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„Lieber das Risiko eines plötzlichen Herztodes als das Risiko eines tödlichen Elektroschocks“

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Viele von Ihnen kennen noch den renommierten Fernsehjournalisten Dagobert Lindlau. Der 82-Jährige trägt seit einem Herzinfarkt vor sechs Jahren einen implantierbaren Kardioverter/Defibrillator (ICD) der Firma Medtronic.

Auf deren Webseite www.medtronic.de/therapien/defibrillatoren-implantierbare/index.htm heißt es wörtlich: „Ein implantierbarer Defibrillator, auch ICD (von implantierbarer Cardioverter Defibrillator) oder umgangssprachlich kurz Defi genannt, behandelt schnelle Herzrhythmusstörungen, die sogenannte Tachykardie. Ein implantierbarer Defibrillator überwacht Ihr Herz Schlag für Schlag, um im Notfall effektiv vor dem plötzlichen Herztod zu schützen, der die Folge einer Tachykardie sein kann“. Ein wohlklingender Spruch, der mit der Realität der Modellreihe „Fidelis“ offenbar wenig zu tun hat.

Wie Ekkehard Müller-Jentsch, Redakteur der Süddeutschen Zeitung berichtet, hat Lindlau einen Prozess gegen den Hersteller angestrengt, weil es durch Schäden an der Isolierung der betreffenden Serie zu einer – tödlichen – Fehlfunktion kommen kann. In den USA, in denen Medtronic das Gerät bereits 2007 vom Markt genommen hat, erhielten betroffene Patienten 268 Millionen USD. Hierzulande müssen Patienten gerichtlich um ihr Recht streiten.

Eine Explantation des Gerätes, laut Medtronic „schlicht möglich“, halten sowohl die behandelnden Ärzte als auch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie für zu gefährlich. Lindlau hat im Oktober 2011 entschieden, den ICD abzuschalten. Zitat: „Lieber das Risiko eines plötzlichen Herztodes als das Risiko eines tödlichen Elektroschocks“.

In Deutschland werden Medizinprodukte (dazu gehören u.a. auch Hüftendoprothesen, Silikonpolster zur Brustimplantation …) lediglich technisch geprüft, aber die Verwendung nicht kontrolliert. Die Hersteller müssen nur eine freiwillige Selbsterklärung abgeben, um ihre Produkte in den Verkehr zu bringen. Das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kann lediglich Kontakt mit dem Hersteller aufnehmen und Empfehlungen aussprechen – ein andauernder Skandal auf Kosten der Patientengesundheit.

Foto: fotolia/Carolina K Smith MD


(Stand: 13.05.2015)

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