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Nichtalkoholische Fettleber: Erneut wird eine Sau durchs Dorf getrieben

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Schon zweimal wurde in den DEGAM-Benefits über wissenschaftlich zweifelhafte und interessengeleitete Texte zum Thema „nichtalkoholische Fettleber“ berichtet. Inzwischen europaweit organisierte Lobbyisten aus der Gastroenterologie werden offenbar nicht müde, den Medien ihre Stories von der gefährlichen neuen Erkrankung immer wieder aufs Auge zu drücken. Lobbyarbeit ist ja nun nichts Neues; bedenklich wird es allerdings, wenn Journalisten sich – sei es aus Naivität oder vielleicht sogar gegen „Gefälligkeiten“ – in diese Kampagnen einspannen lassen. Der Höhepunkt scheint aber erreicht, wenn ein Magazin mit seriösem Anspruch solche Machwerke abdruckt.

„Fettleber: Die unterschätzte Gefahr“ ist der Titel eines Artikels in Spiegel online (www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/fettleber-leberverfettung-kann-diabetes-und-leberkrebs-ausloesen-a-864183.html). Von der Autorin Gerlinde Gukelberger-Felix heißt es: „... hatte bereits während ihres Physik-Studiums in Karlsruhe und den USA mit Biologie und Medizin zu tun. Sie arbeitet als freie Wissenschafts- und Medizinjournalistin“. Nachfragen erübrigen sich: Wer als Physikerin während des Studiums „mit Biologie und Medizin zu tun hat“, wird selbstredend Expertin für medizinisch-wissenschaftliche Sachverhalte …

Im Text steht: „Eine aktuelle Untersuchung weist nun darauf hin, dass durch eine Fettleber auch dann Leberzellkrebs entstehen kann, wenn das Organ nicht zuvor durch eine Leberzirrhose geschädigt wurde. Es handelt sich dabei um die ersten Ergebnisse der FLIP-Studie (Fatty Liver: Inhibition of Progression), einer internationalen Kohortenstudie. Seit 2010 nahmen 160 Patienten mit einem Leberzellkarzinom daran teil“.

Schlägt man die verlinkte Adresse auf (www.ueg.eu „... die weltweit umfassendste Organisation ihrer Art. Sie vertritt über 22.000 europäische Spezialisten, die sich mit Erkrankungen des Verdauungssystems befassen“), liest man:

„Richtungsweisende Studie bestätigt Fettleber als Risikofaktor für Leberkrebs. Die ersten Ergebnisse der Studie wurden im April 2012 beim International Liver CongressTM in Barcelona, Spanien, vorgestellt“. Zitat: „Reeves H et al. The emerging impact of hepatocellular carcinoma arising on a background of NAFLD. Abstract presented at the 47th Annual Meeting of the European Association for the Study of the Liver, 18–22 April 2012, Barcelona, Spain“.

Traue keinem Abstract, bevor Du die Studie nicht im Volltext gelesen hast – zu Recht einer der ersten Merksätze, die ein wissenschaftlich Interessierter an der Universität lernen sollte …

Der Text endet dann mit der düsteren Warnung: „Gastroenterologen müssen sich unbedingt darüber im Klaren sein, dass die nichtalkoholische Fettleber ein Vorzeichen für eine bösartige Erkrankung sein kann und ihre Patienten entsprechend behandeln.“

Eine kurze Suche über den Veranstaltungskalender offenbart dann schnell, dass (nicht nur) Mitgliedsverbände dieser feinen Gesellschaft beste Beziehungen zu pharmazeutischen Unternehmen pflegen. Nur ein Beispiel: www.endoclubnord.de/german/sponsoren.html.

Ein Blogger namens suedbaden6 (offensichtlich Kollege aus dem benachbarten Umfeld meines Wohnortes Freiburg) kommentiert:

„Da ist sie ja endlich, die neue Todesgefahr! Es ist schon ein Kreuz mit diesem Leben. Jeden Tag neue Katastrophen. Erst werden ganze Völkerscharen unbemerkt ermordet, weil die Zunft der Pathologen nicht jede einzelne Leiche (kostenpflichtig) untersucht und jetzt siecht die deutsche Community dahin, weil McDonald‘s und Coca Cola ihre Lebern krebsig zerfressen. Komisch nur, dass ich bei der großen Mehrzahl der Patienten, die ich seit 30 Jahren ziemlich zahlreich sonografiere, eindeutige Strukturverdichtungen und damit „Fettlebern“ feststelle, in der ganzen Zeit aber noch KEINE einzige Krebserkrankung ohne vorhergehende Virushepatitis und/oder Alkoholzirrhose. Die arme Zunft der Gastroenterologen scheint vom gleichen arbeitslosigkeitserzeugenden Vermehrungsdruck geplagt zu sein, wie die Aufschneider der Pathologenzunft. Da muss dringend Geschäft generiert werden. Aber vorher vielleicht die Todesursachenstatistik anschauen. Die ordnet die Gefahr dort ein, wo sie hingehört: Halloween!“

Foto: fotolia/Lilifox


(Stand: 16.04.2013)

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