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Fettleber: Ein Mythos wird beerdigt

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Die nichtalkoholische Fettleber (NASH) war schon zweimal Thema eines Benefits: das erste Mal im Mai 2010 und dann im Juni letzten Jahres.

Unter dem Titel „Die Fettleber-Sau wird durchs Dorf getrieben“ wurde der erste der beiden Texte (aus dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel) rezensiert, der mit den dunklen Worten begann „Bei jedem fünften Deutschen strotzt die Leber vor Fett. Jetzt warnen Ärzte: Auch ganz ohne Alkohol endet das Leiden oft in der Zirrhose“.

Rechtzeitig vor Weihnachten 2010 war es dann die Tageszeitung Die Welt, die denselben „Experten“ wie im Spiegel, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Leberhilfe Claus Niederau zu Wort kommen ließ (Niederau ist Chefarzt der Inneren Medizin am St. Marien-Hospital in Oberhausen und wird durch die Firmen Roche Pharma, Essex Pharma, Gilead Sciences, GlaxoSmithKline, Dr. Falk Pharma, Novartis Pharma, Roche Austria und Bristol-Myers Squibb gesponsort).

Der alarmierendste unter den Mythen, die von einigen Medien der Laienpresse als angebliche Fakten vermarktet werden, lautet: Die Fettleber führt unbehandelt früher oder später zum Tode. Die Welt: „Auch wenn sie erkrankt und langsam stirbt, bleibt dies vom Betroffenen meist jahrelang unbemerkt. Bis es oft zu spät ist und ihr Gewebe verschrumpelt oder von Krebs zerfressen ist.“

„Unbehandelt“ suggeriert, dass es eine wirksame Behandlung gäbe und auf der Themenseite der Welt findet sich auch – natürlich rein zufällig – eine Werbung für ein Therapeutikum aus Mariendistel. Die lyrische Indikationsliste des beworbenen, „besonders schonend extrahierten und in seiner Reinheit einzigartigen“ Präparates beschränkt sich keineswegs auf die Fettleber („Leberwerte senken, Entgiftung der Leber, bei fettiger und zuckerreicher Ernährung, bei Fettleber, bei häufigem Alkoholkonsum, nach der Einnahme von Medikamenten, bei Gallenproblemen, bei Hepatitis, nach einer Chemotherapie, bei erhöhten Leberwerten als Kuranwendung“).

Amerikanische und spanische Wissenschaftler/innen haben nun in einer prospektiven Kohortenstudie (repräsentative Auswahl der amerikanischen Bevölkerung; 11.371 Personen) gezeigt, dass Menschen mit nichtalkoholischer Fettleber keineswegs ein erhöhtes Sterberisiko haben.

Damit nicht genug: Auch Todesfälle durch kardiovaskuläre Erkrankungen oder Krebs traten gegenüber Personen ohne NASH nicht vermehrt auf. Selbst die (numerisch erhöhte) Sterblichkeit durch Lebererkrankungen unterschied sich nicht signifikant.

Es wird Sie nicht weiter verwundern, dass die Autor/innen keine Interessenkonflikte aufwiesen.

Lazo M, et al. Non-alcoholic fatty liver disease and mortality among US adults: prospective cohort study. BMJ 2011; 343: d6891

Foto: fotolia /Sebastian Kaulitzki


(Stand: 15.05.2012)

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