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Kennen Sie den Schweinezyklus …?

DOI: 10.1055/s-2008-1078709

Kennen Sie den Schweinezyklus …?

Editorial 179 Kennen Sie den Schweinezyklus …? W. Niebling Bibliogra?e DOI 10.1055/s-2008-1078709 Z Allg Med 2008; 84: 179 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse Prof. Dr. W. Niebling Facharzt für Allgemeinmedizin Lehrbereich Allgemeinmedizin Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Schwarzwaldstr. 69 79822 Titisee-Neustadt wniebling@t-online.de In seiner Dissertation „Die Prognose der Schweinepreise“ beschrieb der Diplomlandwirt Arthur Hanau 1927 die Auswirkungen von Angebot und Nachfrage auf die Preisentwicklung von Schweine?eisch. Später wurde der Begriff „Schweinezyklus“ auf periodische Schwankungen v. a. im Arbeitsmarktbereich übertragen. Gute Aussichten in einem bestimmten Tätigkeitsbereich (meist verknüpft mit hohem Prestige und Einkommen) führen zu einer steigenden Zahl von Studierenden, die dann wenige Jahre später in hoher Zahl auf den Arbeitsmarkt drängen und in Konkurrenz untereinander treten, wodurch es zu einer Umkehrung von Angebot und Nachfrage kommt. So konnten wir das Auf und Ab erleben: Bei Lehrern, Ingenieuren, Informatikern … und auch im ärztlichen Bereich. Bestimmte noch bis vor wenigen Jahren der Begriff „Ärzteschwemme“ die gesundheitspolitische Diskussion, reagieren Öffentlichkeit und Politik (letztere meist vor Wahlen) mit hektischem Aktionismus auf den in manchen Regionen bereits eingetretenen, andernorts bislang nur prognostizierten „Ärztemangel“. Um das Problem zu präzisieren: Die Gesamtzahl der im stationären und ambulanten Versorgungsbereich tätigen Ärztinnen und Ärzte ist stetig steigend und im internationalen Vergleich auf hohem Niveau, die der Hausärzte stagniert jedoch in den alten Bundesländern und fällt in den neuen Bundesländern dramatisch. Wir haben es also im vertragsärztlichen Bereich nicht mit einem generellen Ärztemangel, sondern mit einem nicht bedarfsgerechten Verhältnis zwischen den fachärztlichen Disziplinen zu Lasten der allgemeinmedizinischen Versorgung zu tun und in der hausärztlichen Versorgung selbst mit einer deutlichen Unwucht von Großstädten, Ballungsräumen und attraktiven Regionen einerseits und strukturschwachen Gebieten andererseits. Prognostisch wird sich die Problematik in den nächsten Jahren noch verschlechtern. Dafür verantwortlich ist die Altersstruktur der derzeitig tätigen Kolleginnen und Kollegen mit einer größer werdenden Differenz von prognosti- ziertem Bedarf und der erwarteten Abgangsquote von Hausärzten. Weiterhin sind zu nennen die abnehmende Zahl von allgemeinmedizinischen Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten, die in allen Ärztekammern deutlich sinkenden Gebietsanerkennungen und schließlich die demogra?sche Entwicklung mit einer ansteigenden Morbiditätslast gerade in der allgemeinmedizinischen Versorgung. Die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Besetzung freiwerdender Hausarztsitze, bislang ein Phänomen in strukturschwachen Regionenwird, so ist zu befürchten, die in der Versorgung verbleibenden Hausärzte weiter belasten und zu einer Verschlechterung der Berufs- und Arbeitszufriedenheit führen. Wie können wir also die Zukunft der Allgemeinmedizin besser gestalten? Gibt es neben den altbekannten (z. B. der Reduktion auf ausschließlich pekuniäre Anreize) auch innovative Lösungsansätze? So etwa: § eine stärkere Berücksichtigung und Evaluation der Motivation für eine spätere hausärztliche Tätigkeit bei der Zuteilung von Studienplätzen § die Förderung von Mentorenprogrammen und Famulaturen in Landarztpraxen § die Unterstützung von Weiterbildungsverbünden durch die ärztliche Selbstverwaltung, Kostenträger und Politik § die tari?iche Gleichstellung unseres wissenschaftlichen Nachwuchses an den universitären Einrichtungen § die Entlastung von Hausärzten durch Aufwertung und Einbeziehung der Medizinischen Fachangestellten § die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, v. a. für Hausärztinnen § eine offene und sachlich Auseinandersetzung mit Themen wie strukturierte Versorgungsformen, Patientenorientierung, aber auch der Messung hausärztlicher Qualität und darauf basierenden Vergütungsmodellen. Mit besten Wünschen Ihr Wilhelm Niebling Z Allg Med 2008; 84: 179


(Stand: 05.05.2008)

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