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Hausarzt – wolkig und heiter

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Susanne Rabady

Österreich hat derzeit vergleichsweise noch geringere Nachbesetzungsprobleme, und die vor allem an den Grenzlinien zu den besser dotierten Nachbarländern Deutschland und Schweiz. Bedauerlicherweise liegt das allerdings auch daran, dass frei werdende Hausarztpraxen zunehmend häufiger an enttäuschte überlastete Krankenhausärzte in ihrer Lebensmitte vergeben werden. Das ist möglich, weil in Österreich bis dato der sogenannte „Turnus“ zur Ausübung des Hausarztberufs berechtigt: eine 3-jährige Krankenhausausbildung, die auch die meisten Spezialisten vor Aufnahme der spezifischen Ausbildung durchlaufen, und die nie ihre Gültigkeit verliert. Die Arbeitsbedingungen in den Spitälern sind so beschaffen, dass immer mehr Kollegen das Weite suchen und die Hausarztmedizin finden.

Freilich kann man mit vollem Recht darüber klagen, dass den Kollegen Spezialisten die Hausarztmedizin offenbar so wenig Respekt einflößt, dass sie sich zur Ausübung ganz locker imstande sehen, ohne sie wirklich erlernt zu haben. Man kann sich aber auch darüber freuen, dass unser Beruf offensichtlich einer ist, der auch von außen als Quelle möglicher beruflicher und persönlicher Befriedigung wahrgenommen wird. Und in der Tat ist es so, dass die umgestiegenen Kollegen zwar – zu ihrer Überraschung – eine Weile für den Kompetenzerwerb brauchen, dass die meisten ihren Umstieg aber nicht bereuen, sondern ihre neue Existenz schätzen.

Im Rahmen des „#1wordforfamilymedicine“-Projekts haben junge Kollegen eine Initiative begonnen, die das Image der Hausarztmedizin verbessern soll, sowohl innerhalb des eigenen Berufsstandes als auch nach außen. Sie sammeln Wörter, die mit dem Hausarztberuf assoziiert werden, und fügen sie in eine „Wolke“ zusammen, die als Logo Selbstbewusstsein erzeugen und signalisieren soll. Die Initiative ging von Polaris aus, der nordamerikanischen Organisation für junge Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner aus den Vereinigten Staaten, Kanada und dem karibischen Raum, die sehr eng mit dem Vasco Da Gama Movement zusammenarbeitet. Die Idee des „#1wordforfamilymedicine“ hat sich schnell weltweit verbreitet und hat von Peru über Tunesien, von Japan über Kuba, auch Österreich erreicht. Bis jetzt wurden 55 grafische Darstellungen aus 35 Ländern auf 5 Kontinenten gestaltet. Die österreichische Wörter-Wolke ziert in der Gestalt unseres nationalen Exportschlagers die Titelseite dieser Ausgabe. Auf den Seiten der „Jungen Allgemeinmedizin Österreichs“ (JAMÖ) schildert Dr. Christofer Patrick Reichel die vielfältigen Ausdrucksformen jung-hausärztlicher Globalisierung.

Wir haben Probleme, Nachwuchs in ausreichender Zahl zu finden, daran lässt sich nicht vorbeischauen. Aber an solch einem Nachwuchs, der international vernetzt, mit Kreativität, Enthusiasmus und Begeisterung in das Hausarztdasein aufbricht, an dem dürfen wir uns laut und deutlich freuen.

In Österreich wurde nun endlich, unter intensiver Mitwirkung der ÖGAM, eine Neuorganisation der allgemeinärztlichen Ausbildung inklusive Lehrpraxis beschlossen. Darüber berichtet (in den ÖGAM-Nachrichten auf S. 152) der frisch gewählte Präsident Christoph Dachs, in Würdigung des ebenso frisch gebackenen und als past president weiterhin aktiven Reinhold Glehr.


(Stand: 17.04.2015)

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