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Wozu brauche ich meinen Berufsverband?

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Wozu eine Mitgliedschaft im Berufsverband? Diese Frage würden Ärzte, je nach Zugehörigkeit zu einer Fachgruppe, sicher unterschiedlich beantworten. Wie steht es mit der Mitgliedschaft im Deutschen Hausärzteverband, der mit knapp 30.000 Mitgliedern mehr als die Hälfte der Hausärztinnen und Hausärzte in seinen Landesverbänden organisiert hat? „Was habe ich davon?“, fragen sich Ärzte zu Recht, denn zunächst einmal entstehen Kosten, wobei die Mitgliedsbeiträge, einmal abgesehen von der steuerlichen Abzugsfähigkeit, keine ernsthafte Belastung für eine hausärztliche Praxis darstellen. Hier lohnt ein Blick auf die Entwicklungen der letzten Jahre. Was hat der Deutsche Hausärzteverband in den vergangenen zehn, 15 Jahren erreicht?

Ablösung vom erstarrten KV-System

Mit der Budgetierung unter Horst Seehofer (CSU) 1992 begann das hausärztliche Honorar gegenüber dem fachärztlichen zu bröckeln, die bereits bestehende Ablösung des BMÄ und der E-GO durch den EBM tat ihr Übriges. Eingriffe der Politik, um Hausärzte zu stützen, sind im Beharrungsvermögen der Körperschaft bis zur Wirkungslosigkeit verkümmert. Beginnend um die Jahrtausendwende fing der Deutsche Hausärzteverband an, eigene Verträge mit Krankenkassen abzuschließen, mit dem Ziel, ein angemessenes und nachhaltig kalkulierbares Honorar in eigenen Verträgen mit Krankenkassen, außerhalb der maroden Strukturen der Selbstverwaltung, zu erreichen.

2004 verankerte der Gesetzgeber die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) im SGB V und verpflichtete nach Paragraf 73b SGB V die Krankenkassen dazu, ihren Versicherten eine Hausarztzentrierte Versorgung anzubieten. Dies fußte auf einem gemeinsamen politischen Wirken des Deutschen Hausärzteverbandes und der Gesundheitspolitiker und der Überzeugung, dass die dringend benötigte Stärkung der hausärztlichen Versorgungsebene kaum innerhalb der Strukturen der Selbstverwaltung möglich sei.

Diese Erfolge waren für Hausärzte von enormer Bedeutung und benötigten der hartnäckigen Überzeugungsarbeit des Verbandes. Für die Umsetzung der Verträge baute der Deutsche Hausärzteverband gemeinsam mit der Telekom ein modernes Rechenzentrum auf, mit dem dieser seine Abrechnungen selbst übernehmen kann. Zudem wurde im Zuge der Entwicklung der HZV-Verträge mit dem Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF) im Deutschen Hausärzteverband eine neue Fortbildungskultur etabliert. Die in den HZV-Verträgen vereinbarte hausarztspezifische und kontinuierliche Fortbildung ist fachlich erfolgreich und anerkannt. Auch die Weiterentwicklung in die strukturierte Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen (Diabetologen, Rheumatologen etc.) schreitet seitdem voran und wird von anderen Fächern gern angenommen und zum Teil beim Deutschen Hausärzteverband eingefordert.

Veränderung erfordert Druck

Trotz dieser Erfolge ist hinsichtlich der HZV häufig das Argument zu hören: „Ist ja schön und gut mit den Verträgen, auch dass die HÄVG allein dem Bundesverband und den Landesverbänden gehört, aber in der KV bekomme ich jetzt auch mehr Honorar.“

Wie kommt es also, dass das hausärztliche Honorar unter diesen Bedingungen dennoch steigt? Es ist nicht die Läuterung des Systems. Die Formänderung wird durch den Druck einer konkurrierenden Alternative erzeugt – der erfolgreichen HZV! Dies wird in vielen Äußerungen, auch aus den Führungskreisen der Körperschaften, immer wieder deutlich.

Kommende Herausforderungen

Das System der Selbstverwaltung ist alt, es mehren sich auch von Politikern Stimmen, ob es in dieser Form noch gehalten werden solle – oder könne. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Gefahr groß ist, dass es bei nachlassendem Konkurrenzdruck und nachlassender klarer Position des Deutschen Hausärzteverbandes in seine alte Form zurückkehrt.

Der Deutsche Hausärzteverband war in den vergangenen 10 bis 15 Jahren sehr erfolgreich. Er ist ein anerkannter Player im Gesundheitswesen, seine Vorschläge werden ernst genommen. Beharrliche Zielverfolgung und das konsequente Halten eines Kurses haben ihn zu seinen heutigen Erfolgen geführt. Ohne eine starke Mitgliederstruktur wäre das nicht möglich gewesen. Es gibt also mehr als einen guten Grund, sich zu engagieren!


(Stand: 15.04.2016)

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