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COPD-Exazerbation: Fünf Tage orale Corticosteroide reichen!

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Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) ist für die Betroffenen eine schwere und folgenreiche Krankheit: Neben der deutlichen Einschränkung der Lebensqualität erleiden rund die Hälfte der Patienten mindestens eine Exazerbation im Jahr (meist durch eine akute virale oder bakterielle Infektion getriggert). Dieses Ereignis führt allein in den USA zu jährlich über 800.000 stationären Einweisungen. In den Vereinigten Staaten stellt die COPD mit 143.000 Todesfällen pro Jahr die dritthäufigste Todesursache dar.

Die meisten nationalen und internationalen Leitlinien empfehlen zur Behandlung von Exazerbationen eine Therapie mit täglich 40 mg Prednison über 10–14 Tage. Im Gegensatz zu gesunden Personen, vertragen COPD-Kranke dieses konservative Therapieregime schlecht und viele nehmen an Gewicht zu, leiden unter Schlaflosigkeit und entwickeln eine Hyperglykämie. Bei den etwa 10 %, die jährlich mehr als zwei Exazerbationen bekommen, kann die jeweilige Steroiddosis so kumulieren, dass sich auch noch ein overter Diabetes mellitus oder eine Osteoporose einstellen können.

Ist die Therapiedauer zu lange bzw. können dieselben Effekte auch durch eine kürzere Behandlung erzielt werden?

Schweizer Kliniker haben jetzt eine randomisierte, doppelblinde (Nichtunterlegenheits-)Studie publiziert, bei der an fünf Schweizer Lehrkrankenhäusern Patienten rekrutiert wurden, die entweder 5 oder 14 Tage lang mit täglich 40 mg oral verabreichtem Prednison behandelt wurden.

Details der Untersuchung:

717 Patienten mit Exazerbation einer bekannten COPD wurden auf Eignung geprüft.

314 Patienten wurden randomisiert (aktuelle oder frühere Raucher [mindestens 20 pack-years]; Alter mindestens 40 Jahre; kein Asthma; geschätzte [Über]Lebenszeit mindestens sechs Monate).

Alle Patienten erhielten neben der Studienmedikation ein Breitspektrumantibiotikum über sieben Tage, einen kurzwirksamen Bronchodilatator; zweimal täglich ein inhalatives Corticoidpräparat, kombiniert mit einem Beta2-Agonist; einmal täglich Tiotropium; Physiotherapie und Sauerstoff.

Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur nächsten Exazerbation während der folgenden sechs Monate; sekundäre Endpunkte waren u.a. Gesamtmortalität, Änderungen der FEV1 und Lebensqualität.

Die Datenauswertung erfolgte per intention-to-treat

Zwischen der 5-Tage- und der 14-Tage-Therapie ergaben sich keine statistisch signifikanten Unterschiede (auch die unerwünschten Wirkungen waren vergleichbar). Bei innerhalb der festgelegten 180 Tage erneut exazerbierten Kranken betrug die mittlere Zeit bis zur nächsten Exazerbation 43,5 bzw. 29 Tage. Dass sich auch die sekundären Endpunkte nicht wesentlich unterschieden, ist bei der relativ kurzen Nachverfolgungszeit kaum verwunderlich – auf eine Folgestudie mit längerem Follow-up darf man gespannt sein.

Vielleicht werden sich nun einige Leser/innen fragen, warum hier eine Studie referiert wird, deren Teilnehmer im Krankenhaus behandelt werden. Meine Antwort:

25 der 314 Patienten wurden ambulant behandelt – in der Realität könnte diese Zahl noch deutlich höher liegen.

Wenn solche Patienten nach dem stationären Aufenthalt wieder bei ihrem Hausarzt erscheinen, sollte der wissen, worauf die angewandte Therapie basiert (wenn sich das Krankenhaus – hoffentlich – an den neuen Erkenntnissen orientiert ...).

Quintessenz: Die Behandlung von Patienten mit exazerbierter COPD ist mit einer fünftägigen Corticoidgabe ebenso wirksam wie mit der bislang üblichen zweiwöchigen Anwendung.

Leuppi JD, Schuetz P, Bingisser R, et al. Short-term vs conventional glucocorticoid therapy in acute exacerbations of chronic obstructive pulmonary disease. The REDUCE randomized clinical trial. JAMA 2013; 309: 2223–2231. Frei verfügbar unter jama.jamanetwork.com/article.aspx

Wikipedia/Bryan Derksen


(Stand: 17.04.2015)

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