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9. Curriculum der Sächsischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM)

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Ein abwechslungsreiches Programm bei winterlichen Temperaturen lockte am 23.1.2013 zahlreiche Besucher nach Weinböhla zum 9. Curriculum der SGAM, das mit über 60 Teilnehmern das bisher Bestbesuchte war. Zur Freude der Organisatoren waren darunter 9 Facharztkandidaten.

Themen zum Arzt- und Patientenrecht lösen regelmäßig gemischte Gefühle bei den Zuhörern aus, aber die SGAM erachtet auch hier begleitende Fortbildung und Wissensauffrischung für notwendig. Bedeutungsvoll war daher bereits der erste Programmpunkt am Mittwochnachmittag. „Neue Rechtsauflagen für Ärzte mit aktuellen juristischen Fallen – das Patientenrechtegesetz“ lautete das Vortragsthema von Dr. jur. Alexander Gruner, Leiter der Rechtsabteilung der Sächsischen Landesärztekammer. Mit Interesse wurden hier Neuerungen vom Auditorium zur Kenntnis genommen.

Prof. Dr. Katrin Engelmann, Chefärztin der Klinik für Augenheilkunde in Chemnitz, berichtete anschließend zu den Themen augenärztliche Blickdiagnosen und gab eine sehr interessante Übersicht zur Katarakt und deren Op-Indikation und -möglichkeiten. Sie erklärte brillant, warum die so häufigen, für manche von uns zu häufigen, Kataraktoperationen für ältere Patienten so wichtig sind und was bei der Begleitmedikation sowie präoperativ unbedingt zu beachten ist. Besonders widmete sie sich dann noch dem zunehmenden Problem der Makuladegeneration. Mancher „sah klarer“ nach diesem Vortrag.

Der Donnerstag begann zunächst naturheilkundlich geprägt. Dr. Anke Görgner, Ltd. Oberärztin der Klinik für Innere Medizin am Helios Klinikum Borna (Leipziger Land) bewies spannend und nachvollziehbar, dass die sogenannte „sanfte Medizin“ mit Recht einen merklich höheren Stellenwert in der heutigen, von Zeit- und Kostendruck geprägten Hausarzt- und Familienmedizin haben sollte. Am Ende ihres Vortrages zum Thema Hydrotherapie standen praktische Demonstrationen und Übungen mit den Teilnehmern. Wer weiß heute schon noch, wie man richtig z.B. ansteigende Fußbäder durchführt? Die vielen Fragen aus dem Auditorium verdeutlichten das steigende Interesse am Thema.

Der Nachmittag stand unter dem Zeichen der Sport- und Rehabilitationsmedizin. Häufig gibt es doch Unsicherheiten, was man einem Koronarpatienten an Aktivitäten im Alltag und beim Sport erlauben darf und soll. Dafür hatte Dr. Christoph Altmann, Chefarzt der Rehaklinik Bad Gottleuba, konkrete Hinweise, Verhaltensanweisungen und auch anschauliche Erfahrungsberichte im Gepäck. Auch hier wurde uns auf sehr ansprechende Weise zum wiederholten Male bewusst gemacht, wie wichtig es ist, sich in den Patienten hineinzuversetzen und regelmäßig zu reflektieren, welche Auswirkungen ärztlich ausgesprochene Anweisungen und Einschränkungen auf den Patientenalltag haben können.

Um Geist und Körper wieder zu erfrischen, versammelten sich die Kolleg/innen anschließend im Sportraum. Christiane Bauer ließ uns in einer Doppelstunde Power Yoga an unsere Grenzen kommen und den Tag aktiv beschließen. Erneut stellten wir fest, wie willkommen der inzwischen nicht mehr wegzudenkende praktische Teil in unserem Curriculum immer wieder ist.

Die zweite Hälfte des Curriculums am Freitag früh war der Orthopädie gewidmet. Anschaulich brachte den Teilnehmer/innen Dr. Roger Scholz, Oberarzt der Klinik für Orthopädie am Uniklinikum Leipzig, das diffizile Thema der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen der Wirbelsäule näher. Unterschiede und Besonderheiten bei entzündlichen und degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen, Spondylodiszitiden sowie Spinalkanalstenosen und M. Scheuermann wurden praxisrelevant aufgefrischt.

Der bei den teilnehmenden Kolleg/innen sehr beliebte und immer wieder gewünschte Vortrag über den „eigenen Fall“ – leider bisher zumeist nur von den Präsidiumsmitgliedern bestritten – rundete den Vormittag ab. Dr. Andreas Schuster aus Annaberg faszinierte dabei wie so häufig das Auditorium mit amüsanten, nachdenkenswerten und auch lehrhaften Fällen aus seinem hausärztlichen Erfahrungsfundus. Die eine oder der andere fand sich selbst dabei wieder, und es entspannen sich lebhafte und hilfreiche Diskussionen.

Am Freitagnachmittag wurden zunächst durch PD Dr. Hans-Joachim Kruse aus Zschopau viele Aspekte zum Lip- und Lymphödem, deren Unterschiede und beachtenswerte „Stolperstellen“ in Diagnostik und Therapie intensiv beleuchtet. Dass betroffene Patienten durch diese Krankheitsbilder doch eine erhebliche Einschränkung im Alltags- und Berufsleben erfahren, und daher stadienangepasste ausreichende Therapie große Bedeutung hat, war allen Zuhörern hinterher ein Stück weiter ins Bewusstsein gerückt worden.

Leitlinien als Entscheidungshilfen sind ein wichtiger Bestandteil im hausärztlichen Arbeiten. Ebenso spielen sie eine Rolle in der studentischen und fachärztlichen Ausbildung, an der sich manche der anwesenden Kolleg/innen und das SGAM-Präsidium aktiv beteiligen, so auch Dr. Roger Voigt aus Oberoderwitz, der anschließend die DEGAM-Leitlinie Herzinsuffizienz vorstellte. Das therapeutische Vorgehen bei diesem Krankheitsbild erlebte in den letzten Jahren einige Änderungen, sodass seine Präsentation und Falldemonstration mit Interesse aufgenommen wurde und für Diskussionen im Auditorium sorgte.

Den Abschluss bildete ein ebenfalls fest etablierter, allseits interessierender Programmpunkt, nämlich Fälle aus der Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen, diesmal vorgetragen durch den SGAM-Präsidenten, Dr. Johannes Dietrich aus Mühlau.

Samstags folgte Fortbildung im Fachgebiet der Psychiatrie. Persönlichkeitsstörungen und der teilweise doch schwierige Umgang mit den betroffenen Patienten sind eine Herausforderung auch für jeden Allgemeinmediziner. Theoretische Grundlagen und praktische Hinweise gab uns dazu Dr. Jörn Conell, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie am Universitätsklinikum Dresden.

Anschließend referierte Prof. Dr. Viera Holthoff vom Universitätsklinikum Dresden zu Gerontopsychiatrie und Delir. Auch dies ist ein Schwerpunkt der hausärztlichen Tätigkeit, der zunehmend Zeit in der hausärztlichen Betreuung und regelmäßiger Wissensauffrischung bedarf. Mit ihrem exzellenten Vortrag konnte die Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie das diesjährige abwechslungsreiche Curriculum gelungen beenden.

Der SGAM-Präsident hob dies in seinem Schlusswort noch einmal hervor, dankte allen Teilnehmern und Referenten für die angenehme Mitarbeit und konnte bereits für Januar 2014 die nächste lohnenswerte Veranstaltung in Aussicht stellen. Man darf gespannt sein auf den bunten Strauß an Themen, die die Sächsische Gesellschaft für Allgemeinmedizin dann ihren Curriculumteilnehmern präsentieren wird.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Anne Gerlach

Schwanauer Straße 78

09128 Chemnitz

gerlach22@gmx.de

Abbildungen:

Abbildung Naturheilkunde anschaulich – Frau Dr. Görgner bei der praktischen Demonstration von Quarkumschlägen


(Stand: 16.04.2013)

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