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Zur Wahl des neuen ÖGAM-Präsidiums

Christoph Dachs

Am 06. März 2010 wurde in St. Gilgen im Rahmen der ÖGAM-Generalversammlung nach Ablauf der normalen Funktionsperiode ein neues Präsidium gewählt. Präsident Erwin Rebhandl kandidierte nach 16-jähriger Amtszeit nicht mehr für dieses Amt.

Bei der Wahl wurde der erfahrene und ausgleichende Reinhold Glehr aus der Steiermark zum neuen ÖGAM-Präsidenten gewählt. Ihm zur Seite stehen als alte und neue 1. Vizepräsidentin Susanne Rabady aus Niederösterreich und als 2. Vizepräsident Bernhard Panhofer aus Oberösterreich. Zum Schatzmeister gewählt wurde Walter Heckenthaler ebenfalls aus Niederösterreich, zu seinem Stellvertreter Peter Kowatsch aus Salzburg. Zur Schriftführerin gewählt wurde Barbara Degn aus Wien und zu ihrem Stellvertreter Thomas Horvatits aus dem Burgenland.

Unser Schatzmeister und Past-Präsident der SAGAM Bernhard Fürthauer hat nicht mehr für die Funktion des 2. Vizepräsidenten kandidiert; er wird allerdings im Vorstand mit mir gemeinsam die SAGAM vertreten.

Mit diesem Präsidium ist eine Erneuerung gegeben und mit Unterstützung des gesamten Vorstandes ist die ÖGAM gut aufgestellt, die großen Themen für die nächste Zeit und vor allem den WONCA-Kongress in Wien 2012 anzugehen und zu bewältigen. Auch wir in der SAGAM sind gefordert uns einzubringen, damit der für uns so wichtige Kongress gut über die Bühne gehen wird.

Die zentralen Ziele der ÖGAM sind nach wie vor die Verbesserung der Stellung der Allgemeinmedizin im Gesundheitssystem. Hier geht es wie gehabt um die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin. Einer obligatorischen 12-monatigen Lehrpraxis bei niedergelassenen Allgemeinmedizinern kommt dabei besondere Bedeutung zu. Die spezielle Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin soll anschließend an die von Ministerium und Kammer gewünschte 3-jährige Approbationsausbildung „Turnus“ erfolgen. Die Änderung soll der Anerkennung der Allgemeinmedizin als Fach, einer deutlichen Qualitätssteigerung und einer Attraktivierung des Berufes für junge Ärzte dienen. Eine Drittelfinanzierung zwischen Bund, Ländern und Ärzten ist für die Finanzierung der Lehrpraxis vorgesehen.

In den Arbeitskreisen der ÖGAM wurde andererseits das Vertrauensarztmodell entwickelt, das als „Hausarztmodell“ nun seinen Weg in die Gremien der Ärztekammer und des Hauptverbandes gefunden hat.

Die JAMÖ, eine unabhängige Vereinigung junger Ärztinnen und Ärzte mit besonderem Interesse an der Allgemeinmedizin mit Stimmrecht in der ÖGAM, hat sich in den letzten Monaten besonders für die Änderung der schon antiquierten Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin engagiert.

Bei den Arbeitsgruppen im Rahmen der diesjährigen Generalversammlung in St. Gilgen am Wolfgangsee wurden einige brennende Themen im Gesundheitssystem diskutiert: Diese sind die Krise der Haltungen, die Nebenwirkungen der „Qualitätsbewegung“, neue Zusammenarbeitsformen, Umstrukturierungen der Berufsverantwortlichkeiten, Stellenwert der Zuwendungsmedizin, verpflichtendes Leitungsspektrum in der Allgemeinmedizin.

Die sich ändernden Haltungen von Patienten und Ärzten wurden einerseits in Richtung Kundenverhalten mit Anspruchsdenken, andererseits mit Machbarkeitsüberlegungen im Sinne von Gesundheit als Wirtschaftsgut gesehen. Beiden steht das Ideal des solidarisch finanzierten, sozialen Gesundheitssystems gegenüber, das nach wie vor besonders von der Allgemeinmedizin gestützt wird und dem sich die ÖGAM verpflichtet fühlt.

Hinsichtlich der Qualitätssicherungsbewegung der letzten Jahre mit Standardisierung und Evaluierung wurde die Befürchtung geäußert, dass insbesondere die schwer messbaren Anteile der Patientenbetreuung unterbewertet werden. Dies betrifft vor allem den psychosozialen Bereich mit seiner großen Bedeutung in der Primärversorgung. Die Befürchtungen sind aber nicht als Widerspruch zu den Bemühungen um evidenzbasierte Medizin und evidenzbasiertes Management zu verstehen. Auch dem Bereich Patientensicherheit mit der Teilnahme an der Entwicklung von Leitlinien, Fehlerlernsystemen, reflektierendem Praxismanagement, teamorientierter Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb der Praxis soll weiterhin große Aufmerksamkeit gewidmet werden.

In den letzten Monaten wurde die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie und ihr Einfluss auf den Publikations- und Wissenschaftsbetrieb wiederholt innerhalb der ÖGAM thematisiert. Eine vernunftbasierte Erhöhung der Sensibilität und Kompetenz in der Zusammenarbeit mit der Industrie wird hier angestrebt. Ein Code of Contact wurde innerhalb der ÖGAM formuliert, eine Ethikgruppe installiert.


(Stand: 07.09.2010)

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