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Neue Leitlinien für die kardiopulmonale Reanimation

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Die Änderungen der vor kurzem veröffentlichten neuen Leitlinien für die kardiopulmonale Reanimation der American Heart Association und der European Society of Cardiology sind gegenüber der Vorversion überschaubar:

1. Wenn Sie als Einzelperson auf eine gerade kollabierte bzw. leblose Person treffen (Definition: Fehlende Atmung – bitte nicht zeitraubend nach dem Puls fühlen) und Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten, sollten Sie sich nach Alarmierung des Notarztes über die Telefonnummer 112 ausschließlich auf die Herzmassage konzentrieren. Konkret heißt das, dass Sie die bislang gängige Übung (Verhältnis von Herzdruckmassage zu Beatmung von 30:2) vergessen und nicht beatmen sollten – solange, bis weitere Helfer oder ein professionelles Notfallteam am Ort des Geschehens eingetroffen sind.

Begründung: Maßnahmen der Beatmung (Atemwege frei machen/Überstreckung des Kopfes, Positionswechsel von der lateralen Thoraxseite zum Kopfende, Unterbrechung der Herzmassage für die beiden Beatmungsstöße) kosten wertvolle Zeit, die für die lebenswichtige Herzmassage verloren geht. Drei kontrollierte Studien haben inzwischen nachgewiesen, dass nicht beatmete, sondern „nur“ massierte Patienten mindestens gleiche, wenn nicht bessere Überlebenschancen haben als konventionell Behandelte. Hinzu kommt, dass bei Fehlen einer Maske die Mund-zu-Mund-Beatmung eine Art von Übelkeitsbarriere darstellt, die mit dazu beiträgt, dass nur 50% der betroffenen Personen von Passanten wiederbelebt werden.

2. Neu ist, dass zur Verbesserung der Effektivität die Massagetiefe von bisher 3,8–4,0 cm auf 5,0 cm vergrößert und die Frequenz auf 100 Kompressionen pro Minute gesteigert wurden (letzteres ist bereits seit Längerem gängige Übung).

Sie sollten sich im Übrigen nicht durch ein krachendes Geräusch (Rippenserienfraktur) unter ihren Handballen unterbrechen lassen – letzteres dürfte durch die jetzt größere Massagetiefe häufiger auftreten als früher. Für die vielen in Reanimationstechniken Bewanderten unter den Leserinnen und Lesern der ZFA ist es wahrscheinlich auch unnötig, auf die durchgedrückten Ellenbogen der Helfer-Arme hinzuweisen – die muskuläre Ermüdung tritt sonst sehr viel schneller ein, als Ihnen lieb sein wird.

Die beschriebene Veränderung des Vorgehens hat auch dazu geführt, dass das altehrwürdige „ABC“ (Atemwege freimachen, Beatmen, Circulation herstellen) jetzt „CAB“ heißt – wobei A und B eben nur zur Anwendung kommen, wenn mindestens zwei geübte Helfer reanimieren oder ein Notarztteam vor Ort ist.

Nicht ganz neu, aber doch erwähnenswert ist eine Situation, in der ein automatisierter, externer Defibrillator (AED) zur Verfügung steht, wie es heute an vielen öffentlichen Plätzen wie Fußballarenen, U-Bahnhöfen etc. der Fall ist. Hier sollten Sie nach Möglichkeit

  • sofort mit der Herzmassage beginnen,
  • gleichzeitig – laut und deutlich – eine zweite Person damit beauftragen, das Notarztteam telefonisch zu benachrichtigen und
  • eine dritte Person um die Heranschaffung des AED bitten.

Sobald der AED einsatzbereit ist und ein Kammerflimmern anzeigt (bei Herzstillstand gibt das „sprechende“ Gerät keinen Impuls ab!) sollten Sie die Herzmassage möglichst kurz unterbrechen und 1x defibrillieren. Auch hier bitte die Maßnahmen nicht durch Atemstöße verzögern – es sei denn, dass unter den Anwesenden erfahrene Helfer sind.

Zwei wichtige Dinge sollten noch erwähnt werden:

Die neuen Leitlinien („CAB“) gelten nicht für Neugeborene und Säuglinge, bei denen Herzstillstand bzw. Rhythmusstörungen in der allermeisten Fällen durch eine Asphyxie verursacht sind. Hier beginnt man mit der Beatmung und setzt die Reanimation mit einem Verhältnis von 3 : 1 fort (3x Herzmassage, 1x Beatmung). Ebenso sind Ertrunkene von den neuen Richtlinien ausgenommen.

Noch viel mehr als für andere Leitlinien gilt hier, dass Reanimationsmaßnahmen graue Theorie bleiben, wenn sie nicht geübt bzw. praktiziert werden. Solche Übungen werden in vielen Praxen in regelmäßigen Abständen abgehalten und führen neben der Routine zu einem Abbau von Ängsten, wenn sich ein echter Notfall einstellt.

Foto: fotolia / Roman Milert


(Stand: 12.04.2011)

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