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Güthlin C, Klein G. Informations- und Fortbildungsbedarf von Hausärzten zu komplementären Verfahren bei Krebspatienten. Z Allg Med 2017; 93: 172–7

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Leserbrief von Prof. Dr. Norbert Schmacke

Dres. Corina Güthlin und Gudrun Klein geben wertvolle Hinweise zur Fortbildungssituation der Hausärztinnen und Hausärzte in onkologischen Fragen und greifen dabei die Tatsache auf, dass viele Patientinnen und Patienten nach alternativen oder komplementären Therapien fragen und diese z.T. auch ohne Wissen ihrer Therapeut/innen anwenden. Leider ist es so, dass an immer mehr deutschen Universitäten Verfahren, die sich selber der Komplementärmedizin zurechnen, von Vertretern dieser Richtungen (Homöopathie, anthroposophische Medizin, traditionelle chinesische Medizin – um drei häufig vertretene zu nennen) ohne jede Qualitätskontrolle unterrichtet werden. Damit wird der Eindruck unterstützt, es handele sich um ganz normale Therapierichtungen. Wie nicht zuletzt aus dem Ergebnis der Autorinnen abzuleiten ist, besteht ein gewaltiger Fortbildungsbedarf zur Evidenzbasierung der komplementären Verfahren. Dies ergibt sich vor allem schon daraus, dass seit den 70er Jahren ein wachsender Anteil niedergelassener Ärztinnen und Ärzte regelhaft Verfahren wie die Homöopathie einsetzen, für die es keinerlei belastbare klinische Studien gibt.

Für Fortbildung in Sachen Komplementärmedizin bieten sich die Lehrstühle für Allgemeinmedizin vermutlich in besonderer Weise an. Sie müssten dafür wohl gesondert personell ausgestattet sein und deutlich machen, dass es bezüglich der Frage nach Nutzen und Schaden um genau dieselben methodischen Ansätze geht wie bei allen diagnostischen und therapeutischen Fragen. Komplementär- und Alternativmedizin (CAM) ist ein ideologisches Konstrukt, das sich wissenschaftlich nicht definieren lässt [1]. Es darf nicht ungewollt immer weiter aufgewertet werden, so wenig, wie evidenzfreie Verfahren von den Krankenkassen bezahlt werden dürften. Ein ganz anderer Fortbildungsbedarf ist freilich noch darin zu sehen, mit Patientinnen und Patienten darüber zu sprechen, warum sie CAM-Verfahren für sich in Erwägung gezogen haben oder ziehen möchten. Dass dabei nicht so selten, wenn auch nicht durchgängig, schlechte Erfahrungen mit Ärztinnen und Ärzten eine Rolle spielen [2], bedarf wirklich immer wieder der Reflexion, wie sie z.B. Balintgruppen anbieten können.

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Norbert Schmacke

Universität Bremen

Inst. für Public Health und Pflegeforschung

Tel.: 01520 8987285

schmacke@uni-bremen.de

Literatur

1. Schmacke N. Evidenz – Glaube – politische Adelung. Positionen zur so genannten Komplementärmedizin. Westf Ärztebl 3/2017: 26–7. www.aekwl.de/fileadmin/aerzteblatt/pdf/waeb0317.pdf (letzter Zugriff am 21.04.2017)

2. Schmacke N, Stamer M, Müller V. Gehört, gesehen und verstanden werden: Überlegungen zu den Lehren aus der Homöopathieforschung. Z Allg Med 2014; 90: 251–5


(Stand: 16.05.2017)

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