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ZFA auf Englisch?

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Andreas Sönnichsen

In dieser Ausgabe der ZFA wagen wir ein Experiment: Zum ersten Mal erscheint eine Originalpublikation in der ZFA in englischer Sprache (S. 222). Es handelt sich um eine Studie zur Komplexität der hausärztlichen Beratungsanlässe, die im Rahmen einer Bachelor-Arbeit in dem zweisprachigen Studiengang Humanmedizin der University of Southampton and Kassel School of Medicine durchgeführt wurde.

Doch ist dies eine hinreichende Begründung, die Arbeit in einem deutschsprachigen Journal auf Englisch abzudrucken? Nein, sicherlich nicht; jedenfalls nicht alleine.

Wir bemühen uns seit Jahren darum, die ZFA in Pubmed/Medline zu listen, und die Deutschsprachigkeit ist hier eines der entscheidenden Hindernisse. Der Versuch, zusätzlich zu den schon jetzt üblichen englischen Zusammenfassungen, einzelne Artikel auf Englisch erscheinen zu lassen, ist also in aller erster Linie dem Bemühen geschuldet, die Pubmed-Listung wahrscheinlicher zu machen. Nun mag man darüber streiten, ob das überhaupt erstrebenswert oder notwendig ist. Ist der Zweck der ZFA nicht vielmehr, eine Diskussionsplattform für die deutsche Allgemeinmedizin zu schaffen, ein Sprachrohr für die DEGAM und eine Publikationsmöglichkeit für die deutsche akademische Allgemeinmedizin, die dann eben auch von Deutschen gelesen wird und in deutscher Sprache gelesen werden will?

Ja, das ist schon richtig, aber ...

Wenn die in Deutschland noch junge akademische Allgemeinmedizin unter den anderen medizinischen Fachdisziplinen bestehen möchte und endlich auf Augenhöhe wahrgenommen werden will, dann bleibt ihr nichts anderes übrig, als den Wahnsinn der Impact-Faktoren mitzumachen. Was nicht heißen soll, dass wir dieses System für sinnvoll halten! Ganz im Gegenteil: Wenn man sich die pubmedgelistete Publikationsflut näher ansieht, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Während in den 70er Jahren noch ca. 20.000 neue Publikationen pro Monat in Pubmed aufgenommen wurden, liegen wir derzeit bei rund 120.000 (siehe Abb.), mit exponentieller weiterer Steigerung!

Man darf getrost annehmen, dass über 90 % dieser Veröffentlichungen nicht dem medizinischen Fortschritt sondern ausschließlich dem Karrierefortschritt der Autoren und dem Impact-Wahn dienen. Wollen wir da wirklich mit dabei sein?

Das Problem ist, dass uns im Moment nichts anderes übrig bleibt, als den Wahnsinn mitzumachen – und gleichzeitig dafür zu kämpfen, dass die Qualität wieder mehr zählt als die Quantität.

Als weiterer Grund für einen englischsprachigen Artikel in der ZFA mag noch angeführt werden, dass wir (akademischen) Allgemeinmediziner uns öffnen in Richtung Europa und hier die internationale Zusammenarbeit gefördert werden soll. Warum sollte nicht auch einmal ein Artikel aus einem anderen europäischen Land bei uns erscheinen? Und das darf dann gerne auf Englisch sein.

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu englischsprachigen Artikeln im streng genommen einzigen wissenschaftlichen Journal für Allgemeinmedizin in Deutschland!

Auch mit dieser – in Teilen ungewohnten – ZFA wünsche ich Ihnen viel Freude bei der Lektüre!

Herzlichst Ihr

Abbildungen:

Abbildung Neue pubmedgelistete Publikationen pro Monat


(Stand: 16.05.2017)

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