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1) Abholz HH. Editorial „Diversifikation“. Z Allg Med 2009; 85: 50 - 2) Abholz HH. „Das Besondere der Allgemeinmedizin …“Z Allg Med 2009; 85: 67–73

Leserbrief zu beiden Artikeln von Dr. Michael Spiel

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie nicht anders von Herrn Abholz zu erwarten, hat er die Prinzipen ärztlicher und insbesondere hausärztlicher Tätigkeit so hervorragend dargestellt, dass man sich als Hausarzt nicht nur bestätigt, sondern auch bestärkt fühlt in seiner Tätigkeit. Hierfür vielen Dank.

Widersprechen möchte ich aber seiner Einschätzung im Editorial, dass die „Diversifikation“ nicht gesteuert sei. Vielmehr spricht doch alles dafür, dass Kapitalgesellschaften wie der Bertelsmann-Konzern mit Macht in das Gesundheitswesen eindringen. Zu diesem Zweck werden die Ärzte zu Kaufleuten, Leistungserbringern und Patienten zu Kunden degradiert. Verfolgt man die „Reformgesetze“ der letzten Jahre, so waren sie doch ausschließlich diesem Ziel, der Übernahme unseres Gesundheitswesens durch eben solche Konzerne gewidmet.

Bestätigung für die These von Herrn Abholz, dass hausärztliche Medizin nicht ausreichend von EBM, Qualitätsindikatoren oder anderen „objektiven“ Kriterien erfasst werden kann, liefert wenige Seiten weiter der Artikel von Graf et al. „Gibt es einen Selektionsbias im DMP-Diabetes?“ Sie fanden keine Unterschiede zwischen den im DMP eingeschriebenen und den nicht eingeschriebenen Diabetikern. Die Frage bleibt also unbeantwortet, warum die einen sich einschreiben ließen, die anderen aber nicht. Die Beantwortung dieser Frage ist aber bedeutend, da in einer ähnlichen AOK-Studie eine verminderte Mortalität bei den im DMP eingeschriebenen Diabetikern bestand. Auch hier konnten keine plausiblen „objektiven Gründe“ gefunden werden. So wurde die verminderte Mortalität eben einer besseren Betreuung in den DMPs zugeordnet. In einer Studie unseres Marbacher hausärztlichen Qualitätszirkels konnten wir aber zeigen, dass zwischen Mortalität und „objektiven Größen“ wie HbAlc, Schulbildung etc. kein Zusammenhang bestand, wohl aber eine Korrelation zwischen Mortalität und der von den Ärzten intuitiv beurteilten „Compliance“. Einem äußerst „weichen“ Parameter also, den wohl ein Hausarzt, nie aber ein PC erfassen kann. Diese intuitive Einschätzung, der „ärztliche Blick“ sind aber Säulen hausärztlicher Tätigkeit.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Spiel

Antwort auf diesen Leserbrief von Prof. Dr. Heinz-Harald Abholz

Die Vermutung von Herrn Dr. Spiel, nach der mittels der Normierung unsere Tätigkeit auch industrie-tauglich gemacht werden soll, kann ich nur teilen. Dass zugleich damit auch etwas sehr Bedeutsames verloren geht – wie er in seinen Beispielen zeigt – mag sich einmal rächen – erst einmal aber wird dies von den modernen Formern nicht bemerkt werden.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Michael Spiel

Facharzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin Chirotherapie

Dorfplatz 6

71711 Murr

Tel.: 0 71 44 / 22 06 0


(Stand: 07.06.2011)

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