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Seffrin J. Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität. 6 Fragen an Peter Gøtzsche. Z Allg Med 2015; 91: 89–91

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Leserbrief von Dr. Thomas Maibaum

Sehr geehrter Herr Kollege Seffrin, insgesamt ist es ja sehr lobenswert, dass Sie und Herr Gøtzsche auch uns Lesern der ZFA noch mal vor Augen führen, dass die „böse“ Pharmaindustrie mit allen legalen und sicher auch einigen illegalen Mitteln versucht, ihre Produkte an den Mann/die Frau zu bringen. Die verschiedenen Tricks sind ja schon lange hinreichend bekannt, trotzdem schafft es wohl keiner von uns ganz, diesen Tricks nicht auf den Leim zu gehen. Nicht zuletzt, da wir häufig auch kaum eine andere Chance haben, da Gegenstudien/-positionen viel weniger Möglichkeiten haben auch publiziert zu werden.

Hier liegt meiner Ansicht nach aber auch die Limitation des Buches von Gøtzsche. Sie machen es sich zu einfach, alle Schuld bei einem abzuladen.

Wie z.B. Ben Goldacre in „Bad Pharma“ oder auch Evans et al. in „Wo ist der Beweis“ gut dargelegt haben, sind es eigentlich wir alle, die dazu beitragen, dass genügend Medikamente ohne großen Nutzen viel zu oft und bei viel zu vielen Indikationen verschrieben werden.

  • Da ist sicher die Pharmaindustrie,
  • aber genauso die Forscher, die viel mehr daran interessiert sind, dass ihre Studie ein positives Ergebnis heraus bekommt,
  • die Universitäten, die öffentliche Gelder nach „Drittmittelakquise“ verteilen,
  • die Herausgeber der Zeitschriften, die eher Ergebnisse publizieren, die ein „Mehr“ an Medikament bevorzugen und bezüglich der Interessenkonflikte gerne wegsehen,
  • die „peers“, die häufig genauso verstrickt sind und „wes Brot ich ess’, des Lied ich sing“ mitspielen,
  • die öffentlichen Behörden, die sich häufig genug nicht die Daten genau genug ansehen, bevor sie etwas zulassen,
  • die Politik, die dem Ganzen keinen Riegel vorschiebt und weiter zulässt, dass nur ein Bruchteil der angemeldeten Studien publiziert wird,
  • die Juristen, die uns hindern den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen, und uns dazu bringen, dass wir nur alles tun, aber wenig lassen, um ja keinen Ärger zu kriegen,
  • die Medien, die – häufig genug selbst gekauft – die allgemeine Hysterie mit anstacheln und nicht zuletzt natürlich
  • wir Ärzte, die viel zu viel unkritisch hinnehmen, weil wir einfach nicht genug Zeit haben, alles kritisch zu hinterfragen und es aber in unserer Aus-, Fort- und Weiterbildung auch kaum lernen, wie das kritisch Hinterfragen eigentlich geht,
  • ...

Also frei nach Matthäus 7 Vers 3–5: „Warum siehst du den Balken im Auge deines Bruders, aber den Splitter in deinem Auge bemerkst du nicht?“ Lasst uns vielmehr auf Splitterjagd gehen, da gibt es genug zu tun.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Thomas Maibaum

Kolumbusring 61

18106 Rostock

Tel.: 0381 1201828

thomas.maibaum@yahoo.de


(Stand: 26.05.2015)

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