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Gesundheitsmonitoring des Robert Koch-Instituts:Bundesweite Studie zur Gesundheit Erwachsener (DEGS) ist in Deutschland unterwegs

Mit dem Gesundheitsmonitoring etabliert das Robert Koch-Institut (RKI) erstmals eine umfassende und kontinuierliche Beobachtung der gesundheitlichen Lage der in Deutschland lebenden Bevölkerung. Das Monitoring umfasst drei Komponenten, in denen das RKI parallel und aufeinander abgestimmt regelmäßig Daten erheben wird: Eine Komponente ist die bundesweite Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS), die im November 2008 in Berlin begonnen hat.

Das Gesundheitsmonitoring des Robert Koch-Instituts

Das Gesundheitsmonitoring bezieht Personen aller Altersgruppen von 0 bis über 80 Jahren ein und sieht regelmäßige bundesweite Längsschnitt- und Querschnitterhebungen vor. Neben DEGS – der Studie zur Gesundheit Erwachsener – bilden die Fortsetzung des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) sowie regelmäßige telefonische Gesundheitsbefragungen mit dem Titel „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) die weiteren Komponenten des Gesundheitsmonitorings. Die Monitoring-Daten sollen bestehende regelmäßige Datenquellen wie amtliche Statistiken oder Prozessdaten der Krankenkassen um detaillierte und umfangreiche Informationen ergänzen und bundesweit repräsentative Daten zur Entwicklung des Krankheitsgeschehens, zum Gesundheits- und Risikoverhalten, zur Versorgung und zu den Lebensbedingungen verschiedener Bevölkerungsgruppen liefern. Die gewonnenen Informationen werden für die Gesundheitsberichterstattung, die Entwicklung von Gesundheitszielen und für die Vorbereitung gesundheitspolitischer Entscheidungen genutzt. Der wesentliche Vorzug eines kontinuierlichen Gesundheitsmonitorings besteht darüber hinaus darin, dass im Zeitverlauf Trends festgestellt, die Erreichung von Zielen überprüft und Strategien evaluiert werden können.

Ein wesentliches Merkmal des Gesundheitsmonitorings sind die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen der drei Komponenten, die sich im Zusammenspiel ergänzen. Die Komponente „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) setzt den Schwerpunkt auf die regelmäßige Erhebung aktueller Gesundheitsdaten, die auch Differenzierungen auf regionaler Ebene zulassen. Der jährliche Erhebungsrhythmus erlaubt es, zeitnah aktuelle Fragestellungen aufzunehmen. Gleichzeitig werden zentrale Fragestellungen wiederholt einbezogen, um zeitliche Entwicklungen (Trends) aufzeigen zu können. Durch den Modus der Datenerhebung (computergestützte Telefoninterviews) wird eine schnelle Bereitstellung der gesammelten Informationen gewährleistet. Die erste Erhebungswelle der GEDA-Telefonsurveys, die insgesamt 21.000 Telefoninterviews umfassen wird, begann bereits im Juli 2008.

Während das Studiendesign bei den GEDA-Telefonsurveys wiederholte Querschnitterhebungen vorsieht, sind der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) und die Studie zur Gesundheit Erwachsener (DEGS) als Langzeitstudien konzipiert. Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey, dessen Basiserhebung 2003 bis 2006 erfolgte, soll ab 2009 als Kohortenstudie fortgesetzt werden. DEGS, die Studie zur Gesundheit Erwachsener, ist als Fortsetzung des Bundes-Gesundheitssurveys von 1998 konzipiert. Die dreijährige Datenerhebungsphase startete im November 2008. Bei beiden Surveys ist vorgesehen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vorangegangenen Surveys erneut einzubeziehen. Per Zufallsauswahl werden zusätzliche Personen aus den Einwohnermelderegistern ausgewählt. Da sich KiGGS auf Kinder- und Jugendliche und DEGS auf Erwachsene ab 18 Jahren konzentriert, ist mit beiden Studien das gesamte Altersspektrum von 0 bis über 80 Jahre abgedeckt. Weiterhin beinhalten sowohl KiGGS als auch DEGS in einzelnen Erhebungswellen neben dem Befragungs- auch einen Untersuchungsteil. Bei KiGGS umfasste die Basiserhebung (2003–2006) eine solche Untersuchungskomponente, während für die erste Nachfolgeerhebung Telefoninterviews geplant sind. Auch zum Erhebungsprogramm der anstehenden Erhebungswelle des DEGS gehört ein Untersuchungsteil. Solche Untersuchungsteile bestehen in der Regel aus körperlichen Untersuchungen und Tests sowie Analysen von Blut- und Urinproben. Die Datenerhebungen erfolgen gewöhnlich vor Ort in speziell zu diesem Zweck eingerichteten Untersuchungszentren. Untersuchungssurveys sind sehr aufwendig und langwierig in der Durchführung, sie erlauben jedoch die Erfassung „objektivierbarer“ Messwerte (zum Beispiel Blutmesswerte, Indikatoren körperlicher Fitness), die für die Beantwortung vieler Fragestellungen von großer Wichtigkeit sind. Der besondere Zugewinn von KiGGS und DEGS besteht somit darin, dass ein sehr breites Spektrum an bevölkerungsrepräsentativen Informationen vorliegen wird. Durch die wiederholte Einladung der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer können zudem zeitliche Veränderungen im Gesundheitszustand und -verhalten festgestellt werden und – im Unterschied zu den regelmäßig erhobenen Querschnittsdaten bei GEDA – auch Erkenntnisse über Ursache-Wirkungs-Beziehungen bzw. über die zeitliche Abfolge von gesundheitlichen Risiken und gesundheitlichen Problemen gewonnen werden.

Die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS)

In den drei Untersuchungsjahren von DEGS sollen insgesamt 7.500 Erwachsene in 180 Orten Deutschlands befragt und körperlich untersucht werden. Die ersten Untersuchungen wurden im November 2008 in Berlin (Bezirke Mitte und Reinickendorf) und Fredersdorf-Vogelsdorf durchgeführt. Sämtliche 120 Studienorte des Bundes-Gesundheitssurveys von 1998 sind auch bei DEGS wieder dabei. 60 neue Studienorte wurden zusätzlich ausgewählt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden über ein statistisches Zufallsverfahren aus den örtlichen Melderegistern ausgewählt. In den Orten, die bereits beim Bundes-Gesundheitssurvey von 1998 dabei waren, werden zudem die ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer erneut eingeladen.

In den Untersuchungszentren vor Ort werden die Probanden gebeten, einen Fragebogen zu gesundheitsrelevanten Themen auszufüllen. Im persönlichen Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt wird erhoben, ob und welche Krankheiten und gesundheitlichen Probleme bisher aufgetreten sind oder gegenwärtig bestehen. Auch Angaben zur Arzneimitteleinnahme werden erfasst. Hinzu kommen verschiedene körperliche Untersuchungen und Tests: Das RKI-Team ermittelt die Körpergröße und wiegt den Probanden, misst Blutdruck und Puls und erfasst die Schilddrüsengröße mit einer Sonographie. Bei Personen unter 65 Jahren wird das Programm durch einen Belastungstest mittels Fahrradergometer ergänzt. Personen ab 65 Jahren absolvieren verschiedene kurze Funktionstests zu Arm- und Beinkraft, Gleichgewicht und Mobilität. Zusätzlich werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer um eine Blut- und Urinprobe gebeten. Die Laborwerte geben Auskunft über die Funktion der Organe sowie über die Nährstoffversorgung, allergische Sensibilisierungen und Infektionskrankheiten. Außerdem werden Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen (beispielsweise Diabetes) bestimmt.

Der Vorteil für die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer besteht darin, dass sie kostenlos einen umfassenden Überblick über ihren Gesundheitszustand erhalten. Einige Befunde (unter anderem kleines Blutbild, Blutdruck) können bereits am Ende des Untersuchungstermins mitgeteilt werden, andere Befunde (zum Beispiel Ergebnisse der aufwendigeren Laboranalysen) folgen nach einer ärztlichen Bewertung etwa sechs Wochen später mit einer Erläuterung für Teilnehmer und Hausarzt. Nach Studienende werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch über die bevölkerungsbezogenen Studienergebnisse informiert.

Die zuständige Ethikkommission der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat DEGS unter ethischen Gesichtspunkten geprüft und der Studie zugestimmt. Dem Bundesbeauftragten und den Landesbeauftragten für den Datenschutz wurde das Konzept der Studie vorgelegt. Die gegebenen Hinweise wurden berücksichtigt. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz hat keine Bedenken gegen die Studie. Die Durchführung der Gesundheitsstudie DEGS wird von einer internen und einer unabhängigen externen Qualitätssicherung kontrolliert sowie von der RKI-Kommission „Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitsmonitoring“, die sich aus externen Expertinnen und Experten (beispielsweise aus den Bereichen Gesundheitspolitik, Wissenschaft, Praxis) zusammensetzt, wissenschaftlich begleitet. Das Projekt DEGS wird geleitet von Frau Dr. B.-M. Kurth. Informationen zum Gesundheitsmonitoring und zu DEGS sind unter www.rki.de/degs abrufbar. Anfragen zu DEGS können unter degs@rki.de gestellt werden. Für die projektbezogene Öffentlichkeitsarbeit ist Frau Dr. A.-C. Saß zuständig (030 18754–3411).

Kontaktadresse:

Robert Koch-Institut – Abteilung für

Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung

General-Pape-Str. 62

12101 Berlin

Abbildungen:

Abbildung: Die Logo-Familie des Gesundheitsmonitorings.


(Stand: 07.06.2011)

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