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Samuel Huntington gestorben

„Nach meiner Vermutung werden die fundamentalen Konflikte dieser Welt nicht primär ideologisch oder ökonomisch sein. Sie werden sich vielmehr an kulturellen Differenzen erhitzen“. Samuel Huntington, der Verfasser dieser kontroversen Zeilen (1993 als Essay unter dem Titel „Kampf der Kulturen“ in der Zeitschrift „Foreign Affairs“ publiziert), verstarb am 24. Dezember 2008 im Alter von 81 Jahren.

Der Politikwissenschaftler lehrte 58 Jahre an der Harvard-Universität und arbeitete im Weißen Haus unter Präsident Jimmy Carter.

Huntington war während seines Lebens ein vor allem unter Wissenschaftlern umstrittener Mann. In den 80er Jahren wurde ihm zweimal die Mitgliedschaft in der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften verweigert. Das lag vorwiegend an seinem Versuch, seine Thesen durch mathematische Gleichungen zu untermauern. Ein Mathematiker in der Akademie erklärte seinerzeit, Huntington hänge seinen Hypothesen einen wissenschaftlichen Mantel um, der jeder Substanz entbehre.

Besonders kontrovers wurde seine Aussage diskutiert, die chinesische und islamische Kultur stellten die stärkste Bedrohung für westliche Länder dar. Für Politiker in Europa und den USA sprach Huntington nur aus, was viele Zeitgenossen hinter vorgehaltener Hand dachten.

Die Anschläge vom 11. September gaben seinen Thesen neuen Auftrieb. Prominente Wissenschaftler, wie Ökonomie-Nobelpreisträger Amartya Sen von der Harvard-Universität, argumentierten hingegen, dass es für den Versuch, Menschen über den Kamm von Religion oder Zivilisation zu scheren und daraus künftige Konflikte vorherzusagen, keine wissenschaftlichen Belege gäbe.

N. N.

Culture clash.

Nature 2009; 457: 129–30


(Stand: 07.06.2011)

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