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Der Workshop „Karriere in der Allgemeinmedizin“ – Rückblick, Status quo und Ausblick

DOI: 10.3238/zfa.2014.0207-0208

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Nadine Janis Pohontsch

Vom 17.–19.01.2014 fand zum nunmehr siebten Mal der Coaching-Workshop „Karriere in der Allgemeinmedizin“ unter der Anleitung und Moderation der Psychologin Joanna Bouchi-Häfner (TEAMTAB) statt. Ich selbst habe in den Jahren 2013 und 2014 Gelegenheit gehabt, an diesem Workshop teilzunehmen, den ich als Psychologin und „Mittelbauerin“ in der Allgemeinmedizin als sehr hilfreich für meine Karriereplanung und persönliche Weiterentwicklung empfunden habe.

Rückblick

Der Workshop wurde 2006 von zwei „Mittelbauern“ (Sandra Quantz und Attila Altiner) initiiert, mit der Idee sich in einer Gruppe Gleichgesinnter über die persönlichen Erfahrungen auf dem „Karriereweg“ vor allem mit dem Fokus auf die Habilitation in der Allgemeinmedizin auszutauschen. Diese erste Reflexionsrunde wurde bereits extern begleitet. Neben der klassischen Moderation kam hier die Coaching-Methode „Zeitstrahl“ zum Einsatz (dabei beschreibt die zu coachende Person anhand ihres persönlichen Werdegangs ihre derzeitige Position sowie ihre Pläne, Herausforderungen, Aufgaben und Ziele für die akademische Entwicklung). Nach einem Moment des „Zurücktretens“ und der Selbstreflexion bekommt die Person Feedback von der gesamten Gruppe, was auch schriftlich festgehalten wird. Im Anschluss besteht für die Person die Möglichkeit, erste Eindrücke und Veränderungen zu äußern. Dieser Prozess sowie der vertrauensvolle Austausch auf Augenhöhe wurden von allen als sehr gewinnbringend bewertet.

Die Gründungsgruppe einigte sich daher darauf, das Format des Workshops beizubehalten, dieses im folgenden Jahr in Berlin zu wiederholen und für neue Teilnehmer offen zu halten. Im nächsten Jahr wuchs die Gruppe um sechs neue TeilnehmerInnen auf elf an – ein Teilnehmer der ersten Gruppe war nicht wieder dabei. Zudem wurde dieses Format nun (wie auch in den Folgejahren) von der DEGAM finanziell unterstützt. Neben der „Zeitstrahl“-Arbeit nahmen angesichts der damals drohenden Abschaffung der Habilitation durch die europaweite Vereinheitlichung der Studiengänge, Diskussionen zum Für und Wider einer Habilitation und der Habilitations-Vorschriften verschiedener Standorte einen großen Raum ein. Im Jahr 2008, mittlerweile auf 14 TeilnehmerInnen angewachsen, tagte die Gruppe in Göttingen. Als zweiter Förderer der Gruppe konnte die Gesellschaft der Hochschullehrer für Allgemeinmedizin (GHA) gewonnen werden. Neben der „Zeitstrahl“-Arbeit fand auch ein ca. zweistündiges Gespräch mit dem damaligen Präsidenten der DEGAM, Prof. Dr. Michael M. Kochen, zu den allgemeinen Entwicklungen in der Allgemeinmedizin statt, das von allen Teilnehmern als sehr zielführend, konstruktiv und hilfreich erlebt wurde. In diesem Jahr fand aufgrund der hohen TeilnehmerInnenzahl ein zweites Treffen in Hannover statt. Im Jahr 2009 kamen 17 TeilnehmerInnen nach Hannover. Ein gutes Drittel der Gruppe bildeten TeilnehmerInnen, die zum ersten Mal dabei waren. Joanna Bouchi-Häfner bekam in diesem Jahr Unterstützung durch Sandra Quantz als Komoderatorin, sodass die Gruppe aufgeteilt werden konnte und alle TeilnehmerInnen Gelegenheit hatten, ihren persönlichen Zeitstrahl zu präsentieren. Ein besonderes Highlight dieses Workshops war die Erstellung eines Zeitstrahls für die „Alte Dame Allgemeinmedizin“. Unter dem Motto „Von der Erfüllerin zur Gestalterin“ entwarf die Gruppe einen Zeitstrahl für diese immer im Hintergrund anwesende Teilnehmerin. Als primäre, für die nahe Zukunft bedeutsame Zielstränge wurden 1) die Aus-, Weiter- und Fortbildung; 2) der Wissenstransfer (sowohl von der Forschung in die praktische Tätigkeit/Versorgung als auch in Form einer Messung des Outcomes) und 3) die Transparenz der stattfindenden Rationierung innerhalb des Arzt-Patienten-Verhältnisses, erarbeitet. Der fünfte Workshop fand 2010 in Frankfurt am Main statt. Zum ersten Mal überwog die Anzahl der weiblichen Teilnehmerinnen deutlich: Von acht Personen, die sich zum Austausch über Karrieremöglichkeiten in der Allgemeinmedizin und zur Arbeit an der persönlichen Weiterentwicklung trafen, waren sechs weiblich.

In den Jahren 2011 und 2012 fand kein Workshop statt. Die Selbstorganisation ist ein wesentliches Merkmal der Gruppe – für das jeweils nächste Treffen braucht es SchirmherrInnen, die die Organisation übernehmen. Die Zukunft der Anwesenden war für die Folgezeit offen, u.a. durch befristete Verträge oder persönliche Übergänge, sodass zum ersten Mal am Ende des Workshops kein neuer Austragungsort feststand. Es fanden sich jedoch zwei Verantwortliche, die die Idee weiterverfolgen wollten, sobald sich die Gelegenheit bieten würde. Diese Gelegenheit fand sich 2013: 16 Anmeldungen zeigten, dass der Bedarf an einem solchen Workshop immer noch groß war. In Hamburg begrüßte Prof. Dr. Martin Scherer, der 2007 und 2008 selbst noch Teilnehmer des Karriere-Workshops war, die TeilnehmerInnen als Hausherr im Institut für Allgemeinmedizin des UKE. Auch diesmal war ein hoher Frauenanteil unter den WorkshopteilnehmerInnen (11 von 13 TeilnehmerInnen). Ein besonders intensiv diskutiertes Thema war in diesem Jahr die Integration verschiedener nichtmedizinischer Disziplinen (z.B. Psychologie, Ergotherapie oder Sozialpädagogik) in die akademischen Institute für Allgemeinmedizin. Eine Neuerung des Workshops im Jahr 2013 stellte die Durchführung der Methode der „Kollegialen Beratung“ in abgewandelter Form und der „Dialog-Methode“ dar. Dabei handelt es sich um ein Beratungsgespräch, in dem KollegInnen sich nach einer vorgegebenen Gesprächsstruktur unter Anleitung einer der KollegInnen (als Moderator) wechselseitig zu beruflichen Fragen und Schlüsselthemen beraten und gemeinsam Lösungen entwickeln. Im Dialog führt die Gruppe ein Gespräch nach anderen Regeln. Im Gegensatz zur Diskussion wird im Dialog z.B. durch Verlangsamung ermöglicht den eigenen Annahmen, Überzeugungen und Ideen auf den Grund zu gehen. Die Haltung „Glaube nicht alles, was Du denkst“ kann befreiend wirken, um innovative Wege zu beschreiten. Durch die Beobachtung des eigenen Denkens vor allem beim Zuhören und Entwickeln von Gedanken beim Sprechen, können sich neue Einsichten einstellen – entweder über sich selbst oder über das Thema. Des Weiteren stellte sich Prof. Dr. Hanna Kaduszkiewicz, als ehemalige Teilnehmerin und inzwischen Habilitierte, für eine Fragestunde zur Verfügung und berichtete über ihren persönlichen Weg zur Habilitation. Dieser Beitrag wurde als sehr hilfreich und inspirierend bewertet.

Status Quo

Im Jahr 2014 waren nur drei der acht Teilnehmerinnen Ärztinnen, die übrigen sind zwar in der Allgemeinmedizin tätig, kommen aber aus anderen Fachbereichen. So waren 2 Psychologinnen und jeweils eine Soziologin, eine Kulturanthropologin und eine Gesundheitswissenschaftlerin unter den Teilnehmerinnen. Ihre Promotion hatten fast alle Teilnehmerinnen abgeschlossen, eine Teilnehmerin stand kurz davor. Das Altersspektrum erstreckte sich von 33–50 Lebensjahren. Neben der zunehmenden Diversität bilden sich in der Teilnehmerstruktur zwei Trends ab, die Feminisierung der (akademischen) Allgemeinmedizin und die starke Präsenz nichtärztlicher MitarbeiterInnen in den Instituten für Allgemeinmedizin der deutschen Hochschulen. Rückblickend kann man sagen, dass in den Workshops neben den persönlichen Themen der einzelnen TeilnehmerInnen auch Themen aufgegriffen und diskutiert werden, die die Entwicklung der gesamten (akademischen) Allgemeinmedizin betreffen.

Ich denke, dass ich im Namen aller Workshop-Teilnehmerinnen des Jahres 2014 (siehe Abb. 1) und wahrscheinlich auch der Vorjahre sprechen kann, wenn ich sage: Wir danken der DEGAM und der GHA für die Förderung dieses wichtigen Workshops, der in jedem Jahr wieder von den Teilnehmern als produktiv, kreativ und zielführend wahrgenommen wurde. Auch wenn ich Joanna Bouchi-Häfner für ihren langjährigen, immer professionellen und warmherzigen Einsatz als Moderatorin der Workshops herzlich danke, denke ich im Namen aller bisherigen Teilnehmer sprechen zu können. Des Weiteren gilt der Dank allen Hausherren, die die Räume für die Workshops kostenlos zur Verfügung gestellt haben.

Ausblick

Der Workshop wird im nächsten Jahr vom 16.–18. Januar in Berlin stattfinden und über den Mittelbauer-Verteiler und Flyer auf dem DEGAM-Kongress beworben werden. Interessierte sind herzlich willkommen! Ansprechpartnerin für den Mittelbauer-Verteiler ist Dr. Marion Eisele (m.eisele@uke.de).

Korrespondenzadresse

Nadine Janis Pohontsch

Institut für Allgemeinmedizin

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Martinistr. 52, 20246 Hamburg

Tel.: 040 7410–55537

n.pohontsch@uke.de

Abbildungen:

Abbildung 1 Teilnehmerinnen des Karriere-Workshops 2014

Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

DOI 10.3238/zfa.2014.0207–0208


(Stand: 12.05.2015)

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