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Suspekte Werbekampagnen für zuckerhaltige Getränke

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Michael M. Kochen

Foodwatch (www.foodwatch.org), eine unabhängige Organisation, die suspekte Praktiken von Unternehmen der Lebensmittelindustrie untersucht, hat auf eine Verbindung zwischen Coca-Cola und der Berliner Charité hingewiesen.

Die Welt schrieb schon Anfang Februar 2016, die Charité habe über vier Jahre insgesamt eine Million Euro von Coca-Cola für die Forschung zu Herzerkrankungen erhalten. Das gehe aus einem Transparenzbericht von Coca-Cola hervor, den der Konzern bereits im Dezember des Vorjahres veröffentlichte.

Ein Sprecher der Charité sagte auf Anfrage der Zeitung, Coca-Cola habe „von 2011 bis 2015 Forschungsprojekte des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin zur Herzgesundheit von Frauen unterstützt“. Die Förderung sei aber im vergangenen Jahr planmäßig ausgelaufen und der Konzern habe zu keiner Zeit Einfluss auf die Ergebnisse der Studie ausgeübt.

Foodwatch kritisiert, dass die Softdrinks der Firma wie Cola, Fanta oder Sprite mit ihrem hohen Zuckeranteil selbst zur Entstehung von Fettleibigkeit und in der Folge Herzkrankheiten beitrügen. Wörtlich heißt es: „Wenn die Charité mit Coca-Cola gemeinsame Sache macht und eine Charité-Direktorin [gemeint ist Prof. Regitz-Zagrosek vom Berliner Institut für Geschlechterforschung in der Medizin und dem Center for Cardiovascular Research, MMK] ausgerechnet für die, Herzgesundheits-Initiative‘ des Unternehmens wirbt, ist das so, als würde die Charité gemeinsam mit der Tabak-Industrie für Lungenkrebs-Prävention werben“ ([0]=cocacola" >www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/coca-cola-und-charite-direktorin-beenden-kooperation/?sword_list[0]=cocacola).

Nach dem Ausfall der genannten Institution suchte sich Coca-Cola dann Ende 2017 andere Empfänger ihrer Werbung: Kinder.

Die sog. Weihnachtstruck-Tour ist eine jährliche Marketing-Aktion, bei der beleuchtete Lastwagen mit Coca-Cola-Logos an zentralen Plätzen in Innenstädten Halt machen. Vor Ort können Besucherinnen und Besucher zum Beispiel personalisierte Coca-Cola-Flaschen bekommen oder sich mit dem Coca-Cola-Weihnachtsmann fotografieren lassen. Da kommen natürlich nur Erwachsene hin und beileibe keine kleinen Kinder ...

Offiziell hat sich Coca-Cola freiwillig verpflichtet, „verantwortungsvolles Marketing“ zu betreiben und „keine Werbung an Kinder unter 12 Jahren“ zu richten.

Foodwatch schreibt: „Was wie eine nette Aktion für die ganze Familie daherkommt, ist in Wahrheit eine perfide Marketingkampagne des Weltkonzerns. Kinder lieben Weihnachten und den Weihnachtsmann. Coca-Cola nutzt das gezielt aus, um Kinder zu ködern und früh an Zuckergetränke der Marke zu binden“.

In Großbritannien, wo Coke eine ähnliche LKW-Tour veranstaltet, traf der Getränkehersteller bereits auf Widerstand: Behörden und Initiativen forderten Coca-Cola auf, bei der Werbetour keine zuckerhaltigen Getränke an Kinder zu verteilen. Die englische Gesundheitsbehörde Public Health England rief lokale Behörden auf, darüber nachzudenken, ob solche Werbekampagnen vereinbar seien mit dem Ziel, „besorgniserregende Häufungen von Fettleibigkeit und Karies bei Kindern“ zu verringern.


(Stand: 13.04.2018)

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