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„Quartäre Prävention“ oder die Verhinderung nutzloser Medizin

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Thomas Kühlein, Thomas Maibaum, David Klemperer

Schlüsselwörter: Primärmedizin Quartäre Prävention nutzlose Medizin

Zusammenfassung: Nicht alles, was statistisch signifikant ist, ist auch klinisch relevant. Statistische Signifikanz vorausgesetzt, kann die Frage der Relevanz für die meisten Problemstellungen nur individuell beantwortet werden. Die entscheidende Kennzahl dafür ist die Effektgröße einer Maßnahme, wie sie sich vor allem aus randomisiert kontrollierten Studien ergibt. Kleine Therapieeffekte können im Individualfall relevant sein, auch wenn sie für die meisten Patienten entbehrlich sind – und umgekehrt. In diesem Artikel geht es um quartäre Prävention: die Verhinderung irrelevanter oder nutzloser Medizin. Die Unterscheidung zwischen „illness“ (Leiden des Patienten) und „disease“ (Diagnose des Arztes) ermöglicht ein besseres Verständnis der präventiven Aufgaben der Primärmedizin und erleichtert die Abgrenzung von sinnvoller zu nutzloser Medizin. Man kann mithilfe dieser Differenzierung die Prävention in vier Formen einteilen: Primäre Prävention – der Einsatz medizinischer Maßnahmen, obwohl der Patient kein Leiden verspürt und auch keine Diagnose vorliegt, wie zum Beispiel Impfungen. Sekundäre Prävention – Früherkennungsmaßnahmen bei Personen mit Risikofaktoren, die aber bisher nicht krank sind. Tertiäre Prävention – Verhinderung weiterer Ereignisse bei bereits erkrankten Patienten. Die quartäre Prävention meint im weiteren Sinne die Verhinderung nutzloser Medizin und bezieht sich auf die in der Primärmedizin häufige Situation, dass zwar ein Leiden vorliegt, ärztlicherseits jedoch keine behandlungsbedürftige Krankheit diagnostiziert werden kann (und man deshalb mit Diagnostik und Therapie besonders zurückhaltend sein sollte).

1 Allgemeinmedizinisches Institut, Universitätsklinikum Erlangen 2 Facharzt für Allgemeinmedizin, Rostock 3 Facharzt für innere Medizin, Facharzt für öffentliches Gesundheitswesen, Sozialmedizin, Umweltmedizin, Hochschullehrer Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg DOI 10.3238/zfa.2018.0174–0178

Hintergrund

Die heutigen Möglichkeiten der Medizin sind aus historischer Perspektive beeindruckend und waren zu früheren Zeitpunkten kaum vorstellbar. Kehrseite des Nutzens der Medizin ist...


(Stand: 13.04.2018)

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