13]. Ca. 70–80 % dieser Patienten suchen einmal im Jahr ihren Hausarzt auf, wobei nur 3 % spezi?sche Hilfe erhalten [14]. Bereits bestehende Behandlungsangebote und Behandlungsmöglichkeiten, wie Suchtberatungsstellen, Selbsthilfegruppen oder fachärztliche Spezialisten erreichen die Patienten nicht. Meist wird erst bei Vorhandensein somatischer Probleme, die in Folge des Alkoholkonsums auftreten können, eine alkoholbezogene Anamnese erhoben; routinemäßig wird nicht nach Alkoholkonsum gefragt [15, 16]. Somit werden sehr wahrscheinlich gerade der riskante und schädliche Konsum wegen fehlender klassischer klinischer Zeichen übersehen. Eine Chroni?zierung und ein Abgleiten in die Abhängigkeit kann die Folge sein. Der Mangel an Zeit, Ausbildung und effektiven Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten werden seitens der Hausärzte als Gründe für die derzeitige schlechte ambulante Versorgungslage alkoholkranker Patienten genannt. Hinzu kommt die Befürchtung, Patienten durch die Thematisierung der eventuell vorhandenen Alkoholproblematik zu verlieren [16–18]. Um eine bessere allgemeinärztliche Versorgung dieser Patienten zu erreichen, bedarf es effektiver Methoden, die dem Hausarzt eine frühe und sichere Diagnostik ermöglichen und in der Folge, neben einer kompetenten hausärztlichen Behandlung, zur zeitnahen Hinzuziehung von Facheinrichtungen oder Spezialisten führen, um so Veränderungsprozesse seitens des Patienten [19] zu unterstützen. Zur Optimierung der Diagnostik empfehlen mehrere Leitlinien [20–22], Patienten einmal im Jahr mittels eines standardisierten Fragebogens auf alkoholbezogene Störungen zu screenen. Umfragen bei Hausärzten ergaben, dass in nur 0,8 % der Fälle standardisierte Screeningfragebögen zur Diagnostik eingesetzt werden. Die Begründung war mangelnde Kenntnis solcher diagnostischer Hilfen und die Befürchtung, den Patienten durch Befragung nach seinem Alkoholkonsum, erst recht in schriftlicher Form, zu verlieren [23]. Es liegen bisher keine Daten über die Patientenakzeptanz von Screeninginstrumenten für alkoholbezogene Störungen aus dem deutschen Sprachraum vor. Ziel dieser Untersuchung war es, die Akzeptanz von Screeningfragebögen bezüglich alkoholbezogener Störungen an einer Patientenpopulation in der hausärztlichen Praxis zu erfassen. gement alkoholbezogener Störungen in der hausärztlichen Praxis) [24] des Suchtforschungsverbunds Baden-Württemberg. Das Ziel des Projektes ist die Verbesserung der momentanen Versorgungssituation von Patienten mit alkoholbezogenen Störungen in der hausärztlichen Praxis durch Implementierung eines Qualitätsmanagements. In drei von den am Projekt AQAH teilnehmenden hausärztlichen Praxen im Landkreis der Universitätsstadt Tübingen (Württemberg) wurde die Akzeptanz des im Projekt AQAH eingesetzten vierseitigen Screeningfragebogens erfasst. Immer montags beginnend wurden innerhalb von 1 bis maximal 2 Praxistagen konsekutiv alle Patienten mit anschließendem Arztkontakt vom Praxispersonal bezüglich einer Studienteilnahme befragt, bis die vom Studienprotokoll geforderte Mindestanzahl von 50 Patienten erreicht war. Ablehnungsquote und Ablehnungsgründe wurden vom Praxispersonal nicht systematisch erfasst, sondern nach Erreichen der geforderten Patientenanzahl geschätzt und dem Studienmitarbeiter mitgeteilt. Bei Zusage wurde den Patienten durch das Praxispersonal eine schriftliche Information und Aufklärung über Studieninhalt und -ablauf ausgehändigt, sie wurden anschließend durch den Hausarzt nochmals mündlich aufgeklärt. Die Erhebung erfolgte freiwillig und zunächst nicht anonymisiert, da der teilnehmende Hausarzt und der Studienmitarbeiter um die Identität der befragten Patienten wissen mussten. Dieses Vorgehen war aus Zuordnungsgründen im Rahmen des Projektes AQAH nötig. Die Fragebögen wurden von den Arzthelferinnen ausgeteilt, wieder eingesammelt und dem Studienmitarbeiter ausgehändigt. Die Ergebnisse der Fragebögen wurden den Hausärzten erst nach Abschluss der ersten Phase des oben erwähnten Projektes nach ca. 3 Monaten mitgeteilt. Ein ArztPatient-Dialog über das Ergebnis des Fragebogens erfolgte nicht an den Erhebungstagen, sondern erst nach der Ergebnismitteilung an den Hausarzt. Der zu evaluierende Screeningfragebogen beinhaltete Fragen zu allgemeinmedizinischen Themen, wie Grund der Konsultation, Konsultationshäu?gkeit im vergangenen Jahr und Dauer des Hausarztverhältnisses ( Tab. 2). Bezüglich des Alkoholscreenings kamen die standardisierten Frageinstrumente AUDIT (Alcohol Use Disorder Identi?cation Test) [25] in einer semantisch validierten Form und CAGE (Cut down Annoyed, Guilty, Eye opener) [26] zum Einsatz. Da alle alkoholbezogenen Störungen erfasst werden sollten, wurde ein AUDIT-Cut-off-Wert von ? 5 gewählt, um eine möglichst hohe Sensitivität im Screening zu erreichen [27, 28]. Die Komorbidität wurde anhand standardisierter Frageinstrumente erfasst. Bezüglich einer Nikotinabhängigkeit kamen der HSI-D (Kurzversion des Fagerstöm Test) [29] und bezüglich depressiver Störungen und Angststörungen der Brief-PHQ (Patient Health Questionnaire) [30] zum Einsatz. Zur Evaluierung des Screeningfragebogens beantworteten die Patienten im direkten Anschluss 4 Fragen: 1. zur Länge des Screeningfragebogens, 2. zum Interesse bezüglich des Screeningfragebogens, 3. zum Erkenntnisgewinn für den Hausarzt und 4. zur Einsatzhäu?gkeit des Screeningfragebogens. Die Einschätzung geschah anhand 3- bzw. 5-stu?ger Likert-Skalen. Methoden & Die Untersuchung erfolgte im Rahmen der Pilotphase des vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) geförderten Subprojektes AQAH (ambulantes Qualitätsmana- Ergebnisse & Insgesamt beantworteten und bewerteten 156 Patienten (N = 94 Frauen, N = 62 Männer) den Screeningfragebogen. Eine detail- Mänz C et al. Evaluation eines Screeninginstruments für alkoholbezogene … Z Allg Med Originalarbeit lierte und systematische Erfassung der Ablehnungsgründe geschah nicht, jedoch wurde bis zum Erreichen der geforderten Patientenanzahl die Ablehnungsquote vom Praxispersonal mit unter 5 % angegeben. Als Ablehnungsgrund wurde meist das Fehlen von Sehhilfen angegeben. Das Altersmittel der teilnehmenden Patienten lag bei 54,9 Jahren (SD = 16,9) mit einer Spannweite von 18–91 Jahren ( Tab. 1). Als Konsultationsgrund wurde am häu?gsten der Wunsch nach körperlicher Untersuchung angegeben (75 %), gefolgt von Beratung (52,6 %) und Verschreibung von Medikamenten (21,8 %). 6,4 % der Patienten ließen sich krankschreiben. Zur Überweisung kamen keine der befragten Patienten. 26,3 % waren mehr als 10 Mal in den vergangenen 12 Monaten bei ihrem Hausarzt, 14,1 % 6–10 Mal, 43,6 % 2–5 Mal, 10,3 % 1 Mal und 3,8 % überhaupt nicht. Im Mittel waren die Patienten seit 15,1 Jahren (SD = 8,64) bei ihrem Hausarzt ( Tab. 2). Im Screening mit AUDIT ergab sich für 9,6 % der Patienten der Verdacht auf einen riskanten (AUDIT score ? 5) und bei 6,5 % der Patienten auf einen missbräuchlichen, bzw. abhängigen Alkoholkonsum (AUDIT score ? 8). Laut den Ergebnissen des BriefPHQ hatten 15,5 % der Patienten eine depressive Störung, 1,3 % hatten eine Panikstörung und 2,4 % ein Mischbild aus depres- Tab. 1 Soziodemographische Charakteristika der befragten Patientenpopulation Alter: Geschlecht (N/ %) Weiblich: Männlich: Deutsch (N/ %): Verheiratet/feste Partnerschaft (N/ %): Schulbildung (N/ %) Hauptschule/Volksschule: Realschule: Gymnasium: Berufsschule: Arbeitsstatus (N/ %) Arbeitnehmend: Erwerbslose(r): RentnerIn: Hausfrau/Hausmann: SchülerIn: Krankgeschrieben: Sonstiges: 54,9 Jahre (SD = 16,9) 94 (60,2 %) 62 (39,7 %) 139 (89,1 %) 99 (63,5 %) 96 (61,5 %) 29 (18,6 %) 15 (9,6 %) 9 (5,8 %) 72 (46,1 %) 1 (0,6 %) 68 (43,6 %) 18 (11,5 %) 1 (0,6 %) 3 (1,9 %) 4 (2,6 %) siver Störung und Angststörung. Bei 6,5 % der Patienten fand sich im Ergebnis des HSI-D ein Anhalt auf eine geringe (HSI-D score 3–4), bei 5,8 % auf eine mittlere (HSI-D score 5) und bei 0,6 % auf eine starke Nikotinabhängigkeit (HSI-D score 6–7). Insgesamt hätte der Einsatz des Screeningfragebogens bei 16,1 % der Patienten zu einer alkoholspezi?schen, bei 19,2 % zu einer depressions- bzw. angstspezi?schen und bei 12,9 % zu einer nikotinspezi?schen kriterienorientierten Diagnostik führen können ( Tab. 3). In der Beurteilung des Screeningfragebogens ergab sich insgesamt die folgende Bewertung durch die Patienten: 93,5 % der Patienten empfanden die Länge des Fragebogens als gerade richtig, 3,9 % als zu kurz und 2,6 % als zu lang. Nur 1,3 %, bzw. 1,9 % fanden den Fragebogen eher langweilig bzw. lästig. 93,5 % waren interessiert und 3,2 % gaben an, ihn spannend zu ?nden. Bezüglich des vermuteten Erkenntnisgewinns für den Hausarzt zeigte sich ein heterogeneres Bild. Hier stimmten 49,5 % der Patienten zu, dass der Arzt durch den Einsatz des Fragebogens ein besseres Verständnis über seine Patienten erhält, 29,9 % sehen keinen Erkenntnisgewinn für ihren Hausarzt und 20,1 % wussten es nicht. 5,8 % waren der Meinung, der Fragebogen solle bei jedem Besuch eingesetzt werden. 87,7 % bezeichneten einen jährlichen Einsatz als ausreichend und 6,5 % waren gegen einen Einsatz des Fragebogens ( Tab. 4). Ähnlich der Beurteilung der Gesamtpopulation war auch die der Patienten mit einer alkoholbezogene Störung. 76 % nannten die Fragebogenlänge als gerade richtig, 11 % als zu kurz und 8 % als zu lang. 72 % empfanden den Fragebogen als interessant, 8 % als spannend und 18 % als langweilig, bzw. lästig. Einen Erkenntnisgewinn für den Hausarzt sahen 60 %, 16 % wussten es nicht und 24 % fanden eher nicht. 80 % waren der Meinung, der Fragebogen solle 1 Mal pro Jahr eingesetzt werden. 12 % sahen einen Einsatz bei jedem Arztbesuch als sinnvoll an, während 8 % ihn gar nicht einsetzen würden ( Tab. 4). Diskussion & Das Ergebnis der Studie zeigt eine hohe Akzeptanz in der Patientenpopulation, die einen regelmäßigen Einsatz von Screeninginstrumenten sinnvoll erscheinen lässt. Ein signi?kanter Widerstand seitens der Gesamtpopulation gegenüber Fragen zu alkoholbezogenen Störungen zeigte sich nicht. Auch die Annahme, Patienten mit einer alkoholbezogenen Störung würden der Thematik mit Bagatellisierungstendenzen und Ablehnung begegnen, konnte nicht bestätigt werden. Im Gegenteil war in dieser betroffenen Subpopulation, diagnostiziert anhand des Tab. 2 Daten zu Arztbesuch, Besuchshäu?gkeit in den letzten 12 Monaten und Dauer des Hausarztverhältnisses Konsultationsgrund (N/ %) Beratung: Untersuchung: Verschreibung: Krankschreibung: Überweisung: Besuchshäu?gkeit (N/ %) (letzte 12 Monaten) Überhaupt nicht: 1 Mal: 2–5 Mal: 6–10 Mal: Mehr als 10 Mal: Fehlend: Seit wann bei Arzt 82 (52,6 %) 117 (75 %) 34 (21,8 %) 10 (6,4 %) 0 6 (3,8 %) 16 (10,3 %) 68 (43,6 %) 22 (14,1 %) 41 (26,3 %) 3 (1,9 %) 15,1 Jahre (SD = 8,64) Tab. 3 Screeningergebnisse: AUDIT, PHQ, HSI-D (Heaviness of Smoking Index-Deutsch) AUDIT (Alkohol) (N/ %) Riskanter Konsum Score ? 5: Schädlicher/Abhängiger Konsum Score ? 8: PHQ (Depression/Angst) (N/ %) Depressive Störung: Panikstörung: Mischbild: HSI-D (Nikotin) (N/ %) Geringe Abhängigkeit: Mittlere Abhängigkeit: Starke Abhängigkeit: 15 (9,6 %) 10 (6,5 %) = 25 (16,1 %) 24 (15,5 %) 2 (1,3 %) 4 (2,4 %) 10 (6,5 %) 2 (5,8 %) 1 (0,6 %) = 30 (19,2 %) = 13 (12,9 %) Mänz C et al. Evaluation eines Screeninginstruments für alkoholbezogene … Z Allg Med Originalarbeit Tab. 4 Beurteilung des Screeningfragebogens getrennt nach Gesamtpopulation und Patienten mit alkoholbezogenen Störungen (AUDIT-Score ? 5) Gesamtpopulation Länge des Fragebogens (N/ %) Gerade richtig: Zu kurz: Zu lang: Interesse am Fragebogen (N/ %) Interessant: Spannend: Eher langweilig: Lästig: Erkenntnisgewinn für den Arzt (N/ %) Auf jeden Fall: Ein wenig: Weiß nicht: Eher nicht: Auf keinen Fall: Einsatzhäu?gkeit des Fragebogens (N/ %) Bei jedem Besuch: 1 Mal pro Jahr: Gar nicht: 144 (93,5 %) 6 (3,9 %) 4 (2,6 %) 144 (93,5 %) 5 (3,2 %) 2 (1,3 %) 3 (1,9 %) AUDIT-Score ? 5 19 (76 %) 4 (11 %) 2 (8 %) 18 (72 %) 2 (8 %) 4 (16 %) 1 (4 %) 47 (30,5 %) 30 (19,5 %) 31 (20,1 %) 44 (28,6 %) 2 (1,3 %) 10 (40 %) 5 (20 %) 4 (16 %) 4 (16 %) 2 (8 %) 9 (5,8 %) 135 (87,7 %) 10 (6,5 %) 3 (12 %) 20 (80 %) 2 (8 %) AUDIT-Scores, ein ebenso großes Interesse am Fragebogen zu verzeichnen wie in der Gesamtpopulation. Darüber hinaus stellten in beiden Populationen weder Länge des Fragebogens noch die weiteren Fragen zu den anderen psychischen Störungen im verwendeten Instrument ein wesentliches Hindernis dar. Saunders und Mitarbeiter (1993b) beschrieben als Entwickler des Frageinstrumentes, dass der AUDIT in verschiedenen Formaten benutzt werden kann: Mündlich, schriftlich oder computerisiert; im Interview oder vom Patienten selbst ausgefüllt und dabei in Form eines alleinigen oder eines in andere Fragebögen integrierten Instruments. Dennoch ist zu diskutieren, inwiefern ein standardisierter Alkoholfragebogen, welcher in einen allgemeinen Gesundheitsfragebogen integriert ist, vom Patienten weniger als ein solcher wahrgenommen wird. Der Patientenfokus könnte vom Thema Alkohol abgelenkt sein, das Thema Alkohol weniger stigmatisierend erlebt werden. Bagatellisierungen oder falsche Angaben seitens der Patienten beim Beantworten der Fragen könnten weniger auftreten. Sensitivität und Spezi?tät könnten in der Folge besser als bei alleinigem Einsatz des Fragebogens sein. Diese Hypothese konnte von diversen Studien nicht bestätigt werden. Vergleiche des AUDIT als alleiniges Frageinstrument mit einem in einen allgemeinen Gesundheitsfragebogen integrierten AUDIT [31] bzw. einem in mündliche Interviews eingefügten AUDIT, in denen auch andere Fragebögen zum Einsatz kamen [28, 32, 33, 34] zeigten weder in Spezi?tät noch Sensitivität signi?kante Unterschiede. Auch die psychometrischen Charakteristika des untersuchten AUDIT verändern sich nicht. Integriert in einen allgemeinen Gesundheitsfragebogen bleibt der AUDIT ein reliables und valides Screeninginstrument [31]. Da es sich um eine erste Erhebung dieser Fragestellung handelt, sind methodische Einschränkungen bzw. Fragen aufgetreten, die in einer Folgestudie an einer größeren Patientenpopulation berücksichtigt, bzw. dezidiert untersucht werden müssen. Zunächst sind die Ablehnungsgründe bzw. die Ablehnungsquote systematisch und detailliert zu erfassen. Weiter ist auf die Bereithaltung möglicher Sehhilfen zu achten, um diesen, auch in dieser Studie häu?g genannten Ablehnungsgrund bezüglich Ausfüllens eines Fragebogens, zu umgehen. Letztlich ist zu klären ob und inwieweit der erst im späteren Verlauf und nicht direkt am Erhebungstag statt?ndende Arzt-Patient-Dialog über die Ergebnisse des Screeningfragebogens die Validität der Patientenaussage in dieser Fragenstellung tatsächlich einschränkt. Dennoch kann aus dem Ergebnis dieser Studie geschlussfolgert werden, dass, wie bereits oben erwähnt, Patienten solchen Fragebögen nicht mit der erwarteten hohen Ablehnung begegnen. Und weiter zeigt sich, dass die Vorteile des hier verwendeten Instruments nicht nur in der Erfassung der wesentlichen alkoholbezogenen Störungen liegen, sondern auch in der Erfassung der für die allgemeinärztliche Praxis relevanten Komorbiditäten (Depressive Störung, Angststörung, Nikotinmissbrauch). Diese umfassende Sicht dürfte für das Verständnis des Hausarztes von Bedeutung sein. Entsprechend ist der Einsatz eines solchen Screeningfragebogens im klinischen Alltag in vielen Bereichen, wie z. B. Vorsorgeuntersuchungen, Anträgen auf Rehabilitation oder der Erhebung der Krankengeschichte neuer Patienten, denkbar. Zudem kann der Fragebogen vom Patienten im Wartezimmer der Arztpraxis ausgefüllt werden, was die Konsultationszeit verkürzt und fokussiert. Dabei ist gerade die Konstruktion des AUDIT von großem Vorteil. Die einfache und rasche Auswertung entspricht den engen zeitlichen Behandlungsfenstern einer hausärztlichen Praxis [35]. Er ermöglicht die Erfassung eines riskanten, missbräuchlichen bzw. abhängigen Konsums durch Abfrage zeitnaher Symptome [27, 36] und verhilft auf diesem Wege dem Hausarzt zu einem schnellen Überblick über das Vorliegen etwaiger alkoholbezogener Störungen, sowie zu einem leichteren Einstieg und einer strukturierteren Abfolge des folgenden therapeutischen Patientengesprächs. Aufgrund des häu?gen und meist ersten Patientenkontaktes [37] hat der Hausarzt sowohl bei der Diagnosestellung als auch in der Behandlungskette alkoholbezogener Störungen eine zentrale Funktion. Durch Einsatz eines solchen Screeninginstrumentes kann eine effektive praxisrelevante Entscheidungsgrundlage erzielt werden, die zu einer früheren Diagnostik und gezielteren Behandlung der alkoholbezogenen Störung der Patienten führen kann. Die Folge wäre möglicherweise nicht nur auf Patientenseite, sondern auch seitens des behandelnden Hausarztes, ein befriedigenderer Umgang mit der Problematik, fern von Stigmatisierung und aversivem Erleben der Erkrankung, und eine bessere und tragfähigere Arzt-Patient Beziehung, die Basis jeglicher Behandlung ist. Interessenskon?ikt: Im Rahmen der Publikation „Evaluation eines Screeningsinstrumentes für alkoholbezogene Störungen in der hausärztlichen Praxis“, eingereicht zur Veröffentlichung in der „Zeitschrift für Allgemeinmedizin“, liegen keinerlei Interessenskon?ikte vor. Literatur 1 Hüllinghorst R, Kaldewei D, Lindemann F, et al: Jahrbuch Sucht. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Neuland-Verlag, Geesthacht, 2006 2 Bühringer G: Alkoholkonsum und alkoholbezogene Störungen in Deutschland, Schriftenreihe des BMG. Band 128, Nomos-Verlag, 2000 3 Kraus L, Bauernfeind R: Repräsentativerhebung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland 1997, Sucht 1998, 44, Sonderheft 1: 7–82. 4 Linden M, Maier W, Achberger M, et al: Psychiatric diseases and their treatment in general practice in Germany. Results of a World Health Organization (WHO) study. Nervenarzt 1996; 67: 205–215 Mänz C et al. Evaluation eines Screeninginstruments für alkoholbezogene … Z Allg Med Originalarbeit 5 Küfner H, Kraus L: Alkoholismus-Epidemiologische und ökonomische Aspekte des Alkoholismus. Deutsches Ärzteblatt 2002; 99: A–936 6 Hill A: Hausarztpraxen als Zentren zur Früherkennung und Behandlung von Alkoholproblemen – ein realistisches Modell?. In: Wienberg G, Driessen M (Hrsg.).: Auf dem Weg zur vergessenen Mehrheit. Psychiatrie-Verlag Bonn, 2001; 272–291 7 Cleary PD, Miller M, Booker T: Prevalence and recognition of alcohol abuse in primary care population. 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Constantin Mänz, Approbierter Arzt in der Facharztausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Universitätsklinikum Tübingen, Abteilung Allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie mit Poliklinik Suchtambulanz Mitglied des Forschungsschwerpunktes Suchtforschung Tübingen, Mitarbeiter im BMBF-Projekt AQAH, „ambulantes Qualitätsmanagement für alkoholbezogene Störungen in der hausärztlichen Praxis“ Mänz C et al. Evaluation eines Screeninginstruments für alkoholbezogene … Z Allg Med


(Stand: 04.04.2007)

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