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„Der E-Sport wird olympisch ...“

Wilhelm Niebling

Liebe Leserinnen und Leser der ZFA, Sie mögen sich ob dieser Aussage verwundert die Augen reiben, doch es ist ein Vorhaben unserer Bundesregierung. Sollte ich damit Ihr Interesse geweckt haben, empfehle ich Ihnen die Lektüre des Koalitionsvertrages von CDU, CSU und SPD vom 7. Februar 2018. Ich verspreche Ihnen, es wird keine Langeweile aufkommen, da das 179-seitige Opus alle Formate gängiger Literatur abdeckt: Vom Sachbuch über den Abenteuerroman bis zum Science­fiction-Genre. Einige Schmankerl der insgesamt 14 Kapitel möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

  • Wir gestalten den Weg in die Gigabitgesellschaft mit höchster Priorität …
  • Unser Ziel lautet: Glasfaser in jeder Region und jeder Gemeinde, möglichst direkt bis zum Haus …
  • Wir führen eine vollständig elektronische Vorgangsbearbeitung in der öffentlichen Verwaltung (E-Akte) zügig ein …
  • Wir werden das bestehende E-Health-Gesetz im Zuge technologischer Innovationen im Dialog mit allen Akteuren weiterentwickeln und einen konkreten Aktionsplan bis 2020 mit Maßnahmen und Meilensteinen aufstellen …
  • Wir treiben den Abbau von Bürokratie weiter voran …
  • Da E-Sport wichtige Fähigkeiten schult, die nicht nur in der digitalen Welt von Bedeutung sind, Training und Sportstrukturen erfordert, werden wir E-Sport künftig vollständig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anerkennen und bei der Schaffung einer olympischen Perspektive unterstützen …

Manche dieser Forderungen erinnern mich an die Anfangszeilen des Gedichtes „Das Ideal“ von Kurt Tucholsky:

„Ja das möchste:

Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,

vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße:

mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,

vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn ...“

Und – bevor ich zum ernsten Teil meines Editorials komme, noch etwas für die Jäger unter Ihnen: Wir werden bundeseinheitliche Regelungen für eine Zertifizierung von Jagdmunition mit optimaler Tötungswirkung bei gleichzeitiger Bleiminimierung … schaffen.

Die Vorhaben zum Bereich „Gesundheit und Pflege“ sind im verabredeten Koalitionsvertrag auf knapp sieben Seiten formuliert. Darunter bedenkenswerte und begrüßenswerte wie die geplanten Verbesserungen in der Alten- und Krankenpflege, die Stärkung der Hospiz- und Palliativversorgung, die Flexibilisierung der Bedarfsplanung, die Honorarreform im GKV- und PKV-Bereich, die Fortsetzung des Innovationsfonds und nicht zuletzt das Bekenntnis zur Stärkung der Allgemeinmedizin mit dem Versprechen einer besseren Vergütung von hausärztlichen Leistungen und der „sprechenden Medizin“.

Zwei Themen, mit denen sich die DEGAM, aber auch die GHA in den letzten Jahren intensiv beschäftigt haben – der Masterplan Medizinstudium 2020 und die Kompetenzzentren Weiterbildung im Rahmen des § 75a SGB V – sind im Koalitionsvertrag prominent vertreten:

  • Wir wollen die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 zur Neustrukturierung und Verbesserung der Medizinerausbildung, zur Stärkung der Allgemeinmedizin, zur Anpassung des Zulassungsverfahrens und zur besseren flächendeckenden hausärztlichen Versorgung gerade in ländlichen Regionen eng begleiten.
  • Darüber hinaus werden wir zusätzliche Anreize zur Qualifizierung von Weiterbildern durch die regionalen Kompetenzzentren Weiterbildung Allgemeinmedizin setzen.

Soweit so gut könnte man meinen, wären da nicht die Versuche von „verschiedenen Seiten“ Inhalte und Ziele des „Masterplan Medizinstudium 2020“ zu diskreditieren und seine Umsetzung zu verhindern. So äußerten in einem Artikel der FAZ vom 28. März dieses Jahres („Neue Ärzte braucht das Land?“) Dekane und Studiendekane von 12 Medizinischen Fakultäten deutliche Zweifel am Sinn und der Zielsetzung des Masterplan Medizinstudium 2020. Dem widersprechen DEGAM, GHA und die DEGAM-Sektion Studium und Hochschule in einer Presseinformation. Verwiesen wird auf die in Deutschland „groteske Schieflage zwischen der Ausbildungswirklichkeit einerseits und Versorgungsrealität und -erfordernissen andererseits“. Zu hoffen bleibt, dass die Politik den Einflüsterungen, die das Ende der Wissenschaftlichkeit in der Ausbildung mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 gleichsetzen, nicht erliegt. Fast könnte man frei nach Karl Valentin den Rat geben: Ignorieren wär‘ zuviel!

In diesem Sinne und mit herzlichen Grüßen

Ihr

Wilhelm Niebling


(Stand: 14.05.2018)

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