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Die Veröffentlichungen der deutschen wissenschaftlichen Allgemeinmedizin 2009

DOI: 10.3238/zfa.2010.0187

Dieter Borgers

Hintergrund: Es wird auf Grundlage des Scopus-Systems eine quantitative Analyse der Publikationen der deutschen universitären allgemeinmedizinischen Institute für das Jahr 2009 durchgeführt.

Methoden: Die Scopus-Literaturdatenbank wird mit Hilfe des „Affiliation“-Feldes und unter Benutzung des Ortsnamens der 31 universitären Institutionen für Allgemeinmedizin des Jahres 2009 mit den Schlagworten Allgemeinmedizin, Family Medicine, Primary Care und General Practice abgefragt.

Ergebnisse: In Scopus sind 140 Originalarbeiten und 26 Reviews dokumentiert. 35 zusätzliche Beiträge beinhalten Editorials und Leserbriefe. Es werden die bevorzugten Zeitschriften aufgelistet, in denen publiziert wird und eine Rangliste der Zeitschriften aufgestellt, aus denen die Referenzen der publizierten Arbeiten stammen.

Schlussfolgerungen: Scopus enthält den größten Teil der wissenschaftlichen Veröffentlichungen der deutschen allgemeinmedizinischen Abteilungen. In Scopus nicht enthaltene Arbeiten sind: Bücher und Buchbeiträge, Beiträge in Zeitschriften, die Scopus nicht führt und selten unbekannte Fehler.

Schlüsselwörter: Allgemeinmedizin, Zeitschriftenliteratur, Deutschland, Scopus

Einleitung

In einer Veröffentlichung der ZFA [1] wurde eine bibliometrische Analyse der Veröffentlichungen der deutschen wissenschaftlichen Allgemeinmedizin erstmalig für den Gesamtzeitraum 1998– 2007 vorgenommen, wie das ähnlich für andere Länder später ebenfalls geleistet wurde. Diese wurde für das Jahr 2008 erstmalig aktualisiert [2] und wird hier für das Jahr 2009 fortgesetzt. Für diese Arbeit wurde wieder das System „Scopus“ vom Elsevier Verlag benutzt, was sowohl deutsche (und europäische) Arbeiten weitaus besser als andere Systeme berücksichtigt, als auch allgemeinmedizinisch und auch sozialwissenschaftlich orientierte Aufsätze und Zeitschriften beinhaltet.

Bibliometrische Kerndaten

Die in Tabelle 1 dargestellten Ergebnisse beruhen auf einem Abfrage-Algorithmus, der auf der Nennung und Darstellung der Adressangaben beruht. Für Einzelheiten und Caveats sei auf den ausführlichen Beitrag unter [1] verwiesen. Arbeiten, die in Scopus als im Druck für 2010 aufgeführt sind, werden nicht berücksichtigt. Als Veröffentlichungsdatum gilt der Zeitpunkt der Publikation in Papierform mit Seitenangaben usw. Nur bei reinen Online-Zeitschriften gilt dies nicht; sie werden mit dem Datum der Online-Publikation aufgenommen. Die Aufteilung in Reviews (in der Definition von Scopus) und Originalarbeiten wurde nicht inhaltlich überprüft. Die in Tabelle 2 dargestellte Rangfolge der Zeitschriften in denen publiziert wird, erlaubt eine Einschätzung der Relevanz von Zeitschriften für die Allgemeinmedizin.

Zitierhäufigkeit

Es ist sinnvoll für eine Betrachtung der Zitierhäufigkeit das Jahr 2008 mit zu benutzen, weil es ja eine Weile dauert, bis eine Arbeit überhaupt zitiert werden kann und dann das Zitat in einer anderen Arbeit erscheint. Zitierungen finden dann aber überwiegend im sofortigen Folgezeitraum statt. Die im Jahre 2008–2009 veröffentlichten 430 Arbeiten wurden in 365 Veröffentlichungen zitiert. 98 dieser Zitate waren Selbstzitate, sodass 267 Zitierungen in Aufsätzen fremder Autoren vorliegen. 12 Artikel wurden 5- bis 10-mal, 30 Artikel 2- bis 5-mal und 40 Artikel mindestens 1-mal zitiert. 348 Artikel wurden gar nicht zitiert. Betrachtet man einen längeren Zeitraum, so findet sich als Ausnahme ein Artikel aus dem Jahr 2005, der herausragt und bis März 2010 180-mal zitiert wurde [3].

Publizierende Abteilungen

Es gibt Abteilungen, deren Umfang wissenschaftliches Arbeiten in systematischer Weise ermöglicht. Einige neuere Abteilungen haben erst im untersuchten Zeitraum ihre Arbeit aufgenommen. Essen, Jena, Witten und Greifswald sind so hinzugekommen. Die Auszählung beinhaltet Originalarbeiten und „Reviews“ (Überblicksarbeiten, Fortbildungsartikel, Leitlinien usw.); sie lässt Editorials, Leserbriefe usw. außen vor. Wer aber diese Auszählung als Beweis für eine Reihenfolge der wissenschaftlichen Relevanz der Abteilungen ansieht, begeht jenen Fehler, der zu einer zivilisatorischen Bedrohung wird: Die Delegation des Denkens und Beurteilens an Algorithmen und die maschinelle Hierarchisierung von Wirklichkeit, wie sie das Internet heute in vielen Bereichen fabriziert.

Welche Zeitschriften zitieren die deutschen Autoren?

Die Rangfolge der Zeitschriften in Tabelle 4, aus denen in den veröffentlichten Publikationen zitiert wird, gibt einen Einblick in die inhaltliche Relevanz von einzelnen Zeitschriften für die wissenschaftliche Arbeit der Allgemeinmedizin.

Diskrepanzen von Abteilungsangaben und Scopus

Da viele Abteilungen sich im Internet durch Webseiten der Öffentlichkeit präsentieren, finden sich dort auch Literaturlisten, welche die eigene wissenschaftliche Produktivität darstellen. Diese Listen enthalten zusätzliche Quellen, die in Scopus nicht vertreten sind. Im Folgenden werden daher am Beispiel von 2 Abteilungen die dafür maßgebenden Gründe genannt (siehe Tabelle 5). Die Zeitschriftendatenbank Scopus enthält keine Bücher, sodass alle Angaben auf den Webseiten der Abteilungen, die sich auf Bücher beziehen, fehlen. Des Weiteren gibt es Zeitschriften, die in Scopus nicht vertreten sind. Dies mag Gründe haben, die einer wissenschaftlichen Bewertung der Qualität nicht standhalten würden, sodass der Wert dieser Publikationen ebenso groß sein kann. Sie wären dann nur in einer internationalen Arena wie Scopus nicht auffindbar. Oft werden auch Arbeiten mit dem elektronischen Publikationsdatum aufgelistet, das bei Zeitschriften in Papierform aber nicht gilt. Diese werden dann erst im Folgejahr gezählt – wenn die Papierpublikation erfolgt ist. Aufgelistet sind auch manchmal Supplement-Bände mit Kongressabstracts als Veröffentlichungen, die in Scopus fehlen. Eher seltener gibt es wirkliche Fehler des Systems. Zum Beispiel war einmal die Stadt mit ähnlichem aber falschem Anfangsbuchstaben in das System übertragen worden oder es fehlte einmal der ganze Jahrgang einer Zeitschrift. Der hier verwendete Suchalgorithmus über das Feld „Affiliation“ findet Beiträge nicht, die keine Adressangabe haben, was manchmal bei Arbeiten und Editorials vorkam. In der Kommunikation zwischen den Verlagen und dem System Scopus sind Fehlermöglichkeiten gegeben. Dies ist ärgerlich für die Autoren. Ich rate daher allen Autoren, ihre Publikationen in Scopus nachzuverfolgen und gegebenenfalls zu reklamieren.

Schlussfolgerungen

Die Sichtbarkeit der wissenschaftlichen Publikationen in Datenbanksystemen wie Scopus, Pubmed und Web of Science ist von Bedeutung, um in der Welt „gesehen“ zu werden. Immerhin wird damit auch die ZFA internationalisiert. Sie ist ja in den Konkurrenz-Datenbanken nicht vertreten und zusätzlich nur bei Google Scholar auffindbar, dem auf dem Internet basierenden Universalsystem jenseits von eigenen Literaturdatenbanken.

Interessenkonflikte: keine angegeben.

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. Dieter Borgers

Abt. Allgemeinmedizin

Heinrich-Heine-Universität

Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf

E-Mail: Dieter@Borgers.info

Literatur

1. Borgers, D. Die universitäre deutsche Allgemeinmedizin im Spiegel ihrer Literatur (1998–2007). Z Allg Med 2008; 84: 44–50

2. Borgers D. Die Veröffentlichungen der deutschen wissenschaftlichen Allgemeinmedizin 2008. Z Allg Med 2009; 85: 407–410

3. Kaduszkiewicz H, Zimmermann T, Beck-Bornholdt H-P, Van Bussche HD. Cholinesterase inhibitors for patients with Alzheimer's disease: Systematic review of randomised clinical trials. BMJ 2005; 331 (7512): 321–323

Abbildungen:

Tabelle 1 Bibliometrische Kennzahlen 2009.

Tabelle 2 Zahl der Veröffentlichungen nach Zeitschrift 2009.

Tabelle 3 Universitäre Kennzahlen für Publikationen 2009.

Tabelle 4 Aus welchen Zeitschriften stammen die Referenzen (Zitate) der veröffentlichten Arbeiten der Allgemeinmedizin?

Tabelle 5 Diskrepanzen von Abteilungsangabe und Scopus 2009.

 

1 Abteilung für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Düsseldorf

Peer reviewed article eingereicht: 10.03.2010, akzeptiert: 23.03.2010

DOI 10.3238/zfa.2010.0187


(Stand: 30.05.2011)

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