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Achtzehn Arztvisiten pro Jahr

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in den Medien wird in letzter Zeit immer wieder darauf hingewiesen, dass „die Deutschen 18-mal im Jahr einen niedergelassenen Arzt aufsuchen“.

Glaubt man diesen Zahlen, scheinen alle Deutschen bei der Gmünder Ersatzkasse versichert zu sein (die übrigens gerade mit der Barmer Ersatzkasse fusioniert hat). Denn aus deren Daten stammen diese Zahlen.

Zitat: „Eine Analyse von Versorgungsdaten der Gmünder Ersatzkasse (GEK) ergab, dass 92,6 % der Versicherten innerhalb eines Jahres mindestens einen ambulant tätigen Arzt aufsuchten. Jeder Versicherte hatte im Jahr durchschnittlich 17,9 Arztkontakte und frequentierte durchschnittlich 1,8 Ärzte (alle ambulanten Fachgruppen) in jedem Quartal. 54 % der Patienten nahmen innerhalb eines Jahres Ärzte aus mindestens vier Fachgruppen in Anspruch.

Diese international außerordentlich hohe Kontaktfrequenz wird auch daran deutlich, dass an einem beliebigen Montag fast 8 % der Bevölkerung in Deutschland einen Arzttermin wahrnehmen. An Spitzentagen, wie dem 1. Oktober 2007, sitzen 11,75 % der Bevölkerung (= 9,7 Millionen Personen) im Wartezimmer eines Vertragsarztes (jede Vertragsarztpraxis versorgte umgekehrt an diesem Tag durchschnittlich etwa 75 Patienten). Im Jahresdurchschnitt sahen die Vertragsärzte in Deutschland die international immer noch sehr hohe Zahl von 34 Patienten pro Tag“. Zitat Ende.

Das Gutachten des Sachverständigenrates für die Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen 2009 (Kurzfassung S. 99) zitiert aber nicht nur die o. g. Daten der GEK, sondern führt auch die Situation im primärärztlichen Sektor auf. Dort heißt es:

„Über 90 % der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland hat einen Hausarzt, im Alter über 65 Jahre sogar 96 %. Dabei handelt es sich in 83 % der Fälle um einen Facharzt für Allgemeinmedizin. Patienten mit einem Hausarzt suchen diesen ca. viermal pro Jahr auf, also durchschnittlich einmal im Quartal“.

Nicht dass Sie mich falsch verstehen: Ich finde auch, dass die Häufigkeit der ambulanten Arztbesuche deutlich zu hoch liegt. Fragt sich nur, wer über viele Jahre diese Entwicklung mit einer fraglichen Abrechnungssystematik herbeigeführt hat ...

Dass es auch anders geht, zeigen die Einschreibesysteme in Großbritannien und den Niederlanden, aber auch die Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung z. B. in Baden-Württemberg und Bayern. Sie sehen u. a. eine Pauschale vor, wenn ein Patient bei seinem Hausarzt „nur“ eingeschrieben ist, aber die Praxis in einem gegebenen Quartal nicht aufsucht.

Dr. Bernd Hontschik, Chirurg in Frankfurt am Main, der vielen von Ihnen als Buchherausgeber und Zeitschriftenautor bekannt sein dürfte (u. a. in einem der letzten Hefte der ZFA zur Problematik der elektronischen Gesundheitskarte) schreibt seit Jahren eine regelmäßige Kolumne in der „Frankfurter Rundschau“. Attribut: kurz und witzig.

Mit seiner freundlichen Erlaubnis folgt hier seine gleichnamige Kolumne, die sich genau dieser Problematik widmet.


(Stand: 30.05.2011)

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