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Klinik-Hausarzt-Forum – die Hausarztpraxis in die Klinik bringen

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Jürgen de Laporte

Das Leben und Arbeiten als Hausarzt in eigener Praxis bietet viele Vorteile: Die Hausarzttätigkeit ist anspruchsvoll und spannend, bietet eine flexible Arbeitsgestaltung und als Selbstständiger verdient man mindestens so viel wie ein Oberarzt.

Um genau das zu vermitteln und eine ambulant-stationäre Verzahnung zu schaffen, wurde im Januar 2016 das Pilotprojekt „Klinik-Hausarzt-Forum“ im Klinikum Esslingen, gemeinsam mit der Perspektive Hausarzt Baden-Württemberg und der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Das Ziel der monatlichen Veranstaltungsreihe war es, ärztlichen Kollegen in der Klinik die Arbeit als Allgemeinmediziner und die Möglichkeiten des Quereinstiegs in den Hausarztberuf näher zu bringen.

Das Esslinger Klinikum begrüßte das Projekt, da eine Niederlassung von Mitarbeitern der Klinik im Umfeld die ambulant stationäre Zusammenarbeit verbessert. Es wurden tatkräftig alle Ressourcen zur Verfügung gestellt und das Klinik-Hausarzt-Forum in den Morgen- und Mittagskonferenzen der Kliniken durch die Chefärzte der Inneren Medizin, Chirurgie und Psychosomatik angekündigt. Die Treffen sollten mit Herrn Dr. de Laporte, niedergelassener Hausarzt in Esslingen, und bei Bedarf weiteren Referenten einmal monatlich am dritten Donnerstag im „Casino“ des Klinikums Esslingen stattfinden.

Das Klinik-Hausarzt-Forum hat alle Weiterbildungsassistenten und Klinikärzte angesprochen, unabhängig davon, ob die Niederlassung als Allgemeinmediziner für den Einzelnen zum Zeitpunkt eine Option darstellt. Die vielfältigen und individuell anpassbaren Betätigungsmöglichkeiten in der Hausarztpraxis und der Abbau von Vorurteilen durch direkte und kompetente Information, war das Ziel der Veranstaltung.

Bereits beim ersten Termin des Klinik-Hausarzt-Forums, der von Herr Dr. de Laporte und Herr Portenhauser von der KOSTA (Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin bei der KV Baden-Württemberg) geleitet wurde, kam es in entspannter Atmosphäre zu einem regen Erfahrungsaustausch. Anhand eines Patientenbeispiels aus der Sprechstunde konnten verschiedene Möglichkeiten der umfassenden psychosomatischen Patientenbetreuung in der Praxis im Vergleich zur Akutstation in der Klinik diskutiert werden. Bei den nachfolgenden Terminen des Klinik-Hausarzt-Forums unterstützten Frau Ilka Latuske als Niederlassungsexpertin der KV sowie Dr. Steffi Siepmann, die sich gerade – aus dieser Klinik kommend – niedergelassen hatte, und Dr. Stephan Böhm als erfahrener hausärztlicher Kollege die Veranstaltung. Mit ihrer Fachexpertise führten sie durch Themen wie Multimorbidität in der Hausarztpraxis, der Verdienst als Allgemeinmediziner, die Niederlassung in eigener Praxis oder Anstellung in einer überörtlichen Gemeinschaftspraxis.

Im November 2016 wurde das Projekt Klinik-Hausarzt-Forum abgeschlossen. Trotz intensiver Ankündigungen konnten die Veranstaltungen nur eine geringe Teilnehmerzahl aufweisen. Die Teilnahme schien hauptsächlich durch die hohe Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung in der Klinik begrenzt zu sein, der Fokus der Weiterbildungsassistenten liegt klar auf der eigenen Klinikweiterbildung. Um eine Basis für die erfolgreiche Weiterführung des Projekts schaffen zu können, ist es wichtig, vorab ein organisatorisches Netzwerk von Mitstreitern im hausärztlichen Bereich aufzubauen. Sinnvoll wäre auch eine Teilung der Verantwortlichkeiten, sodass die medizinischen Kollegen die inhaltliche Planung der Themen für das Forum betreuen und an anderer Stelle die Organisation sowie Bewerbung unterstützt werden kann.

Die Teilnehmer der Veranstaltung lobten das Forum und die Informationen aus erster Hand. Ebenfalls besteht vonseiten der Chefärzte eine große Offenheit gegenüber den niedergelassenen Kollegen und ein Interesse an der Niederlassung der weitergebildeten Kollegen im Umfeld der Klinik als spätere Zuweiser. Das Interesse der jungen Kollegen bei den Veranstaltungen zeigte sich themenspezifisch und fokussiert. So wurden Themen wie Multimedikation, Multimorbidität und eine gute Patientenbegleitung unter Zeitdruck besonders interessiert angenommen. Anklang fanden insbesondere Bereiche, die gleichwohl Klinik- und Hausarztspektrum berühren.

Anhand der Evaluation der Initiative von Januar bis November 2016 werden wertvolle Schlüsse für weitergehende Projekte gezogen. Hierbei ist insbesondere klargeworden: Die klinischen Kollegen mit der Hausarzttätigkeit und Niederlassung als Allgemeinmediziner vertraut zu machen, ist ein essentieller Schritt bei der Förderung der medizinischen Grundversorgung. Ein Wegweiser für folgende Projekte kann sein, diese Informationen für Weiterbildungsassistenten und interessierte Quereinsteiger als Zusatzangebot bei Klinikfortbildungen anzuhängen. Denn vom ersten Gedanken an einen Praxisnachfolger bis zur Übergabe können schnell fünf Jahre vergehen. So ist eine kontinuierliche Gesprächsplattform in der Klinik, in der auch hausärztliche Blickwinkel Platz finden, die beste Basis für eine ambulant-stationäre „Verzahnung“: In Zukunft die Weiterbildungsassistenten und die Kreisärzteschaft in die Planung mit einbinden.

Weitergehende Informationen rund um das Klinik-Hausarzt-Forum finden Sie auf der Website der Perspektive Hausarzt Baden-Württemberg, einer Initiative des Hausärzteverbands Baden-Württemberg:

www.perspektive-hausarzt-bw.de/services/klinik-hausarzt-forum-gruenden

Abbildungen:

Abbildung Screenshot als „Vorschau zur Website“

Dr. Jürgen de Laporte


(Stand: 18.04.2017)

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